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German model and reality-TV star Gina-Lisa Lohfink arrives at the court in Berlin, Germany, June 27, 2016. REUTERS/Hannibal Hanschke

Opfer der «Rape Culture»: Das deutsche Model Gina-Lisa Lohfink wurde sexuell missbraucht, die Konsequenzen muss sie – vorerst – aber selber tragen. Bild: HANNIBAL HANSCHKE/REUTERS

Wir Eltern

Unsere alltägliche «Rape Culture»: 6 Beispiele, wie wir unsere eigenen Kinder zu Opfern erziehen

Nathalie Sassine-Hauptmann / wir eltern



Ein Artikel von

«Rape Culture» ist zur Zeit in aller Munde. Kein Wunder, schliesslich lehren einen die Statistiken das Fürchten! Jede dritte Frau wurde schon mal sexuell genötigt.

Liegt es am Ende an unserer Erziehung? Natürlich würde niemand seinen Kindern absichtlich beibringen, dass Vergewaltigung o.k. ist.

Unbewusst passiert es jedoch täglich. Wir sprechen nicht direkt über das Thema – zumindest nicht, bis sie älter sind – aber in täglichen Sprüchen und Aussagen zementieren wir den Gedanken, dass Nötigung und Vergewaltigung gar nicht so schlimm sind.

Ich übertreibe? Ich glaube nicht. 6 Beispiele dafür, wie wir dieses Verhalten täglich billigen: 

Der Satz: «Jungs halt!»

Wenn ein Junge einem Mädchen am Jupe zieht, er sie dumm anmacht oder einfach nicht aufhört, wenn sie (oder er) sagt, es reicht. Als ob man Jungs nicht beibringen könnte, was geht und was nicht.

Und ich spreche jetzt nicht von Streitigkeiten, sondern einfach von der Art, die wir haben, es bei Jungs eher als «normal» abzustempeln. Wie sollen sie als Erwachsene später merken, dass dieses Verhalten in sexuellen Belangen eben gar nicht geht?

Wenn Kinder genötigt werden, andere zu küssen

Zumindest die Südländer unter uns. Auch ich habe diese Tendenz, da ich es seltsam finde, einem Kind nur die Hand zu geben. Doch wer hat das Kind gefragt? Und weil es das über sich ergehen lassen muss, liegt die Gefahr nahe, dass es sich als Erwachsene/r auch nicht trauen wird, sich zu wehren.

Der Satz: «Du wirst ihn provoziert haben»

Wieso machen wir so schnell das «Opfer» zum «Täter»? Wenn meine Kinder heulend kommen, sie seien geschlagen worden, denke ich selber ganz oft «na, mit deiner grossen Klappe, wirst du ihn wohl provoziert haben». Doch was läuft unter Provokation? Ist das nicht eine höchst subjektive Angelegenheit? Nicht alle fühlen sich durch gewisse Aussagen provoziert, genauso gilt das auch im Leben als Erwachsener.

Die Liste geht unter der Slideshow weiter ...

Gegen sexuelle Belästigung und Gewalt: «Marsch der Schlampen» in Jerusalem

Der Satz: «Was sich liebt, das neckt sich»

Süss, nicht? Nein, nicht wenn es das Gefühl festigt, man müsse ein unangenehmes Verhalten über sich ergehen lassen, weil da Liebes-Gefühle dahinterstecken. Jede von einem Bekannten missbrauchte Frau wird uns das bestätigen können. Denn so findet man dem Täter immer eine Ausrede.

«Slut-Shaming» vor den Kindern

Diese Art, eine Frau wegen ihrer Kleidung (oder das Fehlen ebendieser) zu kritisieren, festigt schon bei Kindern den Gedanken, dass Frauen eben nicht alles anziehen dürfen, was sie wollen. Solche Sprüche lassen glauben, eine Frau sei ja selber schuld, wenn sie vergewaltigt wird, schliesslich war ihr Rock zu kurz, ihr Ausschnitt zu tief.

Ein kleiner Lesetipp. Unten geht es weiter mit der Liste ...

Mädchen müssen «brav» sein

Jungs, die – Entschuldigung – rumvögeln, sind cool. Im schlimmsten Fall werden sie als Machos bezeichnet. Mädchen, die dasselbe tun? Siehe Punkt 5. «Schlampe» ist wohl noch das Freundlichste, was sie zu hören bekommen. Mädchen haben ebenfalls Bedürfnisse, die sie ruhig auch aussprechen dürfen. Wenn man sie in die «brave» Ecke stellt, werden sie einen Missbrauch viel weniger melden, aus Angst, eine Schlampe zu sein.

Gebt es zu, bei mindestens vier Punkten habe ich euch erwischt. Mich selber übrigens auch. Wenn wir diese Muster durchbrechen mit unseren eigenen Kindern, ihnen helfen, sie mit den Freunden zu meiden, vielleicht schafft es diese Generation, die sogenannte «Rape-Culture» zu durchbrechen. Oder was meint ihr?

Danke für euere Kommentare!

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