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Die deutsche Corona-App und SwissCovid unterscheiden sich bezüglich Risikoberechnung und bald auch bezüglich Funktionsumfang. Im Gegensatz zur Schweiz will man in Deutschland eine Check-in-Funktion integrieren, die nach Events eine anonyme Warnung ermöglicht.
Die deutsche Corona-App und SwissCovid unterscheiden sich bezüglich Risikoberechnung und bald auch bezüglich Funktionsumfang. Im Gegensatz zur Schweiz will man in Deutschland eine Check-in-Funktion integrieren, die nach Events eine anonyme Warnung ermöglicht.
Bild: watson / shutterstock
Analyse

Die deutsche Corona-App erhält ein Feature, auf das wir in der Schweiz (weiter) warten

Für die deutsche Covid-App ist ein grösseres Update geplant. Wichtigste Neuerung ist ein anonymes Check-in per QR-Code. Damit wächst auch der Druck auf das Bundesamt für Gesundheit (BAG), etwas Vergleichbares zu lancieren.
18.03.2021, 20:23
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Was ist passiert?

Die deutsche Corona-Warn-App erhält eine Check-in-Funktion, die ermöglichen soll, die Besucher eines Events automatisch zu warnen und damit sogenannte Corona-Cluster schneller zu bekämpfen. Das soll einfach und sicher über das Einscannen von QR-Codes mit dem Handy funktionieren.

Auf Anfrage von watson bestätigte das Robert Koch-Institut (RKI) am Donnerstag, dass aktuell an einer Eventregistrierung in der Corona-Warn-App gearbeitet werde. Das Ziel:

«Die App-Nutzer, die sich bei einem Event anonym über einen QR-Code eingecheckt haben, werden gewarnt, falls ein Nutzer positiv getestet wird.»
Wolfgang Scheida, RKI-Sprecher

Verfügbar ist die Check-in-Funktion noch nicht. Sie soll mit der App-Version 2.0 ausgeliefert werden – diese ist in Entwicklung. Auf der Corona-Warn-App-Website bei Github sind seit kurzem Hinweise zum neuen Feature zu finden.

Das Feature, bzw. Update, soll «recht zeitnah nach Ostern» verfügbar sein, wie spiegel.de berichtet.

Wie funktioniert's?

Was wir wissen: App-User scannen beim Betreten eines Lokals, respektive Besuch eines Events, mit ihrem Smartphone (bzw. der Corona-Warn-App) einen QR-Code. So können sie zu einem späteren Zeitpunkt per App gewarnt werden, falls sich am gleichen Ort eine infizierte Person aufhielt.

watson hat bei der Herausgeberin der deutschen App, dem Robert Koch-Institut (RKI) nachgefragt. Wolfgang Scheida von der Pressestelle erklärt:

«Das wesentliche Merkmal der Corona-Warn-App – nämlich die Anonymität des Ansatzes – soll auch bei dieser Funktion gewahrt bleiben. Grob funktioniert das dann wie folgt: Für ein bestimmtes Event wird ein QR-Code erzeugt, den alle Teilnehmenden (z.B. die Gäste eines Restaurants) mit ihrem Smartphone einscannen. Dabei werden keine persönlichen Daten ausgetauscht. Aber wenn jemand positiv getestet wird und das in die App eingibt, werden alle, die den Code ebenfalls eingescannt haben, anonym gewarnt.»

watson-Recherchen zeigen: Die Macher der deutschen Corona-Warn-App setzen auf eine eigene Lösung und nicht auf das Schweizer CrowdNotifier-Protokoll.

Dieses wurde von den SwissCovid-Machern erarbeitet und wird seit Januar in einem Pilotversuch an der Eidgenössisch-Technischen Hochschule in Lausanne (EPFL) getestet. Und zwar in Form der Notify-Me-App, die es fürs iPhone und für Android-Smartphones in den App-Stores gibt.

Bekanntlich hat das Bundesamt für Gesundheit (BAG), die Herausgeberin der SwissCovid-App, noch nicht beschlossen, eine solche Check-in-Funktion zu integrieren. Man sei noch dabei, die Bedürfnisse der Kantone zu klären.

Das CrowdNotifier-Protokoll sieht vor, dass Veranstalter für jede Veranstaltung, bzw. jeden Event, einen zweiten QR-Code erstellen, den sie nicht veröffentlichen. Mit diesem zweiten Code kann später die Alarmierung der Besucher ausgelöst werden, wobei sich eine Zeitspanne definieren lässt. So erhalten nur die Besucher einen Warnhinweis, die sich im fraglichen Zeitraum vor Ort aufgehalten haben.

Die deutsche Warn-App dürfte ähnlich funktionieren.

Was ist aus Schweizer Sicht wichtig?

Wenn Nachbarländer wie Deutschland ihre Corona-Warn-App mit neuen Funktionen aufrüsten, wächst der öffentliche Druck auf das BAG, dies auch bei SwissCovid zu tun.

Die Check-in-Funktion wird im Zuge der zu erwartenden Lockerungen immer wichtiger werden. Wenn sich mehr Leute in Lokalen und anderen Orten versammeln, steigt Risiko von Superspreader-Events; dass also eine hochansteckende Person viele andere Teilnehmer infiziert.

Je grösser der Event, desto aufwändiger die herkömmliche Kontaktverfolgung per Telefon. Und desto länger dauert es, bis alle möglicherweise infizierten Besucher gewarnt werden können. Die Fachleute erhoffen sich durch die Check-in-Funktion eine Beschleunigung, weil Warnungen automatisch an alle potenziell Betroffenen abgesetzt werden.

Die gute Nachricht:

«Die Interoperabilität der Corona-Warn-App mit der Schweizer SwissCovid ist von den geplanten Funktionen nicht betroffen. Sie wird in Kürze umgesetzt.»
Wolfgang Scheida, Rorbert Koch-Institut

Voraussichtlich ab Ostern sollten beide Apps miteinander verknüpft sein, sagte der Schweizer Botschaf­ter in Deutschland gemäss Medienberichten am vergangenem Freitag. Paul Seger sprach in Berlin von einem «wirkungsvollen Beitrag», um die Gesundheit der Grenzgänger und der Bevölkerung beidseits des Rheins und des Bodensees zu schützen.

Wie weit die Verhandlungen mit anderen Ländern (insbesondere Italien/Österreich) fortgeschritten sind, wollte das BAG auf Anfrage von watson nicht verraten. Zum Inhalt laufender bilateraler Gespräche gebe man keine Auskunft.

Was ist mit heiklen Personendaten?

Der RKI-Sprecher versichert:

«Die Identität der Nutzer bleibt im ganzen Warnprozess für alle unbekannt.»

Bleibt die Frage der technischen Umsetzung. Details dazu sind noch nicht bekannt, abgesehen von den öffentlich zugänglichen Informationen bei Github.

Ersetzt das die Kontaktdaten-Listen auf Papier?

Nein.

Zwar können die Nutzer der deutschen Corona-Warn-App ihre in der App hinterlegten Daten freiwillig ans RKI «spenden». In den Grundeinstellungen werden jedoch keine personenbezogenen Daten erfasst oder an die Gesundheitsbehörden übermittelt.

Insofern ersetze die QR-Code-Funktion in der Corona-Warn-App nicht die vorgeschriebene Erfassung von Namen und Kontaktdaten durch Gäste- und Anwesenheitslisten, konstatiert watson-Medienpartner T-Online in einem aktuellen Bericht. Zu solchen Listen seien Veranstalter, Lokalbetreiber und auch Sportvereine gesetzlich verpflichtet.

In der Schweiz galten ähnliche Bestimmungen, was das namentliche Registrieren von Besuchern betrifft. Die Macher der NotifyMe-App – eine Kooperation der Technischen Hochschule EPFL und der Firma Ubique –, halten fest:

«Bei Veranstaltungen, bei denen der Kanton die Datenerhebung vorschreibt, ist NotifyMe eine Ergänzung, die eine schnellere Benachrichtigung ermöglicht, aber kein Ersatz für Namenslisten.»
quelle: notify-me.ch

Was hat das mit der Luca-App zu tun?

In den letzten Wochen hat in Deutschland die vom prominenten Künstler Smudo («Die Fantastischen Vier») unterstützte Luca-App für Schlagzeilen gesorgt. Es ist nur eine von vielen bereits verfügbaren Check-in-Apps, die das manuelle Erfassen von Kontaktdaten überflüssig machen sollen.

Sie alle weisen einen grundlegenden Nachteil auf im Unterschied zu den Corona-Warn-Apps: Die User können nicht anonym bleiben, sondern werden mit Name, Telefonnummer und Kontaktdaten erfasst. Diese Daten werden laut den Anbietern verschlüsselt gespeichert und können nur von den Gesundheitsbehörden eingesehen werden. Doch hat dies bei IT-Experten und Datenschützern Kritik hervorgerufen.

Es gibt auch noch einen praktischen Grund, der für den dezenralen Ansatz sprich: Der deutsche Internet-Unternehmer Ralf Rottmann hat am Dienstag über die geplante Check-in-Funktion für die Corona-Warn-App gewittert und in einem längeren Twitter-Thread erklärt, warum es Sinn mache, «Zusammenkünfte anonym zu tracken». Im Gegensatz zu zentralisierten Check-in-Apps wie Luca drohten die Gesundheitsämter nicht durch (zu) viele Meldungen zu überlasten.

Inwiefern das geplante Update der Corona-Warn-App Einfluss auf die Pläne diverser Bundesländer zur Einführung der Luca-App haben wird, ist laut Berichten noch unklar.

Datenschützer sprechen sich seit längerem für eine anonyme Lösung ähnlich zum CrowdNotifier-Protokoll aus, das in der NotifyMe-App zum Einsatz komme, hält heise.de fest.

Wird das BAG eine Check-in-App empfehlen?

Wird es in der Schweiz eine offizielle Empfehlung für Check-in-Apps von Drittanbietern geben? Diese Frage richtete watson Anfang März an das Bundesamt für Gesundheit.

Die Antwort des SwissCovid-Sprechers:

«Nein, das ist zur Zeit nicht vorgesehen. Es gibt aktuell auf dem Markt verschiedene Anbieter und das BAG wird und darf hier keinen Eingriff in den Mark vornehmen.»
Marco Stücheli, BAG

Die SwissCovid-App hat in den vergangenen Tagen wieder an Popularität gewonnen. Die Zahl der aktiven User ist auf 1,75 Millionen angestiegen, wie der Bund online angibt. Heruntergeladen wurde die für Android-Smartphones und iPhones verfügbare Anwendung fast 3 Millionen mal.

Zur Anzahl der aktiven User der deutschen Corona-Warn-App liegen dem RKI keine Daten vor. Zuletzt habe man mehr als 26,2 Millionen Downloads verzeichnet, heisst es.

Quellen

Alles über die Schweizer Corona-Warn-App

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NotifyMe: Die neue App der SwissCovid-Macher gegen Corona

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NotifyMe: Die neue App der SwissCovid-Macher gegen Corona
quelle: screenshot: notify-me.ch
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