DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Eine ehemalige Youtuberin erhebt Vergewaltigungsvorwürfe gegen den Rapper Samra.

MeToo in der Deutschrap-Szene: Immer mehr Frauen erheben schwere Vorwürfe

Jennifer Ullrich / watson.de



In dieser Woche wurde ein schwerwiegender Vorwurf gegen den Rapper Samra laut. Die ehemalige Youtuberin Nika Irani beschuldigte ihn, sie im Jahr 2020 in einem Studio vergewaltigt zu haben. «Er hat die Tür zugeknallt und mich auf das Bett geschmissen und mich gewürgt», schilderte sie in einem ausführlichen Beitrag auf Instagram, der seither für zahlreiche Reaktionen in dem Netzwerk sorgt.

Sie verzichte aber darauf, rechtliche Schritte gegen den 26-Jährigen einzuleiten, erklärte Irani. Zu den Gründen führte sie aus: «Vier von fünf Fällen bei der Polizei kommen nicht durch und ich habe keine Lust, mit diesem Ekel in einem Gericht zu sein, wo mir von irgendeinem ekelhaften Anwalt vorgeworfen wird, ich sei nicht missbraucht worden.»

Nach diesem Beitrag diskutierten in sozialen Medien unter dem Hashtag #deutschrapmetoo zahlreiche User über sexuelle Gewalt in der Deutschrap-Szene. Viele Frauen berichten, dass sie Vergleichbares erlebt hätten. Schliesslich meldete sich Samras Label Universal mit einem Statement und löschte Samras Künstler-Portfolio auf der Online-Präsenz – bis dahin war all das ohne eine Reaktion des Rappers oder eine Anzeige geschehen. Darüber zu berichten ist für Medien kompliziert, weil es eine heftige, aber unbelegte Anschuldigung ist. Bisher gilt für den Rapper auch die Unschuldsvermutung.

Nun, nach Tagen, hat auch der Beschuldigte selbst das Wort ergriffen. Zunächst äusserte sich Samra schriftlich per Instagram, dann veröffentlichte er ein längeres Video in seiner Story. Er bestreitet klar die Anschuldigungen, die Nika Irani gegen ihn erhebt.

Vorwürfe gegen Samra: Label zieht Konsequenzen

Nika Iranis Post löste eine grosse mediale Welle aus, Universal sah sich zum Handeln veranlasst. «Universal Media verurteilt auf das Schärfste jede Form von Gewalt», verkündete das Label am Freitag zunächst auf Instagram, dann folgten auch Konsequenzen.

«Aufgrund der Schwere der Anschuldigungen haben wir uns dazu entschlossen, die Zusammenarbeit mit dem betreffenden Künstler bis zur Klärung der Vorwürfe ruhen zu lassen», hiess es. Tatsächlich hat Universal Samras Künstlerprofil auf der offiziellen Homepage mittlerweile gelöscht. Dies geschehe zum «Schutz aller Beteiligten» und sei keine Vorverurteilung.

Am selben Tag geriet das Label noch weiter unter Druck, denn ebenfalls am Freitag wurde der Track «Komm mit» von Nimo veröffentlicht. Der Song erzählt aus der Täter-Perspektive von sexueller Gewalt gegen Frauen und wird nunmehr nicht weiter verbreitet. Universal entschuldigte sich ebenso wie Nimo selbst.

«Ich möchte mich an dieser Stelle auch persönlich von jeglicher körperlicher Gewalt an Frauen und Missbrauch distanzieren und mich bei denjenigen entschuldigen, die meine Worte verletzt haben», liess der Rapper seine Follower wissen. Wie er dann aber darauf kam, den Track überhaupt zu produzieren, sagte er nicht. Zwischenzeitlich hatten viele Nutzer bei Instagram zum Boykott von Universal aufgerufen, unter anderem der Comedian Oliver Pocher teilte den entsprechenden Aufruf über sein Profil.

Samra bestreitet Anschuldigungen

Samra schwieg zunächst bezüglich der Vorwürfe, die Nika Irani gegen ihn erhob. Schliesslich liess er am Freitagabend doch eine Stellungnahme folgen. Darin schrieb er:

«Ich habe niemanden vergewaltigt, weder die Person, die mich dessen beschuldigt, noch andere Menschen!»

Weiter verkündete Samra, er sehe sich gezwungen, «den Sachverhalt von der Staatsanwaltschaft klären zu lassen», da diejenige, die ihn beschuldige, die Sache nicht zur Anzeige bringen wolle. Auf diesem Weg möchte der Rapper, so sagt er, eine «unabhängige Aufklärung» herbeiführen. Weiter spricht er von der «härtesten Zeit im Leben meiner Familie», bittet seine Follower aber auch darum, die ihn beschuldigende Person nicht zu beleidigen.

In einem Video bekräftigte der Künstler daraufhin erneut seine Unschuld. «Ich bin gerade komplett schockiert. Ich weiss nicht, was ich sagen soll. Ich bin den juristischen Weg gegangen, weil ich weiss, wer ich bin und was ich gemacht habe – und was ich nicht gemacht habe», äussert er in einem langen Clip.

Der Rapper wandte sich zudem direkt an Nika Irani: «Ich weiss, dass ich kein Gentleman zu dir war, dich nicht verabschiedet und dir morgens nicht den Koffer gebracht habe, aber ich habe dich nicht vergewaltigt.» Seinerseits wirft er ihr vor, durch die Anschuldigungen Lügen zu verbreiten.

Nika Irani wiederum teilte in der Nacht zum Samstag per Instagram-Story neun Chatverläufe mit verschiedenen Frauen, die sie kontaktiert haben und angeblich ebenfalls gewaltsame Erfahrungen mit Samra gemacht haben – oder eine andere Person kennen, der dies widerfahren ist.

#deutschrapmetoo trendet bei Social Media

Aufgrund sexistischer und gewaltverherrlichender Lyrics wird der Deutschrap immer wieder kritisiert. Nun diskutieren die Nutzer in sozialen Netzwerken darüber, inwieweit auch reale Gewalt in der Szene ein grosses Thema ist: Nach den Vorwürfen gegen Samra trendete bei Twitter beispielsweise der Hashtag «deutschrapmetoo».

«#deutschrapmetoo ist schon lange überfällig», schreibt eine Userin auf der Plattform. Ein weiterer Kommentar lautet: «Mein herz geht raus an alle überlebenden von #deutschrapmetoo. Ich glaube jeder einzelnen von euch, egal ob ihr euch öffentlich äussert oder nicht.»

Thematisiert wird in dem Zusammenhang auch der Fall des Rappers Moha La Squale, der von fünf Frauen der Gewalt und Entführung beschuldigt wird und sich deswegen nun tatsächlich vor Gericht verantworten muss. Viele Schreiber fordern, dass Gewalt gegen Frauen rechtliche Konsequenzen haben und auch in der Deutschrap-Szene aufgearbeitet werden muss.

Genau dafür setzt sich auch Nika Irani ein, die noch mehr Frauen dazu ermutigen möchte, ihre Geschichte zu teilen. Auf Instagram schreibt sie: «Wenn ihr so weiter macht, immer mehr versucht zu verstehen und reflektieren, dann bin ich mir sicher, dass die Menschen auch bereit sind zu lernen und zuzuhören.»

(ju)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Waldbrände in Russland – Giftiger Rauch breitet sich aus

Der giftige Rauch von den schweren Waldbränden im Osten Russlands breitet sich weiter aus.

Mehr als 60 Dörfer und die Stadt Jakutsk in der besonders betroffenen sibirischen Region Jakutien (Republik Sacha) litten unter dem Qualm, teilten die Behörden am Montag mit. Das waren noch einmal mehr als am Sonntag.

Rauch sei nun auch wegen ungünstiger Winde in die weiter östlich gelegenen Gebiete gezogen, warnte der Zivilschutz der Region Chabarowsk am Pazifik. Die Bewohner sollten Schutzmasken tragen, …

Artikel lesen
Link zum Artikel