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titelbild eth-studis

An der ETH Zürich finden einige Prüfungen vor Ort statt. Bild: keystone/zvg

ETH-Studis gehen wohl auch krank an Prüfungen – wegen fehlendem Wiederholungstermin

An der ETH Zürich finden zurzeit Prüfungen statt. Ein Student befürchtet, dass viele auch krank in die Prüfungssäle kommen, weil man die Sessionstests nicht wiederholen könne.



Diese Woche sind die Sessionsprüfungen an der ETH Zürich gestartet. Im Gegensatz zu anderen Prüfungen finden diese ohne Ausnahme vor Ort, in den Vorlesungssälen der Hochschule statt. Wer Krankheitssymptome hat, darf grundsätzlich nicht auf den Campus. Das steht im Schutzkonzept der ETH. Ob das eingehalten wird, bezweifelt ein Student.

«Studierende mit Krankheitssymptomen werden trotzdem an den Prüfungen teilnehmen, da ihr Studium ansonsten um mindestens ein Semester verlängert werden würde», sagt Reto Murias*. Speziell an den Sessionsprüfungen ist: Sie können nur nach erneuter Belegung des Fachs wiederholt werden und gelten als «high-stake», sind also besonders wichtig für das weitere Studium.

«Der ETH Zürich scheint es wichtiger zu sein, keine Negativschlagzeilen zu machen als die Verbreitung des Coronavirus einzudämmen.»

Reto Murias, Student an der ETH Zürich

Weiter kritisiert der Student das Schutzkonzept der Hochschule: «Hunderte von ETH Studierenden sitzen während mehreren Stunden im gleichen Raum», sagt Murias. Der Mindestabstand von eineinhalb Metern könne nicht eingehalten werden. Das soll ein Bild zeigen, das mutmasslich während der Prüfung am Montag entstand und auf der Diskussionsplattform Reddit rege diskutiert wurde.

Sessionsprüfung an der ETH am Montag. ETH Zürich, Prüfung, Studierende, Studenten, Studentinnen, Vorlesungssaal, Test, Corona, Sicherheitsabstand

Dieses Bild erschien auf Reddit mit dem Titel «Social distancing during ETH exams». Bild: reddit / u/throwaway133755228

Ratschlag: «Nöd wienes Schnäggli gah»

Unter dem Reddit-Post häufen sich die Kommentare von verärgerten Studentinnen und Studenten. «Das Verhalten der ETH Zürich gegenüber uns Studierenden und dem Gemeinwohl ist nicht zu rechtfertigen», findet Murias. Auch das Schreiben, das die Rektorin Sarah Springman an die Studierende geschickt habe, erwecke einen negativen Eindruck: «Der ETH Zürich scheint es wichtiger zu sein, keine Negativschlagzeilen zu machen als die Verbreitung des Coronavirus einzudämmen.»

Nöd wie-n-es Schnäggli gah: Ausschnitt aus dem Brief, in dem die ETH-Direktion die Studierenden anweist, nach den Prüfungen direkt nach Hause zu gehen. Prüfungen, ETH Zürich, Brief, Corona, Covid-19, Schutzkonzept,

«Nöd wienes Schnäggli gah»: Ausschnitt aus dem Brief der ETH-Rektorin Sarah Springman. Bild: zvg

ETH vertraut den Studierenden

Bei der ETH schätzt man das Risiko, dass Studierende trotz Krankheitssymptomen an die Prüfungen kommen, als gering ein. «Wir sind überzeugt, dass die Studierenden verantwortungsbewusst handeln», heisst es von der Medienstelle der ETH. Wer Symptome hat sei verpflichtet, sich von der Präsenzprüfung abzumelden, spätestens bis eine Stunde vor Beginn. Wer einen negativen Covid-19-Test vorweisen könne, der höchsten 48 Stunden alt ist, dürfe trotz Symptomen teilnehmen.

«Die physische Präsenz bei den schriftlichen Sessionsprüfungen ist unerlässlich.»

Medienstelle der ETH Zürich

Zur Frage nach der Wiederholungsmöglichkeit der Sessionsprüfungen teilt die Stelle mit: «Es gibt mehrere Gründe, wieso eine Repetitionsprüfung nicht angeboten wird.» So etwa, dass die Studierenden während des kommenden Semesters eine zusätzliche Prüfung schreiben müssten, was eine zusätzliche Belastung wäre.

Ein weiterer Grund nennt der akademische Leiter Hermann Lehner gegenüber «ETH-News»: Es sei unmöglich, eine gleichwertige Ersatzprüfung in derselben Session anzubieten. Das Erstellen einer schriftlichen Prüfung erfordere einen Aufwand von zwei bis drei Wochen Vollzeit – diese Zeit stehe nicht zur Verfügung.

Risikopatienten erhalten mehr Platz

Studierende, die zur Risikogruppe gehören, können einen separaten Prüfungsplatz mit zusätzlichen Schutzmassnahmen beantragen, heisst es weiter von der ETH-Medienstelle. Sie erhielten etwa einen Sitz mit grösserem Abstand zu anderen Kandidaten.

Die Sessionsprüfungen online durchzuführen, kommt nicht in Frage. «Die physische Präsenz bei den schriftlichen Sessionsprüfungen ist unerlässlich», teilt die Medienstelle mit. Keine Online-Methode habe die gewünschte Qualität gewährleistet.

Zum Vorwurf, dass sich die ETH nur darauf konzentriere, keine Negativschlagzeilen zu machen, sagt die Medienstelle: «Diese Passage im Schreiben der Rektorin ist in der Tat unglücklich formuliert.» Die Rektorin habe mit der Bemerkung zu den unvorteilhaften Bildern vermitteln wollen, dass Studierende sich nach Prüfungsende nicht versammeln dürften.

*Name durch die Redaktion geändert.

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