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Für Joko Winterscheidt lief es in seiner Show "Wer stiehlt mir die Show?" nicht rund. bILD: pRO7

People-News

«Gerecht ist das nicht»: Joko verliert eigene ProSieben-Show an TV-Legende

christina raftery



In einem nahezu historischen Zweikampf stiehlt Entertainment-Gigant Thomas Gottschalk Moderations-«Neuling» Joko Winterscheidt die Show – nämlich dessen eigene. «Alter vor Coolness», liesse sich jetzt resümieren, würde der neue Moderator nicht selbst zu unverschämter neuer Lässigkeit auflaufen.

«Ich scheine superintelligent zu sein», sonnte sich Joko Winterscheidt, in feine Nadelstreifen gekleidet, auch in der dritten Ausgabe von «Wer stiehlt mir die Show?» (ProSieben) im verdienten Erfolg seines Showdebüts. Bereits zweimal hatte der 42-Jährige bereits über sein Ratepanel Palina Rojinski, Thomas Gottschalk und Elyas M'Barek triumphiert, das er, ganz der Conferencier, in seinen blütenweissen Sneakern federnd genüsslich zu Beginn abschritt.

Leichtfüssigkeit im Auftritt ist jetzt schon Markenzeichen des simplen, aber überraschend effektiven Formats, und Joko könnte sein dauerhafter Souverän sein – wären da nicht der unselige Zirkel im Staatswappen der DDR, die Gretchenfrage in Goethes (da war «Fack ju Göhte»-Star Elyas M'Barek schon ausgeschieden ...) «Faust» und andere Klippen, die ein verhinderter Deutschlehrer aus dem fränkischen Kulmbach locker-goldlockig aus dem auffällig gemusterten Ärmel schüttelte.

In einer Strickjacke, die an Tetris auf einem Orient-Teppich erinnerte, stellte Thomas Gottschalk den feinzwirnigen Winterscheidt in den Schatten – und gewann die Show nicht nur als Sieger, sondern ganz für sich.

Thomas Gottschalk droht mit dem Senfglas

Doch der Reihe nach. Nach den gelungenen ersten beiden Folgen, in denen Joko mühelos an seiner in Freundschaft verbundenen Konkurrenz vorbeizog, trifft er in Folge 3 auf knallharte Motivation: «Ich kämpfe mehr mit dem Mund als mit dem Kopf», benannte Gottschalk seine Kernkompetenz und liess sich die Option offen, Joko Winterscheidt zur Not in «ein Senfglas zu tunken».

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Zähne zeigen und alles auf Angriff: Doch auch Wildcard-Kandidat Mark (27) muss sich dem (fast) allwissenden Thomas Gottschalk geschlagen geben. bild: pro7

Die Autoreifen des Moderators seien auch nicht mehr ganz sicher, verlautbarte Elyas M'Barek nach dessen Mehrfachsieg, während der neue Wildcard-Kandidat Mark (27) aus Hamburg Ödnis («Bei Jokos Aufruf war mir relativ langweilig») in eine frische Brise («Der Mann ist inzwischen lange genug im Geschäft, und ein bisschen neuer Wind muss her») verwandeln will. Sein Kampfstoff ist dabei weich und sahnig: Mark isst «Mozzarella wie Äpfel» – einfach aus der Hand. «Wozu anrichten?», pflichtet ihm Pragmatiker Gottschalk bei. Tomaten «und all so was», das dauere doch viel zu lang.

Fiese «Besenkammer»-Spitze gegen Boris Becker

Da fällt es dem bekennenden Yoga-Fan Palina Rojinski zu, Erdung in die Angriffslust zu bringen. «Ich atme gerne ein und atme gerne aus», lautet ihr Bekenntnis zur lebenserhaltenden Massnahme. Dass die dazu erforderliche Luft aber mehr aus Stick- als dem vermuteten Sauerstoff besteht, ist Nebensache oder vielmehr Bestandteil der Rubrik «Sehr, sehr leichte Fragen», laut Joko diesmal fast schon «Kindergarten».

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In einem historischen Showdown entreisst Thomas Gottschalk Joko Winterscheidt die Show: Das macht nicht nur die Entertainment-Legende fassungslos. bild: pro7

Diesem Stadium entwachsen zu sein, half beim Spiel «Die faulste Band der Welt», einem Song-Rätsel mit extrem langsam gespielten Liedern. «Ich kann nur Beatles», warnte Gottschalk zu Beginn, aber nichts da: Auch bei Musik kann Bildungsbürger Gottschalk trumpfen, immerhin mit Selbstreflektion: «Gerecht ist das nicht.»

Ob es gerecht ist, im Spiel «Menschen, Bilder, Emojionen» Lady Gaga mit Steaks, Daniela Katzenberger mit Nagellack und Lippenstift sowie Boris Becker mit einem Besen zu symbolisieren, sei dahingestellt. Grosse bildliche Auffassungsgabe bewies Elyas M'Barek, der auch im Abschnitt «Ein Matthias macht noch keinen Reim» zu dichterischer Hochform auflief («It's the best, ich liebe das Oktoberfest»). Alltagstauglichkeit bewies er mit der Kenntnis der Portokosten eines Briefs, während sich Thomas Gottschalk über «diesen komischen Single» wunderte, der sich alle elf Minuten laut einer bekannten Dating-App-Werbung komplett neue verliebe.

Joko Winterscheidt: «Solange du deine Füsse unter meine Show stellst ...»

Liebestolle Singles hin oder her: Nachdem M'Barek, Rojinski und Mark im Regen nach Hause gehen mussten, gab Gottschalk im Schlussduell ein Versprechen ab. «Ab morgen habt ihr einen vernünftigen Namen», verhiess er den «Mighty Winterscheidts». Wenn er demnächst die gesamte Show kontrolliere, dann gerne auch die Band. «Noch bist du hier Gast», warnte ihn Joko: «Solange du deine Füsse unter meine Show stellst ...»

Das Jahr der Euro-Einführung, die Farben auf Obelix' Hose, die Gretchenfrage und ein gewisser Altersgleichmut (Joko: «Der trifft einfach eine Entscheidung und bleibt dabei») führten Gottschalk jedoch nonchalant zum Sieg und einem geschmackvoll gerahmten Moderationsvertrag à la «Mitarbeiter des Monats». Die «Mighty Winterscheidts» sehen laut dem frisch gekürten WSMDS-Moderator allerdings einem nicht unerheblichen Umstyling entgegen: «Schwarzes Hütchen, Sonnenbrille – wie wäre es mit 'The Heisenbergs'?»

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