Coronavirus
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epa08341316 Health personnel from the House Laboratory carry out blood tests to identify possible cases of positivity to COVID-19, in Genoa, Italy, 03 April 2020. Countries around the world are increasing their measures to stem the widespread of the SARS-CoV-2 coronavirus which causes the COVID-19 disease and boost pharmaceutical research fot a medical treatment of the lung disease.  EPA/LUCA ZENNARO

Blut für die Corona-Forscherinnen. Noch ist unklar, welche Antikörpertests wirklich gut sind. Bild: EPA

Kann ich jetzt einen Corona-Antikörpertest machen? Diese und 6 weitere Fragen im Überblick

Mittels Corona-Antikörpertest soll herausgefunden werden, wie weit sich das Virus bereits in der Bevölkerung verbreitet hat. Warum das so wichtig ist und ob du dich schon testen kannst, erfährst du hier im Überblick.



Was ist überhaupt ein Antikörpertest?

Steckt man sich mit einem Krankheitserreger an, wie beispielsweise dem neuen Coronavirus, so bildet das Immunsystem nach einiger Zeit Antikörper. Wurden genug solcher Antikörper gebildet, können sie die Infektion hemmen und die erkrankte Person wird wieder gesund. Sie gilt dann als immun – zumindest für eine gewisse Zeit. Bei Sars-CoV-2 ist noch unklar, wie stark ausgeprägt der Immunschutz ist und wie lange die Immunität anhält. Vermutet werden einige Monate bis Jahre.

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Mit einem Antikörpertest kann nachgewiesen werden, ob eine Person mit dem Coronavirus infiziert wurde und sich entsprechend Antikörper im Blut befinden. Dazu wird etwas Blut entnommen und zur Untersuchung in ein Labor geschickt. Wichtig dabei ist, dass der Test erst ein bis zwei Wochen nach der Erkrankung durchgeführt wird. Denn wie gesagt, beginnt der Körper erst einige Tage nach Ansteckung, Antikörper zu bilden. Um festzustellen, ob eine Person akut krank ist, eignet sich der Test also nicht, hier kommt der Nasenrachenabstrich zum Zuge mit einer PCR-Testung im Labor.

Warum ist der Test jetzt so wichtig?

Antikörper-Bluttests gelten als die nächste grosse Hoffnung in der Coronakrise. Denn nach wie vor fehlen wichtige Erkenntisse über das Virus. Zum Beispiel, wie viele Menschen sich bisher angesteckt haben und jetzt immun sind. Oder wie lange die Immunisierung überhaupt anhält. Stecken sich die Menschen nach einer gewissen Zeit ein zweites Mal an?

Bis ein Impfstoff entwickelt und zugelassen wird, kann es noch Monate dauern. Darum ist es wichtig, solche Fragen schnell zu klären. So kann herausgefunden werden, wie weit fortgeschritten die Pandemie in der Schweiz bereits ist. Oder wie hoch die Todesrate wirklich ist. Das wiederum würde die Planung für die Krankenhäuser vereinfachen. Auch liefern die Antikörpertests wichtige Informationen für die Politik, die entscheiden muss, wann Vorsichtsmassnahmen wie das Social Distancing wieder gelockert werden können.

Sind die Tests sicher?

Hier liegt das Problem. Inzwischen gibt es auf der ganzen Welt eine unübersichtliche Vielzahl verschiedener Tests, um Antikörper gegen das Coronavirus nachzuweisen. Auch in der Schweiz sind Wissenschaftlerinnen daran, Tests zu entwickeln. Welcher Test der Beste ist und zuverlässig angibt, ob eine Person das Virus wirklich hatte, weiss man noch nicht.

Bei den meisten Tests kann bisher noch nicht ausgeschlossen werden, dass sie auch bei Antikörpern gegen andere Coronaviren reagieren. Es braucht Antikörpertests, die genau das neue Coronavirus (Sars-CoV2) zuverlässig nachweisen. Sonst führen Resultate in die Irre.

Werden diese Tests auch in der Schweiz gemacht?

Ja. Schweizer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler klären derzeit ab, wie gut die Tests sind und wie genau die Ergebnisse. Dazu wurde ein nationales Forschungsprojekt entwickelt, das «Programm zur Bestimmung der Corona-Immunität in der Schweiz». Initiiert wurde es von einigen Professoren von zwölf Fachhochschulen und Universitäten aus der ganzen Schweiz.

Darunter auch jene von Genf. Das dortige Universitätsspital war eines der ersten in der Schweiz, das mit dem systematischen Testen der Bevölkerung begonnen hat. Inzwischen wird zwischen 500 bis 700 Personen pro Woche Blut abgenommen. Die getesteten Personen werden allerdings noch nicht über das Ergebnis informiert, da die Resultate noch schwierig zu interpretieren sind. Es dient in einem ersten Schritt dem Erkenntnisgewinn der Forschenden, um dann bald diese der breiten Öffentlichkeit und jedem Einzelnen zur Verfügung zu stellen.

In der SRF-Sendung «Puls» skizziert Milo Puhan, Leiter des Instituts für Epidemiologie, Biostatistik und Prävention, den Ablauf der nationalen Studie. Bis im Oktober sollen in sechs Wellen insgesamt 54'000 Personen getestet werden. So erhalte man genug Informationen zu jeder Altersgruppe und jeder Region, um die Immunität der Schweizer Bevölkerung genügend gut bestimmen zu können.

Wer kann sich testen lassen?

Im Prinzip alle. Es gibt inzwischen auch Hausärzte, Apotheken oder gar Selbsttest aus dem Internet, die man sich direkt nach Hause bestellen kann. Forscher warnen aber eindringlich vor den Ergebnissen dieser Tests. Da sie noch viel zu ungenau sind, lassen sie keine Rückschlüsse zu, ob die getestete Person auch wirklich immun auf das Virus ist oder nicht. Auch wessen Antikörpertest positiv ist, muss sich unbedingt weiterhin an die Schutzmassnahmen des Bundesrates halten.

Darum empfehlen Experten explizit, dass der Antikörpertest vorerst nicht für den privaten Gebrauch geeignet ist, sondern einzig zu Studienzwecken.

Das Covid-19-Testcenter der Universität Zürich wird bald damit beginnen, Personen in eine Studie einzuschliessen.

Wie ist die Haltung des Bundesrats?

Eine politische Strategie und Koordination des Bundes zur Handhabung der Antikörper-Tests in der Schweiz gibt es bisher nicht. An der Pressekonferenz vom Dienstag sagte Daniel Koch vom Bundesamt für Gesundheit, dass eine Meldepflicht für positive Antikörper-Tests geplant sei. Das Ziel sei, eine gute Übersicht zu haben. Es werde aber keine Register geben, wer alles getestet wurde.

Wie machen es andere Länder?

Ähnlich wie die Schweiz. Auch in Deutschland ist eine Studie geplant, bei der 100'000 Personen auf Antikörper getestet werden sollen. Österreich kündigte an, flächendeckend Antikörpertests einsetzen zu wollen – sobald die Testergebnisse sicher genug sind. Das sei derzeit aber noch nicht der Fall, wie Gesundheitsexperten sagen.

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30Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • imposselbee 09.04.2020 16:43
    Highlight Highlight Den mache ich erst, sobald es international anerkannte Zertifikate gibt. Dann fliege ich wieder an den Strand für ein Butterbrot.
    • rodolofo 10.04.2020 08:59
      Highlight Highlight Ich habe Deinen Kommentar geblitzt.
      Aber trotzdem danke für Deine Ehrlichkeit!
  • Rainer Luxus 09.04.2020 15:21
    Highlight Highlight Wusste nicht, dass man sich Hausärzte und Apotheken aus dem Internet nach Hause bestellen kann 😉
  • el perro 09.04.2020 14:47
    Highlight Highlight Ich bin stinksauer!
    War am Montag beim Hausarzt, um mich auf Corona testen zu lassen... Was macht der? Den Antikörpertest! Habe dann gestern erfahren, dass dieser Test gar nicht aussagekräftig ist, ob man zurzeit am Virus erkrankt ist... Und noch besser, anscheinend muss man diesen Antikörpertest selbst bezahlen, wird also nicht von der Krankenkasse übernommen!
    Musste gestern von Pontius bis Pilatus rennen, bis ich einen Abstrich erhalten habe. Selbst im Spital Wetzikon hat mir die Coronaärztin den Test per Abstrich verweigert, obwohl ich zur Risikogruppe gehöre!
    • Kruk 09.04.2020 15:29
      Highlight Highlight Spannend an Corona ist auch das neue Vokabular: Risikorentner, Coronaärztin, Corona-ignoranten etc. Wer kennt noch mehr?
    • imposselbee 09.04.2020 16:21
      Highlight Highlight @Kruk C19
    • el perro 09.04.2020 16:22
      Highlight Highlight Den Begriff Coronaärztin habe nicht ich erfunden, so nannten die das im Spital.
      Und wer zur Risikogruppe gehört wurde ganz klar vom BAG kommuniziert! Ich habe Bluthochdruck und bin immunsupprimiert, damit gehöre ich ganz klar zur Risikogruppe.
    Weitere Antworten anzeigen
  • mavori 09.04.2020 14:33
    Highlight Highlight In der CH geht man von ca. 1% Angesteckte aus (Prävalenz). Testen wir 10000 Personen mit Test, der mit je 95% Sicherheit Covid– (ohne Antikörper) und Covid+ (mit Antikörper = immun) gibt fälschlicherweise bei 495 Covid– an, sie seien Covid+. Sie sind aber Covid–, also nicht immun. Nur jede 6. positiv getestete Person ist tatsächlich positiv, die andern sind sog. falsch positiv. Die wiegen sich in Sicherheit, werden unvorsichtig, stecken sich an und bilden neue Infektionscluster. Die Tests sind v.a. interessant, um die Prävalenz abschätzen zu können, aber nicht alltagstauglich.
  • Name_nicht_relevant 09.04.2020 13:46
    Highlight Highlight Ich finde es intressant das man die menschen nicht beachtet die Tag Täglich mit Menschen zu tun hatten und nicht angesteckt wurden. Oder es nicht mal Wissen weil Sie zu der Gruppe gehören die ja nicht getestet wird. Ist ja toll das so eine Studie gemacht wird, jedoch nützt Sie ja nichts wenn nicht mehr Menschen getestet werden oder nehmen Sie die tests von der ABB und Militär? Wie soll ich mir das jetzt vorstellen?
  • philippsteiger 09.04.2020 13:40
    Highlight Highlight ...verstehe den Sicherheitsgedanke dahinter. Wer immun ist, ist geschützt. Das Problem ist die tiefe Prävalenz (Anteil der infizierten Personen von der Gesamtbevölkerung): 3.2% [1.3%-7.6%] gemäss Imperial College London (https://spiral.imperial.ac.uk/bitstream/10044/1/77731/9/2020-03-30-COVID19-Report-13.pdf)
    ...ein sehr exklusiver Club!
  • FS6 09.04.2020 13:26
    Highlight Highlight In Österreich sind solche Tests bereits bei den Apotheken erhältlich. In Deutschland können diese beim Hausarzt für 59 Eur gemachg werden. Nur der Schweiz sind auch in dieser Situation 98.4% nicht genug Sicherheit...
  • Paddiesli 09.04.2020 13:08
    Highlight Highlight Ich habe mich bereits beim Hausarzt für den Test angemeldet und werde aufgeboten, sobald er verfügbar ist. Sollte nicht mehr lang gehen. Da ich zu zwei Risikogruppen gehöre, wüsste ich gern, ob ich schon Antikörper habe.
    • Corpus Delicti 09.04.2020 14:24
      Highlight Highlight Wie im Artikel beschrieben:

      "Bei den meisten Tests kann bisher noch nicht ausgeschlossen werden, dass sie auch bei Antikörpern gegen andere Coronaviren reagieren. Es braucht Antikörpertests, die genau das neue Coronavirus (Sars-CoV2) zuverlässig nachweisen. Sonst führen Resultate in die Irre."

      Wenige Tage nach dem Auftreten klinischer Symptome, wie beispielsweise Husten oder Fieber, nimmt in der Regel die Antikörperkonzentration, also die Akutglobuline (IgM), im Blut stetig zu und erfährt einen Peak um den 7. bis 10. Tag, sodass die Sensitivität des Tests steil auf über 92 Prozent ansteigt.
    • Paddiesli 09.04.2020 16:43
      Highlight Highlight @Corpus Delicti, ich bin mir sicher, ich werde erst aufgeboten, wenn die Tests zuverlässig sind. Alles andere macht wenig Sinn.
  • KoSo 09.04.2020 12:38
    Highlight Highlight sehr schön zu sehen, dass auch in diese Richtung gearbeitet wird.
    Antikörper oder dann die Impfung sind aus meiner Sicht der einzige Weg aus den bewegungseinschränkenden Massnahmen.
  • Panic4Clicks 09.04.2020 12:29
    Highlight Highlight Die Tests sind ziemlich verlässlich, wenn sowohl Nucleus wie auch Spike/surface getestet werden.

    Wir konnten den Verlauf bei verschiedenen Patienten recht präzis darstellen.

    Endlich kommt mal die kleine, hässliche Schwester IV-Diagnostik aus dem fetten Schatten der Pharma.
  • LordEdgar 09.04.2020 12:24
    Highlight Highlight Kann ich jetzt einen Corona-Antikörpertest machen? Nein - da die Testergebnisse noch nicht sicher genug sind.
    • Snus116 09.04.2020 13:39
      Highlight Highlight Falls man bei der Studie mitmacht, wird man zudem selbst nicht informiert, ob man Antikörper hat.
    • fritzbrause 09.04.2020 15:08
      Highlight Highlight danke. wollts auch grad in die kommentare meckern..
    • The Snitcher 09.04.2020 21:33
      Highlight Highlight MVP
  • Lunaral 09.04.2020 12:23
    Highlight Highlight Antikörpertests sind sicher wichtig, um die Durseuchungsrate genauer errechnen zu können. Noch wichtiger finde ich dann aber die Frage, ob jemand, der Antikörper aufweist dann auch tatsächlich immun ist und für wie lange. Und: ob dadurch auch eine Übertragung an weitere Personen ausgeschlossen werden kann.
    Falls sich diese zwei Fragen mit "ja" beantworten lassen wären das natürlich grossartige Nachrichten und sehr hilfreich bei der langsamen Rückkehr zur Normalität. Auf jeden Fall ein Licht am Ende des Tunnels.
    Bis dahin wünsche ich allen frohe und gesunde Ostertage🤗
    Nicht vergessen #stayhome
  • auloniella 09.04.2020 12:18
    Highlight Highlight ähm auf der Website des Testcenters in Zürich steht aber noch nichts, dass man sich für einen Studie zum Antikörpertest melden kann?
    • Lunaticus 09.04.2020 12:53
      Highlight Highlight Sehe ich auch so. Es handelt sich um den bisherigen, "normalen" Test.
    • el perro 09.04.2020 14:49
      Highlight Highlight Nein, es gibt nun schon Hausärzte, die anstatt den Abstrich zu machen, einen solchen Bluttest durchführen. Der Patient darf selbst bezahlen! Da ist es wichtig, auf den Abstrich zu bestehen!

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