Australien
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Nach Pädo-Freispruch von Kardinal Pell stehen nun Australiens Medien vor Gericht



epa08346431 (FILE) - Australian Cardinal George Pell (C) leaves the County Court in Melbourne, Victoria, Australia, 26 February 2019 (reissued 06 April 2020). The Australian high court on 07 April 2020 is set to rule on Cardinal George Pell's final appeal to overturn his conviction for child sexual abuse. Pell is serving a six-year jail sentence for abusing two boys in the 1990s.  EPA/DAVID CROSLING AUSTRALIA AND NEW ZEALAND OUT

Im Fokus: George Pell Bild: EPA

Gerichtliches Nachspiel in Australien: Nach dem Freispruch des Kardinals George Pell vom Vorwurf des Kindesmissbrauchs soll nun 30 Journalisten und Medien wegen des Verstosses gegen eine Nachrichtensperre der Prozess gemacht werden. Es drohen Gefängnis- und hohe Geldstrafen.

Die Verhandlungen könnten am 9. November beginnen, vielleicht aber auch schon früher, sagte der Richter am obersten Gericht des Bundesstaates Victoria, John Dixon, am Dienstag in Melbourne.

Der ehemalige Vatikan-Finanzchef und frühere Erzbischof von Melbourne Pell war wegen sexuellen Missbrauchs von zwei Chorknaben angeklagt worden. Über Monate verbot die australische Justiz den Medien, über den Fall zu berichten. Damit sollte sichergestellt werden, dass die Geschworenen unvoreingenommen mit Blick auf ein zweites, damals noch anhängiges Verfahren blieben. Es war sogar verboten zu berichten, dass es verboten ist zu berichten.

Nachdem Pell Ende 2018 schuldig gesprochen worden war, bröckelte die Nachrichtensperre. Auch mehrere australische Medien versuchten, sie zu umgehen, indem sie von der Verurteilung eines hochrangigen Australiers berichteten, ohne den Namen des Kardinals zu nennen.

Erst mit der Bekanntgabe des Strafmasses - sechs Jahre Gefängnis - im März 2019 wurde das Berichterstattungsverbot aufgehoben. Pell wurde im April dieses Jahres in einem Berufungsverfahren vom höchsten australischen Gericht freigesprochen und nach mehr als 400 Tagen aus dem Gefängnis entlassen.

Bei einer Anhörung auf der Video-Plattform Zoom sprach sich der Rechtsanwalt Matt Collins für getrennte Verfahren aus. «Wie es aussieht, gibt es gegenwärtig 13 verschiedene Fälle, und es wäre nicht gerecht, wenn Journalisten von konkurrierenden Medien zugleich vor Gericht stünden», sagte Collins. Er fügte hinzu, dass die Prozessdrohung schon viel zu lange über den Betroffenen schwebe. Collins vertritt derzeit alle angeklagten elf Medien und 19 Journalisten. (aeg/sda/dpa)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Guido Zeh 26.05.2020 13:20
    Highlight Highlight Schuldig ist schuldig und unschuldig ist unschuldig. Dass die Presse bei solchen Themen sehr gern die Trommel rührt - was tut man nicht alles für Clickbaiting - und dies unter Pressefreiheit abbucht, ist eine Sache. Dafür geradestehen eine andere. Ich sammle Blitze.
  • I_am_Bruno 26.05.2020 12:39
    Highlight Highlight Es gab mal eine Zeit, da gab es etwas, das hiess.... wie hiess es nochmals, wie hiess es nochmals... ach ja: Pressefreiheit
    • neoliberaler Raubtierkapitalist 26.05.2020 13:16
      Highlight Highlight Wann? Früher gab es schon Zensur, sogar in viel grösserem Masse.
    • FACTS 26.05.2020 14:22
      Highlight Highlight In der Regel gibt es kein allzu grosses Interesse, Angeschuldigte bereits vor ihrer rechtskräftigen Verurteilung in den Medien vorzuverurteilen... Pressefreiheit ist kein Freipass für medialen Lynchmord... keine Ahnung, ob der Kardinal schuldig ist, rechtskräftig verurteilt wurde er jedenfalls nie, weshalb er bis zum Beweis des Gegenteils auch das Recht hat, das sein Name nicht in den Schmutz gezogen wird! Auch die Presse muss Verantwortung übernemmen!
    • Bartli, grad am moscht holä.. 26.05.2020 15:02
      Highlight Highlight Ja am besten so wie damals beim geiseldrama von gladbeck... 🤦‍♀️
    Weitere Antworten anzeigen
  • SoullessStone 26.05.2020 10:56
    Highlight Highlight War auch verboten zu berichten, dass es verboten ist über das Verbot zu berichten?😅
    • Bivio 26.05.2020 16:05
      Highlight Highlight Im Englischen Rechtssystem - ich nehme an, Australien hat ein ganz ähnliches - gibt es das Mittel der Super Injunction. Dabei darf gar nichts öffentlich gemacht werden. Nicht einmal, dass man nicht darüber berichten etc. darf.

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