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Yonnihof

Erweiterung der Rassismus-Strafnorm: Vom Privileg, nicht schützenswert zu sein

Bild: shutterstock

Am 9. Februar stimmen wir über die Erweiterung der Rassismus-Strafnorm ab. Ein Brief ans «Komitee gegen dieses Zensurgesetz».



Liebes Abstimmungskomitee «Nein zu diesem Zensurgesetz!»

Ich habe mich ein bisschen auf Eurer Homepage rumgetrieben und gedacht, ich schreibe Euch mal ein Briefli.

Zuerst: Ich für meine Person würde Rassismus und Homophobie als Gedankengut wahnsinnig gerne abschaffen. Nur kann ich das nicht. Ich kann und darf nicht bestimmen, was andere denken. Auch nicht, was Ihr denkt. Das darf der Staat auch nicht. Gedankenverbrechen sind nicht ahnbar und ich finde das absolut richtig, denn auch ich habe in Gedanken schon fürchterliche Dinge getan.

Was Ihr in Euren Köpfen denkt, darf man Euch nicht verbieten. Das will die Erweiterung der Rassismusstrafnorm (Änderung von «Rassendiskriminierung» zu «Diskriminierung und Aufruf zu Hass») auch nicht.

Einmal mehr geht vergessen, dass es hier eben nicht um Euch geht, sondern um die Lebensqualität der Betroffenen.

Das ist meines Erachtens oft das Hauptproblem bei der Diskussion um die Meinungsfreiheit. Der Hauptpunkt ist dabei nicht die Beschneidung der Freiheit des einen, sondern eigentlich das Schaffen von Freiheit für den anderen. Das Schaffen von Freiheit vor Angriffen, nämlich.

ES. GEHT. NICHT. UM. EUCH.

Es geht nicht darum, Eure Lebensqualität einzuschränken, sondern diejenige gewisser Gruppen zu schützen. Vor Euch, so leid mir das tut. Oft sind nämlich die Menschen, die behaupten, dass «man ja heute überhaupt nichts mehr sagen darf» diejenigen, die jederzeit allen alles sagen (wollen).

Bestes Beispiel ist die Diskussion um den Schokokuss. Immer wieder las ich, man solle um so eine Lappalie doch kein solches Aufheben machen. Aber wenn’s doch für dich eine Lappalie ist und für manchen Betroffenen nicht, warum kannst du’s dann nicht einfach weglassen?

Man könne ja von Verleumdung, übler Nachrede etc. Gebrauch machen, wenn man sich angegriffen fühle, schreibt Ihr (etwas, was gewisse Eurer Parteikollegen sehr gerne tun, by the way). Man müsse das im Falle der Homosexualität nicht pauschal und per Gesetz regeln.

Nun. In Eurem Argumentatorium redet Ihr von «Schützenswerten».

Es ist ein Privileg, wenn man nicht zu diesen gehört, es ist ein Privileg, nicht schützenswert zu sein. Es ist ein Privileg, wenn man lediglich aufgrund seines Verhaltens und nicht aufgrund seines Seins angreifbar ist.

Das ist meines Erachtens ein sehr wichtiger Punkt und eine der Kernfragen, wenn es um Diskriminierung geht: Greift man Verhalten an oder Sein?

Wenn mir also jemand sagt, indem ich jemanden als Rassisten bezeichne, betriebe ich im Grunde dieselbe Art der Diskriminierung wie der Angegriffene selbst, dann werde ich diesem Argument stets mit demjenigen entgegentreten, dass ich ein gewähltes Verhalten kritisiere und nicht einen Teil des Seins eines Menschen, u.a. seine Nationalität, seine Hautfarbe, etc.

Es gibt Menschen, die eben nicht als Individuum, sondern durch einen ihren Personen eigenen, nicht frei gewählten Fakt (Hautfarbe, Nationalität, usw.) nicht dem Grossteil der Bevölkerung entsprechen und man soll sie aufgrund dieses Fakts nicht diskriminieren. Diesbezüglich sind sie schützenswert. Ich weiss, ich bin nur ein kleiner Hippie, aber ich verstehe ein bisschen was von Psychologie und Biologie und Homosexualität gehört meines Erachtens eindeutig zu diesen Fakten. Da werden mir nun einige (wenn ich so die Namen im Komitee anschaue, weiss ich auch, welche) widersprechen. Das ist mir – und dem absoluten Grossteil der Experten – relativ egal.

Übrigens: Ob «alter weisser Mann» gegen die Rassismusstrafnorm verstösst, weiss ich nicht. Vielleicht tut es das, was mir eigentlich recht wäre, denn ich finde solche Vereinfachungen in alle Richtungen doof – vor allem bei Menschen, die einem neben ihrem Alter, ihrer Hautfarbe und ihrem Geschlecht mit ihren Aussagen und Verhaltensweisen weiss Gott genügend Angriffsfläche für viel differenziertere Kritik bieten. Mein Vater ist übrigens auch ein alter, weisser Mann und er ist grossartig (Hallo Papa).

Ihr schreibt, die Erweiterung würde das Schweizer Volk pauschal als homophob verurteilen. Öhm. Nein. Ich bin Teil des Schweizer Volkes und ich fühle mich nicht im Geringsten angegriffen, noch verurteilt, noch würde die Erweiterung mein Leben in irgendeiner negativen Weise beeinflussen.

Letzten Endes finde ich die Aussage «Wer nichts zu verbergen hat, hat auch nichts zu befürchten» selbst zwar auch nicht unproblematisch, aber davor, dass homophobe Aussagen per Gesetz geahndet werden können, hat in Tat und Wahrheit halt nur eine Gruppe Mensch Angst: Die Homophoben.

Vill Liebi und Rägeböge,

Yonni Moreno Meyer (hetero, jung, weiss, überprivilegiert)

Yonni Moreno Meyer

Yonni Moreno Meyer (37) schreibt als Pony M. über ihre Alltagsbeobachtungen – direkt und scharfzüngig. Tausende Fans lesen mittlerweile jeden ihrer Beiträge. Bei watson schreibt die Reiterin ohne Pony – aber nicht weniger unverblümt.
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