Blogs
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Bild

Kann der in den Weinkeller oder muss der weg? Bild: shutterstock.com

Edvin Uncorked

Welchen Wein kann ich lagern – und bei welchen machts gar keinen Sinn?

Madelyne Meyer
Madelyne Meyer

99 Prozent aller Weine, die du im Regal der Detailhändler findest, sind sofort oder innerhalb drei, vier Jahren trinkreif. Falls du einen lagerfähigen Wein kaufen willst, dann suche einen Fachhändler auf und lass dir helfen.

Um dich auf diese Konfrontation vorzubereiten, habe ich dir unten eine Liste zusammengestellt, auf welche Faktoren du beim Kauf eines lagerfähigen Weines achten musst. Wenn du absolut keinen Bock auf Lesen hast, dann lese mindestens die nächsten paar Stichworte: Eine Liste mit Weinen, die Lagerpotenzial aufweisen, wenn du beim Fachhändler kaufst.

Ich nenne diese Weine liebevoll die B-Weine (obwohl sie 1A sind):

Dabei ist allerdings anzumerken, dass nur Spitzenweine der besten Jahrgänge von Top-Produzenten mit herausragendem Terroir das versteckte Talent der jahrzehntelangen Lagerfähigkeit besitzen. Sicher nicht der CHF 3.- Prösi aus dem Discounter.

Tannine

Lagerfähige Rotweine haben im Allgemeinen höhere Tannine (den adstringierenden, leicht bitteren, austrocknenden Geschmack im Wein; kommt von der Traubenhaut und den Kernen). Tannine hemmen die Oxidation im Rotwein und helfen, die Frische zu erhalten. Das heisst, Tannine wirkt konservierend für den Wein und schützt ihn vor dem überengheien.

bitte nicht überengheien.

Säure

Rotweine (aber auch Weissweine) mit höherer Säure sind widerstandsfähiger gegen chemische Veränderungen, die mit dem Alter auftreten. Das betrifft auch die Oxidation (riecht nach Petrol) und die Entwicklung von flüchtiger Säure (riecht nach Essig). Mit zunehmendem Alter verliert der Wein langsam seine Säure und wird flacher. Ein Wein, der mit einem niedrigeren Säuregehalt seine Existenz beginnt, wird es wahrscheinlich auf lange Sicht nicht schaffen. Grundsätzlich hat ein Wein mit höherem Säuregehalt mit zunehmendem Alter eine längere Laufbahn.

er het meh Schnuuf.

Alkohol

Alkohol ist flüchtig (verdampft leicht) und führt dazu, dass Wein schneller zu Essig wird. Im Allgemeinen gilt: Je niedriger der Alkoholgehalt im Wein, desto langlebiger ist er. Dies ist bei vielen trockenen (nicht süssen) Rot- und Weissweinen der Fall. Bei der Suche nach einem Wein zum Lagern kannst du den Alkoholgehalt prüfen und darauf schauen, dass du einen Wein unter 13,5% Alkohol auswählst. Trotz der Tatsache, dass ein hoher Alkoholgehalt normale, stille Weine ruiniert, sind aufgespritete Weine (Likörweine) mit 17-20% Alkohol vielleicht die langlebigsten aller Weine überhaupt: Sherry, Port, Banyuls.

entweder alles oder nüt.

Süsse

Süssweine sind lagerfähig, weil Zucker als Konservierungsmittel wirkt, was zum Reifepotenzial von Weiss- und Rotweinen beiträgt. Deswegen kann ein Sauternes (Süsswein aus Bordeaux), wie auch andere Dessertweine, 50 Jahre oder älter werden.

Zucker ist ein Konservierungsmittel? Ich schmier mir's aufs Gesicht.

Ein paar Weissweine

Da Weissweinen die Tannine fehlen, könnte man meinen, dass nur Rotweine lagerfähig sind. Jedoch kann man auch ein paar Weissweine lagern:

Gereifte Weissweine gewinnen an Komplexität. Zum Beispiel entwickelt Chardonnay nussige Aromen und Rieslinge entwickeln feine Petrolnoten (im positiven Sinn).

Was passiert mit einem Wein nach jahrelanger Lagerung?

Mit der Zeit integrieren sich die Tannine (Gerbstoffe aus der Traubenhaut und den Kernen) in den Wein. Die Weine wirken schliesslich insgesamt runder und geschmeidiger, zugleich aber mit komplexen erdigen, würzigen, teilweise animalischen Aromen.

In diesem Sinne: Cheers und yeeha!

Bild

Madelyne Meyer

Die Weinwelt kann extrem elitär und exklusiv sein. Darauf hat Madelyne Meyer aber gar keine Lust. Mit ihrem unkonventionellen Weinblog Edvin hat sich die Aargauer Weinexpertin in der Schweiz einen Namen gemacht. «Meine Leser mögen wohl meine selbstironische Art. Ich nehme mich und die Weinwelt nicht todernst, zolle dem Wein aber immer genügend Respekt».

Madelyne arbeitet in ihrem Familienbetrieb für Marketing & Kommunikation und schreibt noch für den Gault Millau Channel. Das Ganze rundete sie im September 2019 mit ihrem ersten Buch «Endlich Wein verstehen» ab.
Für watson schreibt Madelyne ab sofort regelmässig exklusiv in ihrem Blog.

Weitere Infos über Madelyne und Wein findest du hier:
Website
Instagram
Facebook

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Restaurant-Tipps der watson-Redaktion

«C*nt!» – So macht Baroni ein Champagne Cocktail

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Yonnihof

Gute Besserung, Herr Glarner – Geständnisse einer Gutmenschin

Wie gut ist Gut, Mensch?

Gestern postete ich Folgendes: «Corona hat Andreas Glarner. Ohje.»

Nicht mehr. Nicht weniger. Man kann sehr viel hinein interpretieren oder kaum etwas.

Im Rahmen einer Selbstkritik muss ich sagen: Selbstverständlich war der Post nicht komplett ohne Häme. Definitiv und aufrichtig wünsche ich Herrn Glarner keinen schweren Verlauf, einen Spitalaufenthalt oder noch Schlimmeres. Eher ging es mir beim Schreiben darum, hervorzuheben, dass es nun einmal Andreas Glarner selbst erwischt hat. Damit …

Artikel lesen
Link zum Artikel