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Apple setzt weiter auf einen eigenen Anschluss. bild: CC-BY-NC-SA 4.0 netzpolitik.org

Warum Apple seit Jahren ein universelles Handy-Ladekabel verhindert

Seit mehr als zehn Jahren drängt die EU auf einheitliche Ladekabel für Smartphones. Ohne Erfolg. Dokumente belegen jetzt: Das liegt vor allem an einer Firma.



Ein Artikel von

T-Online

Micro-USB, USB-C und Lightning – die unterschiedlichen Anschlüsse bei Smartphones sind nicht nur für die Verbraucher ein Ärgernis. Nach Einschätzungen der EU-Kommission geht das Ladekabel-Chaos auch auf Kosten der Umwelt. Etwa 51'000 Tonnen Elektroschrott landen Jahr für Jahr im Müll, weil sich die Hersteller nicht auf einen gemeinsamen Standard einigen konnten.

Dabei schienen sie schon vor gut zehn Jahren auf einem guten Weg: Auf Druck der EU-Kommission hin versprachen die grössten Smartphone-Hersteller, dass sie sich zusammenraufen und einen gemeinsamen Standard entwickeln würden. Verschiedene Hersteller unterschrieben die Absichtserklärung von 2009, darunter Apple, Samsung, Huawei und Nokia. Trotzdem gibt es bis heute kein universelles Ladekabel (nur das Netzteil mit USB-Anschluss ist einheitlich). Und daran soll vor allem Apple Schuld sein. Das berichtet die Redaktion von netzpolitik.org und beruft sich auf Dokumente aus Brüssel.

Demnach soll der iPhone-Hersteller die EU-Kommission über Jahre hinweg mit intensiver Überzeugungsarbeit hingehalten haben. Während sich bei Android-Geräten zunächst Micro-USB und seit kurzem USB-C als Standard durchgesetzt haben, setzt Apple weiterhin auf seine eigenen patentierten Anschlüsse. Diesen Sonderweg wählte Apple offenbar ganz bewusst. Der Lightning-Anschluss etwa wurde 2012 mit dem iPhone 5 eingeführt – also Jahre nachdem Apple die Absichtserklärung zusammen mit den anderen Herstellern unterschrieben hatte.

Bis heute hält Apple an der Lightning-Buchse fest. Dabei gilt USB-C als technisch überlegen. Dazu muss man wissen: Spezielle Apple-Adapter – oder auch «Dongles» – gehören zu den meistverkauften Produkten im Apple Store. Apple verdient mit dem anderen Anschluss viel Geld.

Dokumente zeigen Apples Lobbyarbeit

Um sein Alleinstellungsmerkmal behalten zu können, soll der iPhone-Konzern massiv auf Brüssel eingewirkt haben. Das belegen 150 E-Mails, Gesprächsnotizen und Berichte, die die EU-Kommission auf Anfrage von netzpolitik.org und einem Parlamentsmitarbeiter veröffentlicht hat. Sie können hier heruntergeladen werden (als zip-Archiv).

Apple warnt vor EU-Regulierung

Apple hat sich erneut gegen eine verpflichtende EU-Vorgabe zur Vereinheitlichung von Ladegeräten und Ladekabeln für Smartphones ausgesprochen: Eine Regulierung würde Innovationen bremsen, der Umwelt schaden und Kunden «grosse Unannehmlichkeiten» bereiten.

Eine gesetzliche Vorgabe könnte laut Apple dazu führen, dass mit jedem Gerät «unnötige Kabel und Adapter» mitgeliefert werden oder dass die bestehenden Ladekabel auf einen Schlag «obsolet» werden. (oli)

Allerdings könnte Apple bald doch noch einlenken und sich dem allgemeinen Trend in der Smartphone-Branche fügen. Gerüchten zufolge soll das nächste iPhone einen USB-C-Anschluss haben. EU-Kommissarin Margrethe Vestager hatte bereits im vergangenen Jahr mit rechtlichen Schritten gedroht, wenn die Hersteller das Ladekabel-Chaos nicht bald freiwillig beenden. Dann könnte die EU doch noch einen verbindlichen Standard für Smartphones einführen.

Doch selbst wenn Apple und alle anderen demnächst geschlossen auf USB-C umsteigen, bleiben die alten Geräte weiterhin im Umlauf. Ohne Adapter und Kabelsalat wird es also auf absehbare Zeit auch weiterhin nicht gehen.

Verwendete Quellen:

(str/t-online.de)

80 Rappen inklusiv Versand für ein Ladekabel aus China

Video: watson/Lya Saxer

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