Coronavirus
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Fast flächendeckend von zu Hause aus arbeiteten im zweiten Quartal etwa Angestellte in den Bereichen Information und Kommunikation, Kredit- und Versicherungsgewerbe sowie Erziehung und Unterricht. (Symbolbild)

Kosten für zusätzliche Bildschirme, Strom oder Druckerpatronen: Was die Arbeitgeberin normalerweise bezahlt, muss der Angestellte übernehmen, wenn er freiwillig ins Home-Office geht. Bild: sda

Arbeitgeber wollen Home-Office-Auslagen nicht bezahlen – das sagt eine Juristin dazu

Der Bundesrat legt Firmen nahe, ihre Angestellten ins Home-Office zu schicken. Gleichzeitig sagt der Arbeitgeberverband, das Arbeiten von zu Hause sei freiwillig, weshalb keine Auslagen übernommen werden. So schätzt die Arbeitsrechtlerin den Konflikt ein.



Wegen der steigenden Corona-Fallzahlen gehen immer mehr Angestellte ins Home-Office. Das empfahl auch das Bundesamt für Gesundheit (BAG) vergangenen Sonntag. Der Bundesrat verlieh dem Nachdruck, indem er die Unternehmen aufforderte, die Empfehlung zu befolgen.

Das Arbeiten von zuhause verursacht unter Umständen jedoch Kosten, etwa für zusätzliche Bildschirme, Druckerpatronen oder wegen des höheren Stromverbrauchs. Übernimmt die Arbeitgeberin einen Teil dieser Kosten?

Nein, findet der Arbeitgeberverband. Letzte Woche hat er einen Leitfaden mit Mustervertrag herausgegeben, mit dem Firmen mit ihren Angestellten das Arbeiten zu Hause regeln können.

Mobiliar muss selbst übernommen werden

Der Vertrag sieht vor, dass Arbeitnehmer die Auslagen für das Home-Office und das dafür nötige Mobiliar übernehmen müssen. Der Angestellte soll zudem über «eine ausreichende Internetverbindung (Highspeed)» verfügen.

Während des ersten Lockdowns wurde die Frage nach der Kostenübernahme diskutiert. Gemäss des Bundesgerichtsentscheides von 2019 muss die Arbeitgeberin Auslagen bezahlen, wenn sie das Home-Office selber angeordnet hat. Solange der Angestellte freiwillig ins Home-Office geht, erhält er nichts.

Wie freiwillig ist Home-Office jetzt?

Es stellt sich also die Frage nach der aktuellen Freiwilligkeit des Home-Office. «Man kann argumentieren, das Home-Office sei momentan notwendig, denn es entspricht der aktuellen Empfehlung des BAG», sagt Romina Carcagni. Sie ist Anwältin und auf Arbeitsrecht spezialisiert.

Müsste der Arbeitgeber folglich die Auslagen fürs Home-Office übernehmen? «Es besteht nach wie vor keine Pflicht, die Mitarbeitenden ins Home-Office zu schicken», so Carcagni. Sie ergänzt: «Lässt der Arbeitgeber den Mitarbeitenden die Wahl, ob sie im Büro oder zuhause arbeiten, bleibt fraglich, ob die Auslagen im Home-Office notwendig sind.»

Die jetzige Situation sei mit derjenigen im Lockdown vergleichbar, so die Anwältin. Auch im Frühling empfahl das BAG, die Mitarbeitenden möglichst von zuhause aus arbeiten zu lassen. Damals wie heute bestand aber keine Pflicht zum Home-Office.

Der Arbeitgeberverband hält an seinem Leitfaden fest – auch nach der jüngsten Massnahmenverschärfung des Bundes. «Es handelt sich weiterhin nicht um einen staatlich verordneten Zwang zum Home-Office», sagt Fredy Greuter vom Schweizerischen Arbeitgeberverband.

Firmen übernehmen keine Auslagen

Damit argumentieren auch diverse Arbeitgeber. Das Reiseunternehmen Hotelplan übernimmt deshalb keine Kosten und stellt keine zusätzliche Infrastruktur zur Verfügung, schreibt Mediensprecherin Tanja Pöll. Anträge von Risikopatienten würden individuell geprüft.

Ähnlich handhabt es die Zürcher Kantonalbank. Home-Office sei zwar ein wichtiger Bestandteil des Massnahmenpakets zur Eindämmung des Coronavirus, sei aber freiwillig, teilt die ZKB mit. Das nötige Arbeitsmaterial, etwa Notebook und Headset, könnten Mitarbeitende nach Hause nehmen.

Die IT-Infrastruktur werde den Mitarbeitenden vom Schweizer Radio und Fernsehen zur Verfügung gestellt, sagt die Kommunikationsstelle der SRG. Home-Office sei aber auch bei ihnen freiwillig.

Regelung für Zukunft nötig

Ob Arbeitgeber gewisse Auslagen bezahlen müssen und wie freiwillig das Home-Office für Angestellte tatsächlich ist, wird sich zeigen. Klarheit würde wohl erst ein entsprechender Gerichtsentscheid bringen.

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