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Bild: microsoft/sony/watson

Analyse

Xbox gegen Playstation: Warum Microsoft nicht versagen sollte – es aber dennoch tut

Tim Kröplin / watson.de



Bald geht es los. Das grosse Kräftemessen der Spielkonsolen. Playstation 5 gegen Xbox Series X. Sandwich gegen Kasten. Oder, wer es grösser und pathetischer mag: Japan gegen USA. Sony und Microsoft fechten ihren Konsolenkrieg bereits seit einiger Zeit aus. Beide Lager konnten sich über Jahre eine Fanbase aufbauen. Trotzdem wird es einen wirklichen Zweikampf zwischen den beiden möglicherweise nicht geben. Zumindest keinen ausgeglichenen.

Bei der aktuellen Konsolengeneration gab es einen klaren Gewinner. So wanderten bis Februar 2020 weltweit über 107 Millionen PS4-Konsolen, aber nur 46 Millionen Xbox One über die Ladentheken – mehr als doppelt so viele Verkäufe also. Das war kein Kampf, sondern ein Gemetzel. Es ist durchaus wahrscheinlich, dass sich die Geschichte wiederholt, obwohl die Xbox Series X der Playstation auf dem Papier in vielen Punkten überlegen ist. Für Microsoft könnte das ein Grund sein, die Konsolenproduktion künftig einzustampfen, da sich dieser finanziell nicht lohnt. Das wäre für den Markt jedoch ein Problem. Ein verheerendes.

Doch schauen wir uns das Ganze mal genauer an.

4 Punkte, die gegen die Xbox Series X sprechen

Tolle Technik, doch wen interessiert's?

Zunächst die harten Fakten: Rein technisch ist die Xbox Series X besser als die PS5. Bisschen mehr Speicher, bisschen schnellerer Prozessor, bisschen schnellere Grafikkarte. Zugegeben, die Unterschiede fallen, wenn überhaupt, nur auf dem Papier auf. Trotzdem verdeutlicht die Analyse, dass Microsoft einen grösseren Fokus auf die Technik legt. Die Playstation hat dafür die schnellere Festplatte. Ob der Unterschied für Laien auffällt, sei mal dahingestellt.

Denn: Sony war es auch nicht wichtig, einen Technikboliden an den Start zu bringen. Vielmehr stand das Design im Vordergrund. Die milchschnittenähnliche Konsole mag für manche nicht danach aussehen, trotzdem ist sie schöner anzusehen als Microsofts schwarzer Beistelltisch. Alles subjektiv, versteht sich.

Unabhängig davon stellt sich die Frage, was den Fans wichtiger ist. Die wenigsten werden wohl sagen, dass sie sich die Xbox Series X kauften, weil ihr Prozessor 0.3 Gigahertz mehr unter der Haube hat. Überhaupt: Nicht die Geschwindigkeit ist entscheidend, sondern der Spass. Für den sorgen die Spiele.

Doch Microsoft sorgt ausgerechnet in diesem Punkt für wenig Anreize. Sony hingegen schon.

Keine exklusiven Spiele

Bereits in der Vergangenheit glänzte Sony mit Exklusivtiteln, das soll wohl weitergehen: «Spider-Man: Miles Morales», «Gran Turismo 7» oder «Horizon 2: Forbidden West» erscheinen wohl direkt mit dem Verkaufsstart der Konsole – oder kurz danach. Jim Ryan, seines Zeichens Playstation-CEO, sagte selbst, er wolle die Spielerbasis rasch für die neue Konsolengeneration begeistern. Effizient ist sein Vorgehen allemal. Die Vorgänger der genannten Spiele lobten Kritiker in den Himmel und, viel wichtiger, sie verkauften sich millionenfach.

Ähnliches lässt sich zwar auch zu Microsofts schiesswütigen Zugpferden «Gears of War» sowie «Halo» sagen, doch verglichen mit den Playstation-Titeln feuern beide Shooter-Reihen mit Platzpatronen. Auf einen kurzen Knall folgt Ernüchterung. Bei der Xbox können wir zudem nicht wirklich von Exklusivität sprechen. Meist folgte auf ein Release, etwa ein Teil der «Halo»-Reihe, eine PC-Fassung.

Jetzt hat nicht jeder einen PC mit den modernsten Standards und sich einen anzuschaffen, dürfte im Vergleich zur Konsole ein deutlich teureres Vergnügen sein. Dennoch stellt sich die Frage: Warum sollte man sich ausgerechnet für ein, zwei Games die Xbox kaufen? Wer noch dazu nichts mit wilder Ballerei oder dem grünen Supersoldaten «Master Chief», Microsofts Maskottchen aus «Halo», anfangen kann, ist raus.

Ausserdem ist wohl mancher Ex-Fan wegen Microsofts Patzern in der Vergangenheit bereits seit Jahren raus.

Das angeschlagene Vertrauen

Bezogen auf den Konsolenmarkt hat Microsoft eine, sagen wir, schwierige Vergangenheit. Die Xbox 360 erschien etwa mit einem technischen Defekt, der die Konsolen überhitzen liess. So sehr, dass sie am Ende nicht mehr funktionierten. Fans nannten das Phänomen Ring of Death, da um den Startknopf ein roter Ring aufleuchtete, der das Ende der Konsole bedeutete. Die Nutzer mussten daraufhin ihre kaputten Konsolen einschicken und sassen auf dem Trockenen. Das Vertrauen in die Konsolensparte war dadurch angeknackst. Eine Präsentation setzte danach noch einen drauf.

Als der damalige Unterhaltungschef Don Mattrick 2013 die Xbox One vorstellte, folgte ein Shitstorm. Spiele gab es nicht zu sehen, stattdessen sollte die Konsole als Medienzentrale mit Fernsehfunktion dienen. Doch das reichte nicht, eine angekündigte Online-Pflicht sowie eine Gebrauchtspielsperre gaben den Fans den Rest. Weil Microsoft in der Hasswelle unterzugehen drohte, ruderte der Konzern zurück und warf Unterhaltungschef Mattrick über Bord.

Mittlerweile hat Microsoft seine Haltung gegenüber Konsoleros geändert. Der Spieler stehe im Vordergrund und sollte möglichst gut behandelt werden, sagte Xbox-Chef Phil Spencer. Titel für die Xbox Series X sollen auch für das Vorgängermodell erscheinen. Das könnte ein wenig Vertrauen wiederherstellen, so konsumentenfreundlich wie das ist.

Leider hapert's am ökonomischen Teil. Warum eine neue Konsole kaufen, wenn es die Exklusivtitel auch für den Vorgänger gibt? Zusätzlich ist unwahrscheinlich, dass Menschen, die der Xbox den Rücken kehrten, deswegen zurückkommen.

Na ja, Microsoft hat noch zwei Asse im Ärmel, glaubt der Konzern zumindest.

Game-Pass und Cloud-Gaming: Mehr Schein als Sein

Zunächst wäre das der Game-Pass. Das monatliche Spiele-Abo ermöglicht für 13 Euro freien Zugang zu einer grösseren Sammlung aktueller sowie alter Titel. Eigenproduktionen wie auch die kooperierenden Hersteller sind Teil des Portfolios.

Bisher scheint das Angebot nicht schlecht. Das Rollenspiel «Wasteland 3» der «Microsoft Flight Simulator» das Adventure «A Plague Tale: Innocence» sind nur ein kleiner Teil. Einziger Haken ist, dass die Abonnenten die Spiele nicht besitzen. Verschwinden sie aus dem Portfolio, sind sie nicht nutzbar. Nur die Speicherstände bleiben. Trotzdem kann die Konsole hier gegenüber der Playstation punkten.

Sony bietet mit dem PS-Plus-Abo zwar eine ähnliche Funktion an, aber dabei stehen monatlich lediglich zwei Spiele zur Verfügung. Die gehen aber in den Besitz der Abonnenten über. In puncto Cloud Gaming plant Microsoft viel, von einem Netflix für Gaming ist gar die Rede. Okay, schauen wir uns das doch mal an. Der hauseigene Dienst xCloud soll ermöglichen, Spiele auf dem Smartphone, PC oder der Konsole zu streamen. Da sich der Dienst noch in der Testphase befindet, sind Spiele und Verfügbarkeit noch stark begrenzt.

Vielerorts ist die Infrastruktur nicht optimal. Allein in Deutschland gibt es viele Ecken, in denen das Internet mehr schlendert, denn rast. Dennoch ging Microsoft mit vielen Herstellern Kooperationen ein, um den Dienst auszubauen. Alles schön und gut, aber Sony hat mit PS Now ebenfalls einen Streamingdienst, der bereits seit einiger Zeit fester Teil des Angebots ist. Für die Playstation 5 werden sie ihn bestimmt nicht einstellen. Von einem Alleinstellungsmerkmal kann man hier also nicht wirklich sprechen.

Sony strebt Monopolstellung an

Die Xbox One blieb weit hinter der Playstation 4 zurück. Über 40 Millionen verkaufte Einheiten sind nicht wenig, aber auch nicht viel. Wie gesagt, es ist nicht wirklich ein Konsolenkrieg. Und hier ist das Problem. Wer soll Sony noch von seinem Thron stossen? Wie lange braucht es, bis sich das Unternehmen zum Monopol in Sachen Konsolen entwickelt?

Wäre die Nintendo Switch vor wenigen Jahren nicht zum Überraschungshit geworden, wäre der Abstand zur Konkurrenz nur noch mehr gewachsen. Allerdings sind Nintendo-Konsolen Fanlieblinge, die sich nicht durch multimediale Funktionen auszeichnen, das Unternehmen ist entsprechend im Konsolenkrieg ein Zaungast.

Wettbewerb bringt Fortschritt

Ein schwächelnder Gegner und ein Aussenseiter. Nicht gerade angsteinflössend. Dabei braucht es ernstzunehmende Gegenspieler, um sich gegenseitig voranzutreiben. Ein Beispiel wäre Cloud-Gaming. Viele Unternehmen, etwa Google, Sony, Microsoft, Grafikchiphersteller Nvidia, witterten einen lukrativen Markt, also tüftelten sie an ihren Angeboten.

Die Ergebnisse präsentierten sie fix und sie funktionierten. Klar, perfekt sind sie nicht, doch wer weiss, wie es in ein paar Jahren ausschaut. Wenn nicht jeder das bestmögliche Angebot stellen wollte, wäre Cloud-Gaming möglicherweise noch immer nur Wunschdenken – oder eine Nische mit überschaubarem Angebot.

Und auch der Konsolenmarkt entwickelte sich in den vergangenen Jahren rasant. Liegt auch daran, dass es immer ebenbürtige Konkurrenten gab, mit denen sich Sony messen konnte. Früher Nintendo, heute Microsoft. Stets tüftelte der japanische Konzern daran, die Konkurrenten auszustechen. Was passiert also, wenn es diese nicht mehr gibt? Resignation? Vielleicht, Erfolg macht träge, dessen muss sich Sony bewusst sein.

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