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Mit Solarenergie und Kurbel aufladbares UKW-Taschenradio, im Hintergrund ein modernes Digitalradio (DAB+), das über die Antenne auch UKW-Wellen empfängt.

Ein (zugegeben ziemlich ramponiertes) Solar-Radio mit Kurbel, im Hintergrund ein modernes Digitalradio, das über die Antenne auch UKW-Wellen empfangen kann. Der Bund muss die Bevölkerung auch informieren können, wenn es weder Strom noch Internet gibt. Bild: watson

Darum brauchst du unbedingt einen UKW-Empfänger – und zwar einen krisentauglichen

Digitales Radio setzt sich unaufhaltsam durch. Aber was passiert nach einem Blackout oder einer Umweltkatastrophe, wenn der Bund die Bevölkerung offline informieren muss? Tatsache ist: iPhone-User haben schlechte Karten.



Kürzlich haben wir privat ein Digitalradio angeschafft. Ein schönes Gerät, das einiges kostete. Und natürlich beherrscht es den Übertragungsstandard DAB+, denn die UKW-Sender werden bekanntlich per 2023 abgeschaltet.

In Zukunft werden uns SRF und Co. nur noch digital «berieseln». Trotzdem hat auch unser neues Gerät eine ausziehbare Antenne aus Metall. Dass dieses Relikt aus Analogzeiten im längst angebrochenen Zeitalter des Digitalradios weiterhin sinnvoll bleibt, dürften einige nicht wissen.

Der Grund ist beim Bund zu suchen. Im Katastrophenfall will das Bundesamt für Bevölkerungsschutz die Schweizerinnen und Schweizer übers Radio informieren. Doch wie soll dies möglich sein, wenn – etwa nach einem massiven Blackout – weder Strom noch Internet verfügbar sind?

Die Antwort ist einfach: über UKW. Über ein UKW-Notsendernetz, um genau zu sein, dazu weiter unten mehr.

Sicher ist, dass diese Notfall-Kommunikationsstrategie für alle Betroffenen (Bevölkerung und Bund) ein Dilemma bedeutet, wie die Medienwoche kürzlich in Erinnerung rief:

«Die Botschaft wird nicht ganz einfach zu vermitteln sein, dass man weiterhin ein funktionstüchtiges UKW-Radiogerät bereithalten soll für den Fall der Fälle.»

Nick Lüthi, Medienwoche

UKW sei zwar ein Auslaufmodell für den Empfang von Radioprogrammen, aber für die Information der Bevölkerung bei Katastrophen bleibe die vermeintlich veraltete Technologie weiterhin im Einsatz, heisst es im Beitrag.

Das Problem ist alles andere als neu. Schon 2016 titelte der Tages-Anzeiger: «Es ist Notfall – und der Bund funkt ins Leere». Und 2018 mahnte das Bundesamt für Bevölkerungsschutz, kurz BABS, in einem Fachartikel:

«In der Notfallvorsorge ist es grundsätzlich problematisch, auf ein System zu setzen, das nur im Katastrophenfall zum Einsatz kommt. Bei den Nutzerinnen und Nutzern fehlt dann das erforderliche Know-how. Sie befinden sich zudem typischerweise in einer Stresssituation, in der sich Schwierigkeiten besonders stark auswirken können.»

Der Medienwoche-Leiter kommt im aktuellen Artikel zum Schluss, dass sich die Situation «nicht ganz so problematisch» präsentiere. Denn heute verfüge praktisch jedes Radiogerät nebst dem Empfang von DAB+ auch über die Möglichkeit, auf UKW umzuschalten. «Im Katastrophenfall müsste also nur ein Hebel am Radiogerät umgelegt werden.»

Das Hebelumlegen hilft allerdings nur, wenn weiter Strom aus der Steckdose kommt oder wenn das Radiogerät mit Batterien läuft. Abgesehen davon würde bei einem massiven Blackout das Empfangsgerät nicht mehr funktionieren. Es sei denn, man hat auch noch ein Kurbel- oder Solar-Radio.

Oder man hat ein UKW-taugliches Smartphone. Ja, die gibt es, und zwar von allen bekannten Herstellern – ausser Apple. Das iPhone ist nicht in der Lage, die Radiowellen zu empfangen. Handys von Samsung, Huawei etc. schon.

Eine Liste der Smartphone-Modelle findet man bei inside-digital.de. Verbunden mit dem Hinweis, dass der integrierte UKW-Empfänger im Handy genau so funktioniere wie ein herkömmliches Radio; und die (übers Kabel) mit dem Mobilgerät verbundenen Kopfhörer halten als Antenne her.

PS: Bleibt die Problematik eines Elektromagnetischen Impulses (EMP), wie etwa durch eine Bombe. Ein solcher Angriff würde alle ungeschützten Elektrogeräte lahmlegen.

Was für ein Notsendernetz hat die Schweiz?

In der Schweiz wollen die Verantwortlichen beim Bund in einer ausserordentlichen Krisenlage die Bevölkerung übers Radio warnen und auf dem Laufenden halten.

Sendeturm Rigi: Im Katastrophenfall informieren die Behörden die Bevölkerung über Radio.

Sendestation Rigi: Übers ganze Land sind starke Notsender verteilt. Bild: watson

Zum Einsatz käme das Notsendernetz etwa bei einem grossflächigen, langanhaltenden Stromausfall oder wenn die Bevölkerung die Schutzräume aufsuchen muss. Denn im Gegensatz zu DAB+ durchdringen UKW-Wellen dicken Beton.

Das entsprechende System wird IBBK-Radio genannt (das Kürzel steht für «Information der Bevölkerung durch den Bund in Krisenlagen»). Es handelt sich um vom Bund betriebene Sendeanlagen, die die Infrastruktur der SRG-Radiosender ergänzen sollen. Über die gesamte Schweiz verteilt seien Sendestationen mit UKW-Notsendeanlagen ausgerüstet, informierte das zuständige Bundesamt im Jahr 2018.

Diese Stationen verfügten über eine sehr grosse Sendeleistung und seien besonders geschützt. Sie würden in Betrieb genommen, wenn die normale Sendeinfrastruktur nicht mehr zur Verfügung stehe – also beispielsweise nach einem Totalausfall der Stromversorgung (Blackout). Als Ergänzung können laut Bund zudem in relativ kurzer Zeit mobile Notsender eingerichtet werden. Dadurch könnten die Behörden die Bevölkerung in Notlagen über UKW informieren.

Wie lange UKW als Notfallradio weitergeführt werde, sei heute nicht klar, hält der Medienwoche-Autor in seinem Beitrag fest. «Vorerst bis 2027. Allerdings wird sich auch darüber hinaus an der Ausgangslage nichts grundlegend ändern.»

Nur mit UKW-Radio verfüge der Bund über einen «von Dritten entflochtenen Informationskanal, der in allen Lagen einsatzbereit ist und es den Behörden erlaubt, sich direkt an die Bevölkerung zu wenden». Und genau das sei in einer Krisen- oder Katastrophensituation unabdingbar.

Quellen

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