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Joggen darf man in Deutschland auch nach 22 Uhr noch. bild: shutterstock

Die Ausgangssperre in Deutschland kommt – Joggen bis zur Geisterstunde

Wer hat da noch den Überblick: Deutschland beschliesst die Corona-Notbremse. Die Regelauslegung lässt Kuriositäten zu.

Christoph Reichmuth / ch media



Die Regierungskoalition aus Union und SPD hat die Notbremse im Bundestag durchgebracht. Leicht modifiziert, da die Kritik an den Massnahmen selbst aus Kreisen der Regierungsparteien laut geworden war.

Die Abstimmung im Parlament wurde begleitet von lautstarken Protesten im Berliner Regierungsviertel. Mehr als 8000 Menschen, unter anderem der Querdenker-Bewegung, gingen gegen die Notbremse auf die Strasse. Kaum jemand hielt sich an die Coronamassnahmen. Es kam zu Dutzenden Verhaftungen.

Das Gesetz muss morgen noch von der Länderkammer (Bundesrat) abgesegnet werden. Danach gilt: Während die Schweiz lockert und die Schweizerinnen und Schweizer draussen Kaffee trinken, zieht Deutschland bei ähnlicher Coronalage die Schraube an. Drei Beispiele.

Ausgangssperre

Ab einer Inzidenz von 100 greift die Ausgangssperre. Von 22 Uhr bis 5 Uhr morgens darf die Wohnung grundsätzlich nicht mehr verlassen werden. Fast überall im Land liegt der Wert über 100, Millionen sind davon betroffen.

Allerdings gibt es Ausnahmen: Bis Mitternacht darf alleine gejoggt oder der Hund Gassi geführt werden. Die Idee hinter dem scharfen Instrument: Müssen die Menschen zuhause bleiben, verlieren sie die Lust auf nächtliche Küchenpartys in Privatwohnungen von Freunden, weil die in der Regel länger als bis 22 Uhr dauern. Indes: Aerosolforscher betonten, dass sich draussen kaum jemand ansteckt. Durch die Sperren treffen sich die Leute nun im Wohnzimmer - statt im Park. Und machen sich dann getrennt auf den Heimweg.

Schulen

Die müssen in den Distanzunterricht - ab einer Inzidenz von 165. Die Inzidenz ist ein schwankender Wert, hängt auch von der Testintensität ab. Da wirkt ein Massstab von 165 ziemlich willkürlich.

Sport

Ab Inzidenz von 100 nur alleine, zu zweit oder mit den Angehörigen des eigenen Hausstandes. Immerhin: Kinder unter 14 dürfen in Fünfergruppen zusammen spielen. Der Blick in die Parks der Stadt Berlin zeigt: Basketball und Fussball wird schon jetzt rege in grösseren Gruppen gespielt. Die Gestraften sind die Polizisten, die die undankbare Aufgabe fassen, mit Polizeiautos und beritten durch die Parks zu patrouillieren. Gerade jetzt, wo die Tage länger werden, das Wetter besser wird.

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