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Yonnihof

#tradwives: Zurück ins Mittelalter?

Bild: shutterstock

Bei der Diskussion um das #tradwives-Movement zeigte sich einmal mehr des Pudels Kern bei der Diskussion um die Gleichstellung.



Ein bisschen seltsam mutet es ja schon an, dieses #tradwives-Modell, von dem hier auf watson berichtet wurde. Die adrett gekleidete Dame erwartet den Herrn des Hauses abends bei dessen Heimkommen lächelnd und frisch föhnfrisiert und mit dampfenden Tellern auf dem Tisch. Hoppla, dachte da auch meine Wenigkeit, die 50er haben angerufen, sie möchten gerne ihre Unterdrückung zurück.

Es entbrannten ob der Rückkehr dieses Lebensmodells denn auch die zu erwartenden Diskussionen. UNTERDRÜCKUNG. SKLAVEREI. MITTELALTER.

Ich legte meine Stirn denn für einige Tage in tiefe Falten (also noch tiefer als sie altersbedingt eh schon sind) und dachte mehrfach über das Phänomen nach. Nach und nach dämmerte mir, dass das eben eigentlich genau NICHT so ist, wie es scheint.

Ich fühlte mich an die Zeit nach meiner Hochzeit erinnert, in der die Öffentlichkeit erfuhr, dass ich den Namen meines Mannes angenommen hatte. Auch da: FÜRIO! Das kann man doch als emanzipierte Frau nicht! Wie rückständig! Wofür haben wir und unsere Mütter und deren Mütter Mütter gekämpft? SÄG EMAL!

Darauf antworte ich: Genau DAFÜR! Und, so ungern das gewisse Zeitgenossinnen auch hören: Für die #tradwives auch.

Emanzipation ist nicht, dass man alle neuen Wege, die Frauen einschlagen können, auch gehen muss. Sie bedeutet nicht, dass jede Neuerung, die im Rahmen der Gleichstellung entstand, auf persönlicher Ebene auch umgesetzt werden muss. Sie bedeutet nicht, dass jegliche Form der Tradition in den Mülleimer gehört. Sie bedeutet – übrigens – auch nicht, dass ich nun alles gut finden muss, was Frauen tun, nur weil sie Frauen sind (geschweige denn, alles schlecht zu finden, was Männer tun, nur weil sie Männer sind).

Sie bedeutet Freiheit. Freiheit, zu wählen. Freiheit, zu heiraten oder nicht. Den Namen des Partners anzunehmen oder nicht. Ihn mit einem Truthahn auf dem Teller und Lockenwicklern in den Schamhaaren zu empfangen oder nicht.

Wir sollten nicht Frauen angreifen, die im Rahmen ihrer Freiheit ein traditionelles Rollenbild wählen. Sie sind in dieser Wahl genauso frei wie Frauen, die sich jeden Abend ihrerseits bekochen lassen.

Wir sollten stattdessen Systeme angreifen, die solche Freiheiten nicht zulassen. Weiterhin, vehement, laut und unbequem.

Natürlich kann man sich fragen, wieso noch immer so wenige Frauen ihren Namen behalten und noch weniger Männer denjenigen ihrer Partnerinnen annehmen. Ich bin mir sicher, dass das immer öfter passieren wird, dass diese Entwicklung jedoch Zeit braucht.

Ich für meinen Teil habe den Namen meines Mannes angenommen, weil wir (ja, als Paar) entschieden hatten, dass wir gerne alle gleich heissen würden und Yonni Moreno nun halt einfach schöner ist als Michael Meyer. Und selbst wenn nicht. Selbst wenn ich das aus Traditionsbewusstsein gemacht hätte, es wäre allein MEINE Entscheidung.

Den lauten #tradwives-KritikerInnen möchte ich zum Schluss eins sagen: Führt Eure Energie bitte anderen Dingen zu als den Lebensentscheidungen freier Frauen und Männer. Schauen wir stattdessen, dass wir zusammen (Männer und Frauen) diese Freiheit für alle schaffen, die sie noch nicht haben.

Emanzipation ist so schön und wichtig und gewaltig. Sie ist ein Meisterwerk der Gemeinschaftskunst. Sie ist eben nicht Zwang, anstatt des Befehls des einen nun den Befehl der anderen befolgen zu müssen. Sie ist nicht, anstatt des einen Extrems nun das andere leben zu müssen.

Sie ist Freiheit, das Leben zu leben, das man sich wünscht.

Föhnfrisiert oder nicht.

Vill Liebi, Dini Mueter

Yonni Moreno Meyer

Yonni Moreno Meyer (38) schreibt als Pony M. über ihre Alltagsbeobachtungen – direkt und scharfzüngig. Tausende Fans lesen mittlerweile jeden ihrer Beiträge. Bei watson schreibt die Reiterin ohne Pony – aber nicht weniger unverblümt.
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