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epa05268033 Two young Filipino boys writhe in pain while a doctor carries out a circumcision operation on top of a classroom table at a school in Marikina City, east of Manila, Philippines, 20 April 2016. Around 300 boys begin the traditional journey into adulthood during mass circumcision rites which requires removing the foreskin of the penis, conducted during the school holiday season.  EPA/FRANCIS R. MALASIG

Beschneidung auf den Philippinen ohne Betäubung. 
Bild: Keystone

Sektenblog

Die Beschneidung von Knaben ist kein Männlichkeitsritual, sondern ein Verbrechen



Wir Menschen haben die auffällige Begabung, uns selbst zu überschätzen. Wir glauben an unsere Fähigkeit, vernünftig zu denken und zu handeln und schütteln gern den Kopf über die anderen, die unverständliche Ideen verbreiten oder unvernünftig reagieren.

In Wirklichkeit deponieren wir unser Hirn nur allzu oft im Kühlschrank. Dies zeigt sich vor allem beim Umgang mit Bräuchen, Traditionen, Glaubenssystemen oder Dogmen. Wir übernehmen, was uns mit der Muttermilch eingegeben und als unumstössliche gesellschaftliche Normen verkauft wurde.

Die Beschneidung von Knaben ist ein solcher Brauch. Es ist nicht nur ein Brauch, sondern auch eine Unsitte. Eigentlich ein Verbrechen.

Ein Tabuthema

Doch weil der unsinnige Brauch oft auch eine religiöse Komponente hat, ist er ein Tabuthema. Deshalb wird die Beschneidung selten hinterfragt und kritiklos akzeptiert.

Die Knabenbeschneidung wurde schon im Altertum praktiziert und hatte rituellen Charakter. Im Christentum geht sie auf Abraham zurück. Vom Urvater der Buchreligionen etablierte sie sich im Christentum, Judentum und im Islam.

«Die Beschneidung ist eine Verletzung des Körpers der Kinder, die nicht wieder rückgängig gemacht werden kann.»

Christoph Kupferschmid, Arzt

Sie wird aber in vielen Kulturen nicht nur aus religiösen Motiven angewandt, sondern oft als Initiationsritual verankert. Das Christentum befreite sich von der Unsitte, im Judentum und im Islam gehört sie immer noch zum Standardritual.

Ein Viertel bis ein Drittel der Männer sind beschnitten

Schätzungen gehen davon aus, dass weltweit auch heute noch ein Viertel bis ein Drittel der Knaben und Männer beschnitten sind. Juden und Muslime berufen sich bei der Beschneidung gern auf die Religionsfreiheit.

Nur: Was zum Teufel hat die Beschneidung mit Religion zu tun? Kann ein Mann, der nicht beschnitten ist, nicht richtig glauben? Gerade Gläubige müssten doch einsehen, dass Gott die Knaben mitsamt diesem Körperteil nach seinem Ebenbild geschaffen hat. Wieso soll dann diese Haut plötzlich überflüssig oder gar «böse» sein?

Protest der Juden und Muslime

Als vor einiger Zeit das Landgericht Köln die Beschneidung von Knaben als Straftat bewertete, protestierten Juden und Muslime. Der Zentralrat der Juden sprach von einem «unerhörten und unsensiblen Akt» und von «einem beispiellosen Eingriff in das Selbstbestimmungsrecht der Religionsgemeinschaften».

An Indonesian man holds down his crying son as a doctor performs circumcision on him during a charge-free mass circumcision sponsored by a gubernatorial candidate in Jakarta, Indonesia, Tuesday, June 26, 2012. In accordance with Islamic tradition, Indonesian Muslim boys are circumcised before they reach puberty. Indonesia is the world's most populous Muslim country. (AP Photo/Dita Alangkara)

Beschneidung ist ein gewalttätiges, sehr schmerzhaftes Ritual.  Bild: Keystone

Doch was ist mit dem Selbstbestimmungsrecht der Knaben, die ungefragt beschnitten werden? Ähnliche Töne gab der Zentralrat der Muslime von sich. Dabei übersehen die Juden und Muslime gern, dass die körperliche Unversehrtheit ein zentraler Aspekt der Menschenrechte ist. Diese werden bei jeder Beschneidung verletzt, zumal diese oft unter schlechten hygienischen Bedingungen und ohne Anästhesie durchgeführt werden.

Langsam regt sich allerdings Widerstand gegen die Beschneidung. Der Arzt Christoph Kupferschmid vom Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte in Deutschland fand beim «Welttag der genitalen Autonomie» in Köln erfrischend klare Worte.

«Die Erwachsenen bestimmen das so, sie halten ihn fest, sie machen ihn willenlos, er muss es über sich ergehen lassen, er versteht es nicht, und es tut noch so lange so weh.»

Arzt Christoph Kupferschmid

Alle Kinder- und Jugendärztlichen Fachgesellschaften würden die Beschneidung ablehnen, wenn keine wichtigen medizinischen Gründe vorlägen, sagte er. Wörtlich: «Die Beschneidung ist eine Verletzung des Körpers der Kinder, die nicht wieder rückgängig gemacht werden kann.»

Es bleibe nicht nur eine kleine Narbe zurück, sondern den Knaben würde danach etwas fehlen. «Es fehlt Schutz, es fehlt die Empfindsamkeit an seinem Penis.» Verletzt werde aber auch die Seele des Kindes, sagte Kupferschmid.

«An intimster, an sensibelster Stelle werden ihm Schmerzen zugeführt, die über Tage anhalten. Die Erwachsenen bestimmen das so, sie halten ihn fest, sie machen ihn willenlos, er muss es über sich ergehen lassen, er versteht es nicht, und es tut noch so lange so weh.»

Den Kollegen das Messer wegnehmen

Das Recht eines Kindes auf einen unversehrten Körper zählt laut Kupferschmid mehr als das Recht der Eltern auf die Erziehung. «Das Selbstbestimmungsrecht des Kindes steht bei uns weit höher als das Bestimmungsrecht der Religionen.»

Kupferschmid ruft die Ärzte auf, dafür zu sorgen, dass nicht weiter jedes Jahr zigtausende Knaben grundlos verletzt werden. «Manchmal müssen wir den Kollegen in den Arm fallen und ihnen das Messer wegnehmen.»

Es ist ermutigend, dass auch bei der Frage der Beschneidung von Knaben mutige Menschen aufstehen, die das eingefrorene Hirn aus dem Kühlschrank holen.

Hugo Stamm; Religionsblogger

Hugo Stamm

Glaube, Gott oder Gesundbeter – nichts ist ihm heilig: Religions-Blogger und Sekten-Kenner Hugo Stamm befasst sich seit den Siebzigerjahren mit neureligiösen Bewegungen, Sekten, Esoterik, Okkultismus und Scharlatanerie. Er hält Vorträge, schreibt Bücher und berät Betroffene.
Mit seinem Blog bedient Hugo Stamm seit Jahren eine treue Leserschaft mit seinen kritischen Gedanken zu Religion und Seelenfängerei.

Du kannst Hugo Stamm auf Facebook und auf Twitter folgen.

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296 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
dä dingsbums
02.07.2016 09:22registriert April 2015
Die Beschneidung von Knaben hat auch zum Ziel, die Selbstbefriedigung zu verhindern bzw. zu erschweren.
Es ist nicht nur ein Eingriff in die körperliche Unversehrtheit, sondern auch in die sexuelle Selbstbestimmung.
In der Schweiz ist die Beschneidung von Knaben nicht verboten, weil das Parlament den Mut nicht hatte, sich nicht mit Juden und Muslimen anzulegen.
Religionsfreiheit ja, aber dann soll jeder Mann wenn er volljährig wird entscheiden ob er sich beschneiden lassen will.
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Turi
02.07.2016 11:12registriert March 2016
Beschneidung ist eine Gewalttat. Gehört geächtet und verboten.
Den Männer und Frauen, die das geil finden und sagen der Sex wäre besser so sei gesagt, dass der Mann sich immer noch nach erreichen der Volljährigkeit auf eigenen Willen hin verstümmeln lassen kann.
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Tanuki
02.07.2016 10:20registriert March 2014
Kinder zu beschneiden ist ein Verbrechen. Sollen alle die eine Beschneidung wünschen doch dies ab 18 Jahren aus eigenem Interesse tun.
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