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Le gardien biennois Jonas Hiller, gauche, encaisse le premier but face a l'attaquant lausannois Joel Vermin, droite, lors de la rencontre du championnat suisse de hockey sur glace de National League entre le Lausanne Hockey Club, LHC, et le HC Bienne ce vendredi, 21 fevrier 2020 a la patinoire de la vaudoise arena de Lausanne. (KEYSTONE/Cyril Zingaro)

Sieht man wohl nicht mehr: Vermin schiesst im Lausanne-Dress ein Tor. Bild: KEYSTONE

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Transfer-Operette um Joel Vermin – der SCB hat die besten Karten

Lausannes Sportchef Petr Svoboda will seinen WM-Silberhelden Joel Vermin loswerden. Was in Zeiten der Krise nicht so einfach ist. Eigentlich ist nur noch der SC Bern eine realistische Variante.



Petr Svoboda (54) kennt die NHL. Schliesslich hat er in der wichtigsten Liga der Welt mehr als 1000 Spiele bestritten. Aber die eidgenössische Hockey-Welt ist ihm noch ein wenig fremd. Deshalb hat er für Nationalstürmer Joel Vermin (28) nach wie vor keinen Abnehmer gefunden. Nach einer Auseinandersetzung in der Kabine bietet er seinen besten Stürmer zum Tausch an. Eine Transfer-Operette halt.

Die Klubs haben zwar in den Zeiten der Krise einen Transferstopp vereinbart. Wenn aber jemand einen Spieler loswerden will, ist es natürlich möglich, zu telefonieren. Svoboda hat Vermin bereits mitgeteilt, dass er ihn nicht mehr im Team haben will. Nach den ihm wohlvertrauten NHL-Gepflogenheiten wäre das auch kein Problem: Er könnte den hochkarätigen Stürmer bei der Konkurrenz problemlos gegen einen oder mehrere Spieler eintauschen («traden»). Schliesslich musste der ehemalige Weltklasse-Verteidiger in der NHL auch mehrmals wegen Tauschgeschäften den Arbeitgeber unfreiwillig wechseln.

Petr Svoboda, directeur des operations hockey du Lausanne Hockey Club, pose avec un maillot lors d'une conference de presse du Lausanne Hockey Club, LHC, a la vaudoise arena le mercredi 27 mai 2020 a Lausanne. (KEYSTONE/Jean-Christophe Bott)

Lausannes Sportchef: NHL-Legende Petr Svoboda. Bild: KEYSTONE

Die Liga abtelefoniert

Bei uns geht das nicht so einfach. Gegen den Willen eines Spielers gibt es selbst dann kein Tauschgeschäft, wenn der Klub einverstanden wäre. Petr Svoboda hat nun mit allen möglichen Abnehmern telefoniert. «Ja, wir haben miteinander gesprochen. Aber wir haben in der Offensive keine Plätze mehr frei», sagt beispielsweise ZSC-Sportchef Sven Leuenberger. «Ja, wir haben telefoniert», meldet auch Zugs Sportchef Reto Kläy, «aber wir haben Einstellungsstopp.»

Auch HCD-Sportdirektor Raeto Raffainer bestätigt die Kontakte mit Lausannes Sportchef und Luganos Hnat Domenichelli mag nicht dementieren. Interessant ist das Vorgehen von Lausannes Sportchef. Ein Sportchef erzählt: «Er hat angerufen und ein Tauschgeschäft vorgeschlagen. Auf meine Frage, wen er denn von uns haben möchte, sagte er, er wisse es noch nicht, er müsse erst unsere Kaderliste studieren.» Eine Transfer-Operette halt.

Kein Spieler stimmt einem Trade zu

Inzwischen sind alle Versuche eines Tauschgeschäftes gescheitert. Entweder hat der Klub abgelehnt oder der Spieler war nicht bereit, nach Lausanne zu zügeln. Tanner Richard bleibt in Genf, Luca Fazzini in Lugano und Vincent Praplan in Bern. Ein Tausch von Joel Vermin gegen mehrere mittelmässige Spieler oder weniger begabte Talente ist auch nicht zustande gekommen. Aber ohne Realersatz möchte Petr Svoboda Joel Vermin nicht hergeben. Logisch: Er hat dann Mühe, Lausannes Anhängern und Besitzern zu erklären, warum er seinen wohl besten Schweizer Spieler ohne Not aus einem laufenden Vertrag ziehen lässt. Eine Transfer-Operette halt.

Le Top Scorer lausannois Joel Vermin, gauche, celebre le 3eme but devant l'attaquant lausannois Torrey Mitchell, droite, lors de la rencontre du championnat suisse de hockey sur glace de National League entre le Lausanne Hockey Club, LHC, et le SC Rapperswil-Jona Lakers ce samedi 5 janvier 2019 a la patinoire provisoire de Malley 2.0 a Lausanne. (KEYSTONE/Laurent Gillieron)

Vermin war auch schon Lausannes Topskorer. Bild: KEYSTONE

Die besten Karten hat nun der SC Bern. Mitbesitzer, Verwaltungsrat und Manager Marc Lüthi sagt nur kurz angebunden: «Wir haben Personalstopp.» Logisch. Kein Chef verrät, was unten im Transfer-Maschinenraum vor sich geht. Dort ist der tüchtige «Schatten-Sportchef» Alex Chatelain immer noch mit Svoboda in Kontakt. Wenn es um die grossen Deals geht, wird der zum «strategischen Sportchef» wegbeförderte ehemalige Sportchef vorerst nach wie vor «an der Front» aktiv. Seine neue Chefin Florence Schelling ist nach wie vor – wie die Queen in England – viel mit repräsentativen Aufgaben (und Medienauftritten) beschäftigt.

Der SCB hofft auf den Bundesrat

Stück um Stück lässt sich das Puzzle dieser Transfer-Operette zusammenstellen. Wie verlässliche Gewährsleute aus Lausanne melden, hat Chatelain offeriert, den noch bis ins Frühjahr 2022 laufenden Vertrag Vermins mit einem Bruttosalär von 525'000 Franken zu übernehmen. Ein guter Deal. Joel Vermin ist ein ehemaliger SCB-Junior und würde in Bern mit offenen Armen empfangen.

Wie ist das möglich? Hat denn Marc Lüthi beim SCB nicht einen Einstellungstopp ohne jede Ausnahme verordnet und auf Nachfrage nochmals leicht unwirsch bestätigt? Ein Nachfragen unter den Agenten und zuverlässigen Gewährsleuten löst das Rätsel: Der SCB hat erst drei Ausländer unter Vertrag und im Budget ist die Anstellung eines vierten ausländischen Spielers erlaubt. Bei einer Verpflichtung von Joel Vermin würde vorerst auf das Engagement des vierten Ausländers verzichtet, bis der Geschäftsgang wieder so gut ist, dass die Besetzung aller Ausländerpositionen verantwortet werden kann. Was dann wohl der Fall wäre, wenn der Bundesrat am 12. August die Zuschauerbeschränkung zu Gunsten einer Prozentlösung zur Stadionauslastung («60-Prozent-Formel») aufhebt und für die Kantone verbindlich erklärt.

Joel Vermin in Gottes Namen doch behalten mit dem Risiko von Unruhe in der Kabine oder ihn ohne Realersatz nach Bern ziehen lassen? Das ist die Frage, die in den nächsten Tagen oder vielleicht gar Wochen Lausannes Bürogeneräle umtreiben wird. Eine Transfer-Operette halt.

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17Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Glenn Quagmire 06.08.2020 09:35
    Highlight Highlight Wieso lässt man die Sportchefin nicht machen???
    Wurde sie schlussendlich nur geholt, weil sie attraktiv und landesweit bekannt ist?

    Florence Schelling hat fachlich massiv mehr drauf, als nur mit repräsentativen Aufgaben und Medienterminen beschäftigt zu sein.
  • Donny Drumpf 06.08.2020 02:23
    Highlight Highlight Klingt für mich fast ein bisschen nach einer Transfer-Operette. Ehrlich gesagt.
  • maylander 05.08.2020 23:17
    Highlight Highlight In Corona Zeiten würde ich als Spieler auch nicht nach Lausanne wollen. Die werden einer der ersten sein die Pleite gehen.
  • AndOne 05.08.2020 22:29
    Highlight Highlight Da kauft der SCB wieder mal einen teuren und überbewerteten 3. oder 4. Linien Spieler! Mir solls recht sein.
    Aber bitte nicht jammern liebe Berner, wenn der EVZ wieder mal einen teuren Spieler kauft....
    • besserwisser#99 05.08.2020 23:08
      Highlight Highlight Vermin ist / war in Lausanne im 1. Block und mit der Nati an der WM. Da schreibt wohl wieder ein ganz verbitterter „wir werden nie Meister“ zuger ;-) Anderst sind solche nonsense Kommentare nicht zu erklären
    • el capitano 06.08.2020 07:46
      Highlight Highlight wer hat gesagt das Bern Vermin kauft? Hsben sid konkrete Beweise für so etwas?
    • Lumina 07.08.2020 03:03
      Highlight Highlight Jemand der sich besserwisser#99 schimpft, sollte aber eigentlich wissen, dass die Zuger 1998 schon mal Schweizer Meister geworden sind - das weiss sogar ich als nicht-EVZ Fan. *hust*
  • Yeah, right. 05.08.2020 21:35
    Highlight Highlight Was mich interessieren würde ist, was für eine Auseinandersetzung es in der Kabine gab bzw mit wem?
    • Bluelions 06.08.2020 08:55
      Highlight Highlight Was kann nur vermutet werden, es war aber mit Luca Boltshauser.
  • Pacha Mama 05.08.2020 20:50
    Highlight Highlight Vielleicht könnte Dubé ihm ja den grossartigen Andrej Bykov schmackhaft machen 😄
  • MARC AUREL 05.08.2020 20:24
    Highlight Highlight Mit der Entscheidung Vermin zu verpflichten und vorerst nur mit 3 Ausländern zu beginnen ist klug! Sollte es im späteren Verlauf der Saison finanziell besser aussehen können sie immer noch ein Ausländer verpflichten! GRANDE BERN
  • Jacques #23 05.08.2020 20:24
    Highlight Highlight Nach doch respektabler Etablierung in der höchsten Liga hat sich Lausanne aufgemacht, zur Lachnummer zu werden.

    Es ist, wie es ist.
  • Hallo22 05.08.2020 19:20
    Highlight Highlight 《Hnat Domenicheli dementiert nicht.》Tönt für mich schwer nach 《Wir wollen Vermin holen》.
  • Ranger55 05.08.2020 19:16
    Highlight Highlight Zitat Gotthelf:

    Es verliert die schwerste Bürde die Hälfte ihres Drucks, wenn man von ihr reden kann.

    In anderen Worten: Plötzlich ist der ach so klamme SCB in der Pole-Position im Poker um Vermin.

    Zum Schluss noch dies:
    Item, Aus nach Pre-Playoffs!
    • ursus3000 05.08.2020 21:02
      Highlight Highlight Aber bis dahin sind sie amtierender Meister
    • Patrick59 05.08.2020 21:12
      Highlight Highlight Den Schluss haben wir jetzt genug gelesen. Kopien sind nie so gut wie das Original.
  • Zanzibar 05.08.2020 18:20
    Highlight Highlight Ahja, der Chalet macht beim SCB weitehin die Transfers?😅

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