Donald Trump
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
President Donald Trump speaks at a campaign rally at Carson City Airport, Sunday, Oct. 18, 2020, in Carson City, Nev. (AP Photo/Alex Brandon)
Donald Trump

Bild: keystone

Warum die ersten Republikaner Trump verlassen

Senatoren bekommen kalte Füsse, Trumps Wahlkampf-Taktik erweist sich als kontraproduktiv: Der Glaube an die Wiederwahl des Präsidenten schwindet.



Ben Sasse ist ein kommender Star der Grand Old Party (GOP). Nicht wenige sehen in dem jungen Senator aus dem Bundesstaat Nebraska bereits einen zukünftigen Präsidenten. Vom jetzigen Amtsinhaber hält Sasse wenig. An einer Telefon-Wahlveranstaltung klagte er Trump an, er «flirte» mit Diktatoren und White Supremacists, er werde für ein «Blutbad» der Republikaner im Senat sorgen und mache sich im privaten Kreis über seine evangelikalen Wähler lustig.

Dass ein republikanischer Senator den Präsidenten so offen angreift, war bis vor kurzem undenkbar. Trump hatte alles im Griff, auch die eigene Partei. Nun aber werden erste Risse in der GOP-Mauer sichtbar. Die anhaltend schlechten Resultate der Meinungsumfragen zeigen Wirkung, selbst bei Hardcore-Trump-Fans.

Sen. Ben Sasse, R-Neb., talks during the confirmation hearing for Supreme Court nominee Amy Coney Barrett before the Senate Judiciary Committee, Wednesday, Oct. 14, 2020, on Capitol Hill in Washington. (AP Photo/Patrick Semansky, Pool)
Ben Sasse

Outet sich als Trump-Kritiker: Ben Sasse, republikanischer Senator aus Nebraska. Bild: keystone

So warnt auch Ted Cruz, Senator aus Texas, vor einem «Blutbad im Ausmass von Watergate». Selbst der grösste Wendehals im Club der GOP, Lindsey Graham, denkt laut darüber nach, dass Trump verlieren könnte. Der Senator aus South Carolina befürchtet nicht nur, dass das Weisse Haus verloren werden könnte, sondern auch die Mehrheit im Senat – und vor allem sein eigener Sitz in diesem Gremium.

Zwei Wochen vor den Wahlen werden die Republikaner nervös. Selbstverständlich reagierte Trump umgehend mit einem gehässigen Tweet auf Sasse. Er attackiert auch Susan Collins, die republikanische Senatorin aus dem Bundesstaat Maine, per Twitter. Sie hat sich gegen die überhastete Wahl der Bundesrichterin Amy Coney Barrett ausgesprochen.

Derweil zeigt Mitch McConnell, Mehrheitsführer im Senat, keinerlei Lust, die weit reichenden Stimulus-Pläne seines Präsidenten zu unterstützen.

Ebenfalls Risse zeigt Trumps Aura der Unbesiegbarkeit. Carlos Curbelo, ein ehemaliger Abgeordneter der GOP, formuliert es gegenüber den «New York Times» wie folgt:

«Seit es offensichtlich geworden ist, dass auch Trump nur ein sterblicher Politiker ist, kann man sehen, wie die Republikaner darum ringen, wie die Partei sich in der Zukunft positionieren soll. Was wir von Senator Sasse gehört haben, ist der Beginn dieses Prozesses.»

Auch innerhalb des Weissen Hauses ist Zoff angesagt. Trump soll extrem über seinen Stabschef Mark Meadows verärgert sein. Dieser hatte den Zustand des Präsidenten nach dessen Erkrankung als besorgniserregend bezeichnet. Deshalb sollen seine Tage bereits gezählt sein. Meadows ist bereits Trumps vierter Stabschef.

White House Chief of Staff Mark Meadows speaks to the media as he walks out during a break in the confirmation hearing for Supreme Court nominee Amy Coney Barrett before the Senate Judiciary Committee, Monday, Oct. 12, 2020 on Capitol Hill in Washington. (AP Photo/J. Scott Applewhite)

Soll bereits wieder abgeschossen werden: Stabschef Mark Meadows. Bild: keystone

Jüngste Umfragen zeigen, dass der Verlust der Mehrheit der GOP im Senat ein realistisches, ja, wahrscheinliches Szenario geworden ist. Die Partei steht daher vor einem taktischen Dilemma: Soll sie weiter bedingungslos hinter dem Präsidenten stehen? Oder soll sie versuchen, in einzelnen Bundesstaaten zu retten, was zu retten ist?

Will heissen: Soll sie mit dem Argument werben, eine Mehrheit im Senat sei das wirksamste Mittel gegen einen demokratischen Präsidenten, und damit implizit zugeben, dass Trump die Wahl verlieren wird?

Trump setzt derweil auf Altbewährtes, auf seine Rallys. Er ist überzeugt, dass er mit diesen Massenveranstaltungen vor vier Jahren gewonnen hat, und will diesen Triumph wiederholen. Dabei übersieht er, dass sich die Bedingungen dramatisch verändert haben.

2016 zeigten die Rallys die Dynamik des Aussenseiters und wurden auf allen TV-Stationen übertragen. Heute tut dies höchstens noch Fox News. Vor allem jedoch stehen diese Rallys im krassen Gegensatz zur Coronakrise. Tausende von Trump-Fans jubeln ihrem Idol zu, eng zusammen stehend und meist ohne Maske.

President Donald Trump speaks at a campaign rally at Carson City Airport, Sunday, Oct. 18, 2020, in Carson City, Nev. (AP Photo/Alex Brandon)
Donald Trump

Eher kontraproduktiv: die Trump-Rallys. Bild: keystone

Das mag dem Ego des krankhaften Narzissten schmeicheln und seiner Basis Freude bereiten. Dort, wo es zählt, wirkt es kontraproduktiv: bei den Senioren und den Frauen in den Vorstädten. Diese für einen Sieg so wichtigen Wählergruppen wenden sich von Trump ab. Das zeigen verschiedenste Umfragen.

Auch bei den Schwarzen kommt Trump schlecht an. Eine «Washington Post»/ABC-Umfrage hat kürzlich ergeben, dass bloss acht Prozent der schwarzen Wähler Trump ihre Stimme geben wollen. Und gerade diese Wählergruppe geht zur Urne wie kaum je zuvor. Rund 28 Millionen Wählerinnen und Wähler haben bereits abgestimmt, mehr denn je zuvor. Traditionellerweise profitieren die Demokraten von einer hohen Stimmbeteiligung.

Die Trump-Rallys erwecken auch einen falschen Einruck. Obwohl Joe Biden strikt bei seiner Anti-Corona-Strategie bleibt und keine Massenveranstaltungen durchführt, erreicht er seine Wählerinnen und Wähler besser als sein Rivale. Das haben Parallel-TV-Debatten vom vergangenen Mittwoch gezeigt. Biden hatte die leicht höhere Einschaltquote als Trump.

Alles scheint damit für Biden und die Demokraten zu laufen – und genau das macht ihnen Angst. Vor vier Jahren sah es nämlich sehr ähnlich aus. Hillary Clinton führte in den Umfragen deutlich, um dann die Mehrheit der Elektoren-Stimmen zu verlieren. Die Demokraten sind daher alles andere als euphorisch. Sie befürchten ein Déjà-vu.

Es gibt jedoch Hoffnung für die Demokraten. Selbst Mitch McConnell meidet aus Angst vor Corona das Weisse Haus. «Ich habe den Eindruck, dass die Art und Weise, wie die damit umgehen, sich von meiner unterscheidet und auch davon, wie wir es im Senat handhaben», so der Mehrheitsführer.

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Die wichtigsten Termine bis zu den US-Wahlen

Watson-Mitarbeiter Johann Aeschlimann am Trump-Rally in Florida

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Liveticker

Rennen um die US-Präsidentschaft: Biden überholt Trump in Georgia

Artikel lesen
Link zum Artikel