Arbeitswelt
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Beschäftigte fordern Homeoffice als Ergänzung zur Arbeit vor Ort



Viele Arbeitnehmende in der Schweiz würden nach der Corona-Pandemie gerne zumindest teilweise weiter zu Hause arbeiten. (Themenbild). keyword ergänzung homeoffice home office (jaw)

Homeoffice – gehasst und geliebt. Bild: DPA

90 Prozent der Beschäftigten möchten Homeoffice als Ergänzung zur Arbeit vor Ort zulassen. Negativ bewertet werden in einer Umfrage die fehlenden informellen Kontakte und die mangelhafte Ergonomie. Die Gewerkschaften fordern nun zeitgemässe Homeoffice-Regelungen.

Die Resultate zeigten, dass Homeoffice kurz vor dem Durchbruch stehe, wenn die Unternehmen gute Rahmenbedingungen dafür schafften, sagte Syndicom-Geschäftsleitungsmitglied Giorgio Pardini bei der Präsentation der Umfrage am Dienstag vor den Medien in Bern gemäss Redetext. Die Gewerkschaft hatte die Umfrage während des Corona-Lockdowns beim Forschungsinstitut gfs.bern in Auftrag gegeben.

Laut Umfrage ist die Arbeitszufriedenheit mit Homeoffice höher, Privat- und Berufsleben liessen sich besser vereinbaren und Homeoffice sei auch gut für den Umweltschutz. Vorbehalte haben die 1126 Befragten wegen der fehlenden informellen Kontakte und der Isolation, der Ausstattung des Arbeitsplatzes zuhause und der Auslagen für Homeoffice.

Wenn wir uns im Büro wie im Homeoffice verhalten würden

Video: watson/Knackeboul, Madeleine Sigrist, Emily Engkent

Sollte sich der Vormarsch von Teleheimarbeit weiter fortsetzen, ist der Gesetzgeber laut Pardini gefordert, die bestehenden Normen auf die neuen Gegebenheiten anzupassen. Zudem sei es an den Unternehmen, für zeitgemässe Homeoffice-Regelungen zu sorgen, wenn sie attraktive Arbeitgeber sein wollten.

Sorgen um Fürsorgepflicht

Die Ergebnisse der Umfrage lieferten den Gewerkschaften zudem wichtige Hinweise für die Ausgestaltung der Rahmenbedingungen, namentlich in den Gesamtarbeitsverträgen. Insbesondere dürfe die im Arbeitsrecht festgeschriebene Fürsorgepflicht des Arbeitgebers nicht in Frage gestellt werden, erklärte Pardini.

So habe die Umfrage etwa gezeigt, dass ein erheblicher Teil der Befragten mehr Arbeitsstunden geleistet habe. Und 45 Prozent der Befragten hätten von ihrem Arbeitgeber keinen Beitrag an die Kosten im Homeoffice erhalten.

Letztlich ist laut Pardini ein gesunder Mix zwischen Arbeit vor Ort und Homeoffice gefragt, dessen Rahmenbedingungen die Sozialpartner vereinbaren müssten. Es könne nicht im Interesse der Unternehmer sein, dauerhaft Homeoffice anzuordnen, um Infrastruktur- und Reisekosten zu sparen.

Über 300'000 «Neulinge»

Gemäss den Berechnungen des Forschungsinstituts gfs.bern haben während des Lockdowns rund 335'000 Personen zusätzlich im Homeoffice gearbeitet. Gemäss Arbeitskräfteerhebung 2019 des Bundesamts für Statistik (BFS) taten dies bereits vorher rund 1.1 Millionen Arbeitnehmende gelegentlich.

Die Zahl der Arbeitsstunden im Homeoffice hat sich während des Lockdowns ungefähr um den Faktor 3.5 auf knapp 40 Millionen Stunden erhöht. Knapp 32 Arbeitsstunden pro Woche leisteten die befragten Beschäftigten im Homeoffice.

Die Zeit, die sie beim Arbeitsweg einsparen, nutzen 78 Prozent der Befragten privat und 68 Prozent beruflich sinnvoll. 61 Prozent gaben an, dass sie mit Homeoffice das Privat- und Berufsleben besser unter einen Hut bringen. 89 Prozent sehen Homeoffice als einen wesentlichen Beitrag zum Umweltschutz, 98 Prozent gaben an, diese Arbeitsform reduziere die Überlastung der Verkehrsinfrastruktur.

Zwei von drei fühlen sich isoliert

Andererseits sind 64 Prozent der Meinung, dass Homeoffice das Gefühl des Alleinseins fördert. 71 Prozent fehlen die informellen Kontakte im Team. Nur 6 Prozent lehnen es aber kategorisch ab, nach der Pandemie zum Teil zuhause zu arbeiten.

Für 86 Prozent ist klar, dass die technologische Infrastruktur für die digitale Zusammenarbeit ausgeweitet werden muss. 49 Prozent erlebten Homeoffice ergonomisch als mangelhaft.

Das gfs.bern hat die Umfrage vom 23. April bis 10. Mai bei insgesamt 1126 Personen in der ganzen Schweiz durchgeführt, die im März und April mindestens einen Tag im Homeoffice arbeiteten. Der Stichprobenfehler liegt bei 2.9 Prozentpunkten. (aeg/sda)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Ökonometriker 27.05.2020 00:21
    Highlight Highlight EIne allgemeine Umfrage dürfte der falsche Weg sein, um Home Office zu evaluieren. Hier spielen die Persönlichkeit des Arbeitnehmers, die Art des Jobs, die Wichtigkeit von Teamwork, die Grösse des Unternehmens usw. viel grössere Rollen.
    Bei mir persönlich erhöhen 1-2 Tage Home Office pro Woche die Produktivität. Alles darüber verringert sie, da ich zu Hause schlechter mit Leuten zusammenarbeiten kann. Mich motiviert auch das Arbeitsumfeld im Geschäft, insbesondere mein Team - was zu Hause fehlt.
  • Weisser Mann 26.05.2020 13:50
    Highlight Highlight Ich fühle mich auch isoliert. Ich liebe es *_*
  • Scaros_2 26.05.2020 13:11
    Highlight Highlight Und 45 Prozent der Befragten hätten von ihrem Arbeitgeber keinen Beitrag an die Kosten im Homeoffice erhalte

    Ich finde aber auch das braucht es nicht. Home-Office ist eine ergänzung und ein Luxus. Für mich bedeutet dies 1.2h weniger Autofahren und damit weniger Stress täglich. Es bedeutet, dass ich länger schlafen kann etc.

    Wer Home-Office machen will der soll nicht auch noch die hohle Hand für Miete etc. hinhalten. Sondern soll mit dem AG über IT Ware etc. einen Vertrag machen damit er die Notwendige IT Ware auch zuhause hat. 1-2 Bildschirme + Dokingstation, tastatur/maus. Rest Eigenmittel
    • öpfeli 26.05.2020 13:54
      Highlight Highlight Ich arbeite in der Lohnabteilung und prompt kam heute die erste Anmerkung eines MA, dass er die Homeoffice Entschädiung auf der Lohnabrechnung vermisst 🤦 ich hoffe nun sehr, solche MA verhindern das HO in Zukunft nicht.
    • Scaros_2 26.05.2020 14:20
      Highlight Highlight Das passiert halt wenn auf der eine Seite 20min.ch etliche dümmliche Artikel über HO schreibt weil es ein Bundesgerichtsurteil gibt und auf der anderen Seite Leser hast die ned mal 1+1 zusammenzählen können weil sie ja nur 20min.ch lesen welche insgesamt sehr dürftig informiert und aus dem Kontext.
    • i schwörs 27.05.2020 09:43
      Highlight Highlight Scaros: bei mir siehts auch so aus. Ich habe durch den Wegfall des Arbeitsweges zeitl. und finanz. Vorteile. Meinen Wohnort habe ich selber gewählt, die Beitragspflicht eines AG für HO sollte nicht von *meinen* privaten Entscheidungen abhängen. Also: Beiträge an Miete, eher nicht, Beiträge an die nötige IT Infrastruktur eher ja. Ob dies rein geldmässig oder hardwaremässig sein soll, weiss ich nicht. Hängt halt auch vom konkreten Einzelfall ab. HO ist nicht nur einfach ein Luxus für den AN, sondern bietet auch finanziell relevante Vorteile für den AG. Davon soll auch der AN etwas haben.

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