Blogs
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Yonnihof

Bye bye, Zenit: Woran ich erkenne, dass ich nun WIRKLICH alt bin

Bild: shutterstock

Ein Selbst-Check in 10 Punkten.



Heute hat mir jemand ein Bild geschickt, auf dem stand: «Du weisst, dass du wirklich alt bist, wenn du hinfällst und die Leute dich nicht mehr auslachen, sondern dir aufhelfen.»

Und wissen Sie was? Ein bisschen angesprochen fühlte ich mich tatsächlich.

Googelt man «mittleres Alter», steht da 35-65 Jahre. Zagg. Meine Alterskategorie. Aber woran merke ich eigentlich im Alltag, dass ich tatsächlich keine 20 mehr bin?

1. «Damals, vor 10 Jahren, als ich mit meinen Freunden «Titanic» gesehen habe ...»

NO BITCH! Das sind 20 Jahre. ZWAN-ZIG! Ich lebe in der konstanten Überzeugung, die Jahrtausendwende sei circa vorgestern passiert. Ist sie nicht. Menschen, die zur Jahrtausendwende geboren wurden, machen jetzt die Autoprüfung. Und Demokratie. Und Babys.  

2. Ich habe eine Frau in meinem Alter von ihrem Enkel reden hören

Ähä. Enkel. Kindeskind. Lendenfruchtfrüchtli. I shit you not. Menschen in meinem Alter sind teilweise schon Grosseltern – und das sind nicht mal mehr die, die mit zwölf schwanger wurden. Nein, die haben Eigenheime und Ferienhäuser und Firmen. Und Enkel. Ich für meinen Teil habe ein Velo und sogar darauf kann ich nicht gut genug aufpassen, dass es nicht von der Stadt mit der Trennscheibe vom Fahrradständer losgeschnitten und mitgenommen wird, weil die denken, es sei verwahrlost.  

Hihi. «Ständer».  

3. Wenn ich sage, ich sei 27, lachen mich die Leute aus

Aber so richtig. Nicht so «Hihihi, okay, du bist Comedienne, das ist vielleicht ein Witz, aber an sich könnte es auch stimmen, falls du dich nie abgeschminkt und nie Sonnencreme verwendet hast ...» Nope. Die grölen alle lauthals raus. Ob ich 14 oder 27 sage, ist mittlerweile gleich unrealistisch.    

4. «Diese Jungen hören nur Lärm»

Lange war ich so: «Chum jetz, bis offe, lönd die mache, jedi Generation hät ihre Sound.» Und ich meine, behaupten zu können, dass meine einige der grössten musikalischen Gräueltaten überhaupt an der Menschheit begangen hat. Ich meine: «Hyper Hyper»? «2Unlimited»? Who are we to judge?

Und doch wirkt die «heutige Musik» der «heutigen Jugend» auf mich mittlerweile oft nur noch wie ohr-penetrierendes Rasselgequietsche und wo ich früher noch da und dort resigniert mitgewippt hätte, habe ich heute Sätze wie «Chönder dä Soumeis nöd mal chli liisliger mache???!!!» auf den Lippen. Die Satzzeichenherden sind übrigens ein weiteres Zeichen meiner Solidarität gegenüber anderer Missverstandener.

5. Komfort gewinnt

Lauft Ihr auch gerne in High Heels herum? Tragt sexy Tangas, die im Schritt zwicken, nur damit Ihr beim potentiellen Auspacken eine gute Falle macht? Und kennt Ihr das, wenn Ihr mal wieder zwei Stunden mit viel Freude und Elan Outfit, Make-Up und Haare zurechtmacht, weil Ihr Euch dann einfach wohler fühlt?

Kennt Ihr das?

Ja, ich au nöd.

Baumwollunterhose, Jeans bis über den Bauchnabel (ein Hoch auf die «heutige Mode»), die den Ranzen – netterweise auch vom Alter zur Verfügung gestellt – an den richtigen Ort rückt, ohne dass sie unbequem ist, Turnschuhe, Mascara (nicht, weil sonst Menschen Sprüche machen wie «Du gsehsch chli chränkelig uus», sondern weil sie effektiv denken könnten, ich sei gestorben).

The End.    

6. «Man ist so alt wie man sich ... ACH, HALT DOCH DIE FRESSE!»

Wenn ich anderen mein Alter sage (damit habe ich übrigens Null Probleme – ich finde sogar, dass einen kaum etwas älter macht als diese dumme Geheimniskrämerei ums Alter), fühlen sie sich sofort verpflichtet, mir zu sagen, dass ich «ALSO SCHO SEHR VILL JÜNGER AUSSEHE ALS ICH BIN!» «NEI WÜRKLI!» «WIE MACHSCH DU DAS?!»

HÖRED MAL UF! Das ist, wie wenn man jemandem auf Krücken sagt: «Hüt simmer aber uu schnäll underwägs, Frau Rüdisühli, Heiterefahne! Wie de Speedy Gonzalez! Sie sind «die schnellste Maus von Schwamendingen»! Hoppigaloppi!»  

7. Good-Bye, wilde Zeit

Kürzlich habe ich mir überlegt, was ich alles eher machen würde, als eine Nacht in einem dunklen, lauten Club zu verbringen. Ich glaube, ich habe das passende Bild gefunden: Ich würde eher dreizehn Aromatwürfel essen und sie mit Maggi runterspülen.

Und ja, ich weiss, dass ich daran vermutlich sterben würde. Das ist genau mein Punkt.  

8. A propos Club: Generell finde ich alles immer viel zu laut

Die Menschen, den ÖV, Autos, meinen eigenen Atem. Manchmal würde ich mich am liebsten anschreien, dass ich mich bei all der Amok-Atmerei nicht konzentrieren kann – aber Aufhören ist dann halt auch keine Option. Und Anschreien ist auch nicht leise. Alles SO schwierig.  

9. Hahaha, Menopause

Wenn ich Witze über die biologische Uhr mache, nicken alle sehr verständnisvoll, weil sie meinen, es sei mein Ernst.  

10. Junge Heldinnen meiner Jugend

Ich bin jetzt fünf Jahre älter als Lorelai zu Beginn der «Gilmore Girls». Und ich bin vier Jahre älter als Carrie Bradshaw zu Beginn von «Sex and the City». Das. Tut. Weh.

Voilà. Ich bin nun offiziell eine «Frau mittleren Alters».

Lässt mich das kalt? Spinnsch? Ich nähere mich statistisch gesehen mit grossen Schritten meiner Lebensmitte. Dabei habe ich noch lange nicht die Hälfte von dem gesehen, was ich sehen will. Ich weiss noch nicht annähernd halb so viel, wie ich gerne wissen würde (und das mit dem Gedächtnis wird ja bekanntermassen auch nicht besser, nöd wahr). Und ich bin noch nicht annähernd halb so gut, wie ich's gerne wäre.

Aber, ich bin auf gutem Weg, das zu werden, was ich immer sein wollte: Eine lustige Alte.

Wenigstens etwas. 

Nun muss ich los, ich muss morgen um 5.30 Uhr aufstehen, damit ich pünktlich um 6.55 Uhr vor dem Supermarkt stehen kann. Dann sind da nur ganz wenige Leute und es wird niemand sauer, wenn ich an der Kasse mein Münz genau abzähle.

Yonni Meyer

Yonni Meyer (36) schreibt als Pony M. über ihre Alltagsbeobachtungen – direkt und scharfzüngig. Tausende Fans lesen mittlerweile jeden ihrer Beiträge. Bei watson schreibt die Reiterin ohne Pony – aber nicht weniger unverblümt. 
Pony M. auf Facebook
Yonni Meyer online

yonni meyer

Das könnte dich auch interessieren:

Wie ich nach 3 Stunden Möbelhaus von Wolke 7 plumpste

Link zum Artikel

Die Fallzahlen steigen wieder leicht an – so sieht's in deinem Kanton aus

Link zum Artikel

Der Mann, der es wagt, Trump zu widersprechen

Link zum Artikel

Magic Johnson vs. Larry Bird – ein College-Final als Beginn einer grossen Sportrivalität

Link zum Artikel

4 Gründe, weshalb die Corona-Zahlen des BAG wenig mit der Realität zu tun haben

Link zum Artikel

Wie ansteckend sind Kinder wirklich? Was die Wissenschaft bis jetzt dazu weiss

Link zum Artikel

Das iPad kriegt Radar? Darum ist der Lidar-Sensor eine kleine Revolution

Link zum Artikel

Lasst meinen Sex in Ruhe, ihr Ehe- und Kartoffel-Fanatiker!

Link zum Artikel

So lief Tag 1 nach Bekanntgabe der «ausserordentliche Lage» für die Schweiz

Link zum Artikel

Corona International: EU beschliesst Einreisestopp ++ Italien mit 345 neuen Todesopfern

Link zum Artikel

Die Schweiz befindet sich im Notstand – die 18 wichtigsten Antworten zur neuen Lage

Link zum Artikel

Epidemiologe will Fernunterricht für Gymi-Schüler

Link zum Artikel

Ein Virus beendet Jonas Hillers Karriere: «Es gäbe noch viel schlimmere Szenarien»

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Yonnihof

Innerer Dialog – Heute: Katzen-Edition

--- Prolog ---

Die Gottheit (welche auch immer): Yo Engel, mir ist grad etwas sadistisch zumute.

Engel (verdreht Augen): Das ist ja mal was ganz Neues.

Gottheit: Lass uns was richtig Fieses machen heute.

Engel: Okay. Was denn?

Gottheit: Hm. Was ist das Allerschönste, was man bisher anfassen kann?

Engel: Böh? Ein Widechätzli vielleicht? Babywimperli? Einhornschamhaar?

Gottheit: Hm. Das geht noch feiner. Lass uns das Allerplüschigste kreieren, was es je gegeben hat, so flauschig, dass …

Artikel lesen
Link zum Artikel