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FILE - In this Oct. 12, 2005 file photo, Apple Computer Inc. CEO Steve Jobs holds up an iPod during an event in San Jose, Calif. Jurors in a class-action lawsuit against Apple Inc. on Tuesday, Dec. 2, 2014 saw emails from the late CEO and his top lieutenants that show Jobs was determined to keep Apple's popular iPod music players free from songs that were sold by competing online stores. (AP Photo/Paul Sakuma, File)

Der damalige Apple-Chef Steve Jobs, 2005, mit einem iPod. Bild: AP

War ein Tarn-Geigerzähler im iPod versteckt? Ein Apple-Ingenieur packt aus

Vor 15 Jahren entwickelte der kalifornische Computerhersteller gemeinsam mit der US-Regierung einen ganz speziellen Musikplayer. Der ehemalige Apple-Ingenieur David Shayer hat nun erstmals Details verraten.



Ein Artikel von

T-Online

Der Softwareentwickler David Shayer war der zweite Programmierer, der für das damals noch namenlose Apple-Projekt angestellt wurde, das später unter dem Namen «iPod» die Musikbranche umkrempeln sollte.

Shayer entwickelte viele Software-Komponenten von Apples Musikspieler – doch eine der denkwürdigsten Episoden seines Arbeitslebens hatte nichts mit Musik zu tun – war dafür aber streng geheim. Shayer hat diese Begebenheit nun erstmals öffentlich auf dem Apple-Portal «Tidbits.com» aufgeschrieben – und sie beginnt wie eine Agentengeschichte.

«Ein besonderer Auftrag»

An einem «grauen Tag spät im Jahr 2005» habe er an seinem Schreibtisch gesessen und Software für den kommenden iPod programmiert, als die Tür zu seinem Büro aufgeflogen sei und der Chef seines Chefs zu ihm sagte: «Ich habe einen besonderen Auftrag für dich, Dein Chef weiss nichts davon. Du wirst zwei Ingenieuren des Energieministeriums dabei helfen, einen speziellen iPod zu bauen – du berichtest nur an mich».

Shayer berichtet in seinem Text weiter, wie er am folgenden Tag zwei – ganz normal aussehende – Programmierer traf und erfuhr worum es geht: Die beiden arbeiteten für den Verteidigungszweig eines grossen Unternehmens und sollten spezielle Hardware in einem iPod verbauen. Die damit gewonnenen Daten mussten auf der Festplatte des iPods so gespeichert werden, dass es nicht einfach feststellbar sein durfte. Zudem sollte der iPod weiterhin ganz normal funktionieren und Musik abspielen.

Arbeit im Geheimen

Die eigentliche Entwicklung sollten die beiden Männer vom Energieministerium übernehmen, Shayers Aufgabe war lediglich, sie bei Problemen zu unterstützen. Nur drei Apple-Manager und Shayer selbst waren eingeweiht, was die beiden Männer bei Apple taten. Und da sie keine Apple-Zugangskarten erhielten, musste der Softwareingenieur sie täglich als Gäste anmelden und mit seiner Schlüsselkarte zu ihrem Arbeitsplatz bringen. 

Was genau in dem iPod versteckt wurde und welche Daten unauffällig aufgezeichnet werden sollten, konnte Shayer seinen Gästen nicht entlocken – die verbauten Teile bekam er während der Monate, die dort im Geheimen an diesem besonderen iPod gearbeitet wurde, nicht zu Gesicht.

Er beschreibt aber, wie er den Männern half, die mutmasslichen Daten auf einer versteckten Partition auf der iPod-Festplatte unterzubringen. Ausserdem erhielt der Regierungs-iPod einen ominösen Eintrag, tief im Einstellungsmenü versteckt. So sollte sich die nicht näher beschriebene Funktion steuern lassen.

War ein Tarn-Geigerzähler im iPod versteckt?

Nach einigen Monaten war die Arbeit am Geheim-iPod fertig. Die beiden Männer, die Shayer als Paul und Matthew kennen lernte, packten ihre Computer und spezielle Hardware ein und verabschiedeten sich. Shayer sah sie nie wieder.

Beim Rätseln darüber, was das Energieministerium wohl im Geheimen hatte entwickeln lassen, stiess der Apple-Programmierer auf einen Absatz im Budget des Energie-Ministeriums. Dort heisst es dass «neun Milliarden US-Dollar für Verteidigungsaufgaben» veranschlagt seien. Das Geld werde unter anderem für die «Unterhaltung von Verpflichtungen im Zusammenhang mit nuklearer Abschreckung» und «aggressive Strategien zur Abschwächung einer Bedrohung durch Massenvernichtungswaffen» benötigt.

Am wahrscheinlichsten sei deshalb, dass Paul und Matthew so etwas wie einen Tarn-Geigerzähler im iPod versteckt hätten, schlussfolgert Shayer. Damit könnten Mitarbeiter des Energieministeriums nach Spuren von Radioaktivität – abgegeben etwa von gestohlenem Uran, oder einer Schmutzigen Bombe – suchen, ohne dass Öffentlichkeit oder Presse von dem heiklen Unterfangen etwas bemerken würden. Mit Sicherheit weiss er es jedoch nicht.

Tony Fadell bestätigt

Laut Shayer arbeitet keine der ins Projekt eingeweihten Personen noch bei Apple. Einer von ihnen, Tony Fadell, bestätigte die Geschichte nun auf Tiwtter. Fadell nennt den Fall ein «surreales Drama und eine spannende Geschichte», die sich damals zugetragen haben. Fadell war damals der Stellvertretende Boss der iPod-Abteilung bei Apple.

Fadell lässt in weiteren Tweets durchblicken, dass er mehr über die Hintergründe des Projekts weiss: «Verrückte, super coole Technologie, an der die Regierung damals gearbeitet hat», schreibt er.

Offenbar scheint Shayers Vermutung zum Geigerzähler nicht verkehrt zu sein, denn auf einen Tweet , in dem ein Nutzer anmerkt, dass es ein unglaubwürdiger Aufwand sei, um einen Geigerzähler heimlich zu betreiben, antwortet Fadell «Man muss verstehen WARUM sie es tun wollten – und dann ergibt alles einen Sinn. Das war tatsächlich ziemlich clever.»

Doch lüften will Fadell das Geheimnis offenbar nicht: «Es gab damals viele Mitglieder im iPod-Team, die keine Ahnung hatten was die beiden Programmierer in unseren Büros taten. Solange man nicht das ganze Bild versteht, werden die Leute die Geschichte anzweifeln, da bin ich sicher. Aber diese Geheimnisse bleiben sicher...»

Quellen

(jnm/t-online.de)

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24Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Samurai Gra 23.08.2020 14:27
    Highlight Highlight War das die vorbereitung für Stuxnet? 🤔
  • Myk38 23.08.2020 13:15
    Highlight Highlight Doch doch. Ergiebt alles Sinn. Absolut logisch. Geigerzähler ist mir bei so ekner Geschichte aug als erstes in den Sinn gekommen 🥱🥱🥱😏😏😏
  • Flexon 23.08.2020 13:05
    Highlight Highlight CIA: "Well, thats more than we expected."

    Target: "My pleasure - you have the monney Sir?"

    CIA: "Sure, there you go. Should be more than enough."

    Target: "A'lright... so have a good one."

    CIA: "Wait... eehm.. want some music for the drive Mr? It's on an iPad?"

    Target: "Wuutt???"

    • piranha 23.08.2020 14:51
      Highlight Highlight Wuutt???
  • Mikey51 23.08.2020 12:32
    Highlight Highlight Gut, dass Huawai dieses Gerät entwickelt hat und es ja absolut nie das Ziel war, die Benutzer auf irgend eine Weise für irgend etwas zu missbrauchen. Bestimmt ist auf dem Beipackzettel auch gestanden: „ Dieses Gerät kann auch für andere Zwecke verwendet werden als nur Musik zu hören“.
  • Pafeld 23.08.2020 12:20
    Highlight Highlight In einem Punkt hat Fadell recht. Die Story ist ziemlich dünn und sinnlos ohne den Grund, warum das Verteidigungsministerium mit Millionenaufwand einen Geigerzähler in einen iPod schmuggeln wollte.
  • Therealmonti 23.08.2020 12:18
    Highlight Highlight Watson hätte bei der Geschichte der Vollständigkeit halber beifügen dürfen, dass dies passierte, als George W. Bush im Amt war. I’m übergeh dürfte es dem durchschnittlichen iPod User völlige egal gewesen sein, ob sein Musikspieler auch ein Geigerzähler war.
  • mstuedel 23.08.2020 11:22
    Highlight Highlight In "Thunderball" rüstete Felix Leiter Bond bereits in den 60-er Jahren mit einem in der Arbanduhr versteckten Geigerzähler aus, da sollte doch die Unterbringung in einem i-Pod kein Problem sein! :-)
    • redeye70 23.08.2020 13:20
      Highlight Highlight Ich habe auch nie verstanden warum «Q» nie von Apple angeheuert wurde 🙈
    • Emil22 23.08.2020 13:35
      Highlight Highlight @red So? Meinst du, er wurde nicht? Die haben doch sicher einen Keller da bei den Applern... :-)
  • Jonas der doofe 23.08.2020 10:49
    Highlight Highlight Aber aber Huawei spionniert uns aus.....
  • Cityslicker 23.08.2020 10:38
    Highlight Highlight „Energieministerium“... Aber sicher 😉
    • Mittelpunk0 23.08.2020 11:41
      Highlight Highlight Ist eine Federal Agency, von daher sehr gut möglich.
  • Cubebyte 23.08.2020 10:13
    Highlight Highlight Was wohl in den iPhones verbaut ist?🤨🤔😄.
    • achsoooooo 23.08.2020 15:36
      Highlight Highlight Irgendwelche geheimen Sensoren würden immerhin den Preis erklären...
  • Bynaus 23.08.2020 09:13
    Highlight Highlight Also wie man von einem gigantischen Budgetposten auf die Idee kommt, dass es sich bei diesem sehr spezifischen Projekt um einen Geigerzähler handeln müsse, ohne jeglichen Beleg... völlig abstrus. Geigerzähler haben spezifische Anforderungen an die Form, brauchen eine Sensoröffnung, etc. Nur weil es "Sinn machen würde" und "die Motivation" verständlich war, muss es noch lange kein Geigerzähler sein... Vielleicht ist das überhaupt bloss die Coverstory, die vom eigentlichen Ziel ablenken soll.
    • PastafariLU 23.08.2020 09:45
      Highlight Highlight das ist gut möglich. was könnte es gewesen sein? eher etwas für chemische oder biologische Waffen, nach 9/11 und den Anthraxbriefen war das wohl naheliegend.
    • Toraih 23.08.2020 10:44
      Highlight Highlight Ich hatte den selben Gedanken wegen dem Budget, aber auf der anderen Seite:
      Wenn du nur Gamma- oder Röntgenstrahlung messen willst, braucht der Sensor kein Fenster und du kannst eine kleine Messröhre versteckt in einen iPod einbauen.
      Die Genauigkeit der Messdaten wäre begrenzt, aber ausreichend um nachzuweisen das markant erhöhte Gammastrahlung vorhanden ist.
    • Hardy18 23.08.2020 12:21
      Highlight Highlight Ich als Laie, hab da mal ne frage an dich.
      Solche Strahlen gehen nahezu durch jedes Material. Da wird wohl das bisschen Plaste drumherum nicht weiter ins Gewicht fallen um dies zu messen, oder?
      Da braucht es keine Öffnung für ein Sensor im gezielt etwas zu messen, da man den Verdächtigen am Flughafen kennt, tanzt er sich mit Sheer heimlich an sein Opfer heran und bekommt entweder eine Bestätigung oder eben nicht. 😄
    Weitere Antworten anzeigen
  • einkritischer 23.08.2020 08:24
    Highlight Highlight ...irgendwoher muss ja apple das ganze geld haben... der staat zahlt in solchen fällen fürstlich ... etwa auch dafür, dass nach aussen kommuniziert wird, dass die geräte nicht geknackt werden können ... wer's glaubt ... die wissen alles ... und wir sollen so blöd sein und es auch noch glauben ...
    • tr3 23.08.2020 14:45
      Highlight Highlight Steile These. Ich hab auch eine: Apple hat soviel Geld, weil es soviel Produkte und Dienstleistungen verkauft. Zugegeben, klingt ein wenig verrückt, aber gerade deshalb *muss* es doch einfach stimmen!

Kommentar

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