DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Pope Francis shakes hands with Facebook CEO Mark Zuckerberg during a meeting at the Vatican August 29, 2016. Osservatore Romano/Handout via Reuters ATTENTION EDITORS - THIS IMAGE WAS PROVIDED BY A THIRD PARTY. EDITORIAL USE ONLY. NO RESALES. NO ARCHIVE.

Mark Zuckerberg beim Papst: Der oberste Katholik kann ihm nicht beim Fake-News-Problem helfen. Bild: OSSERVATORE ROMANO/REUTERS

Facebook lügt? Diese Studenten bieten ein einfaches Gegenmittel

Dass Facebook eine Propaganda-Schleuder ist, wissen wir alle. Nur Mark Zuckerberg will es nicht zugeben. Nun entwickeln junge Leute eine Software zur Selbsthilfe. Und auch im Unternehmen brodelt es.



«Lets stop living a lie.»

Unter diesem Motto haben vier Teenager eine Software entwickelt, die bei Facebook «Fake-News» aufspürt.

Entstanden ist die Erweiterung für den Chrome-Browser anlässlich eines Hackathons in Princeton. Also anlässlich eines Programmierwettbewerbs für junge schlaue Köpfe.

Wie Business Insider berichtet, haben die Studenten das Fake-News-Problem in nur 36 Stunden gelöst. Ein Problem wohlgemerkt, dass der Facebook-Gründer nicht wahrhaben will – oder dies zumindest nicht öffentlich zugibt ...

Laut Mark Zuckerberg machen Fake-News nur einen verschwindend kleinen Anteil an den über sein Online-Netzwerk verbreiteten Inhalten aus. Und er verneint auch gleich, dass Facebook die US-Wahlen beeinflusst habe.

Bild

bild: imgflip

Böse Zungen werden erwidern, dass sich auch der Facebook-Chef in einer «Filter Bubble» bewegt. Dass er also gar nicht mitbekommt, was ausserhalb seiner ganz persönlichen Nachrichten-Blase im schlimmsten Wahlkampf aller Zeiten an Horror-Storys und Ammenmärchen kursierte.

Die ungemütliche Wahrheit

Die unheimliche Dynamik der Fake-News dürfte den 32-jährigen Milliardär aus dem Silicon Valley nicht mehr ruhig schlafen lassen. Seine eigenen Angestellten sind sich jedenfalls einig, dass ein massives Fake-News-Problem besteht.

Wie Buzzfeed berichtet, wurde eine inoffizielle Gruppe gegründet, um gegen die fragwürdige Haltung des Chefs anzukämpfen. Aus diesem Umfeld wird auch kolportiert, dass Zuckerberg sehr wohl wisse, dass die Verbreitung von falschen Informationen aus dem Ruder gelaufen sei.

Offenbar rumort es gewaltig hinter den Kulissen des Social-Media-Giganten. Besorgte Mitarbeiter tun ihren Ärger kund. Allerdings nur anonym oder hinter vorgehaltener Hand.

US-Medien wollen erfahren haben, dass Facebook selber auch schon einen Fake-News-Detektor entwickelt hat, aber ...

«Seit Monaten wird bereits über das Problem der Fake-News bei Facebook debattiert. Dabei könnten die US-Amerikaner längst etwas gegen die Hoax-Postings unternommen haben. Wie Gizmodo berichtet, entwickelten die Techniker des Netzwerkes bereits von einiger Zeit einen entsprechenden Detektor, der die falschen Nachrichten aufspüren könnte. Allerdings habe sich das Management des Web-Riesen gegen den Einsatz des Tools entschieden, weil man Angst vor massiver Kritik, vor allem aus konservativen Kreisen gehabt hätte.»

Wie am Dienstag bekannt wurde, wollen Facebook und Google als grosse Werbeplatz-Verkäufer den Profiteuren von Fake-News den Geldhahn zudrehen. Dies will man erreichen, indem Facebook-Seiten, die falsche Inhalte verbreiten, aus den Werbeplattformen rausgeworfen werden. 

Schlaues Chrome-Plugin

Während sich die Facebook-Führung windet, sind die Studierenden der Computerwissenschaft aus Princeton zur Tat geschritten. Sie haben ihren Fake-News-Detektor als Open-Source-Projekt im Internet veröffentlicht. Und sie hoffen, dass ihre Arbeit weitergeführt wird, so dass der schlaue Algorithmus später auch für andere Dienste zur Verfügung steht.

Zunächst soll «FiB» als kostenlose Erweiterung für den Chrome-Browser von Google angeboten werden. Noch gibt es das Tool nur als GitHub-Projekt, die Installation ist aber einfach ...

Bild

screenshot: devpost.com

Zur Funktionsweise: Das Browser-Plugin prüft Facebook-Inhalte auf ihre Authentizität, dazu werden Schlüsselwörter, Internet-Adressen und Bilder ausgewertet. Wenn die Prüfung positiv verläuft, wird oben links «verified» angezeigt.

Tagi-Story? Authentisch

Bild

screenshot: watson

Auch diese watson-Story wird als authentisch erkannt ...

Bild

screenshot: watson

Falls hingegen öfters «not verified» auftaucht, stimmt etwas nicht

Bild

screenshot: business insider

Weil das Plugin die Fake-News nicht aus dem Newsfeed entfernen kann, ist es nur eine Zwischenlösung. Facebook selbst müsste gemeldete Inhalte prüfen und umgehend löschen – nur so liesse sich die Verbreitung spürbar eindämmen.

Ironie der Geschichte: Zu den Sponsoren, die den Hackathon in Princeton ermöglicht haben, gehört Facebook.

In this Tuesday, Sept. 20, 2016, photo, Facebook CEO Mark Zuckerberg speaks with his wife, Priscilla Chan, as they prepare for a presentation in San Francisco. Zuckerberg and Chan have a new lofty goal: to cure, manage or eradicate all disease by the end of this century. To this end, the Chan Zuckerberg Initiative, the couple's philanthropic organization, is committing significant financial resources over the next decade to help accelerate basic science research. (AP Photo/Jeff Chiu)

Zuckerberg mit Gattin Priscilla: Der Facebook-Chef inszeniert sich lieber als Wohltäter, als über die Verbreitung von Fake-News zu reden. Bild: Jeff Chiu/AP/KEYSTONE

Melden bringt nichts?

Beim mächtigen Social-Media-Unternehmen scheint man die Problematik verschlafen zu haben, respektive die negativen Auswirkungen zu unterschätzen.

Zwei Angestellte erzählten BuzzFeed unter Zusicherung von Anonymität, dass das Top-Management auf interne Kritik nicht angemessen reagiert habe. Wenn Facebook-User Fake-News meldeten, werde häufig nicht gleich reagiert, als wenn es um andere problematische Inhalte gehe. Dadurch würden Falschmeldungen spät oder gar nicht gelöscht.

Meldest du Facebook offensichtliche Fake-News?

Welche Erfahrungen hast du mit dem Melden von Fake-News gemacht? Wurden Falschmeldungen schnell gelöscht?

Wie Apple, Google und Facebook entscheiden, was wir lesen – und was nicht

Jetzt kannst du News direkt auf Facebook lesen. 8 Gründe, warum dies mehr Spass macht als auf Newsportalen – und 8 Gründe, warum das stinkt​

Link zum Artikel

Die digitale Medienrevolution hat erst gerade begonnen und das sind die 3 wichtigsten Trends

Link zum Artikel

Darum muss Google zerschlagen werden

Link zum Artikel

Facebook macht jetzt Journalismus: Warum wir uns der Realität nicht verweigern können

Link zum Artikel

Was Facebook alles so zensiert

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Interview

«Über Social Media tragen Rechtsextreme ihre Ideologien in die Mitte der Gesellschaft»

Andre Wolf ist Faktenchecker bei der österreichischen Rechercheplattform Mimikama. In seinem Buch «Angriff auf die Demokratie» schreibt er über die Gefahren rechtsextremer Netzwerke, die das Internet unterwandern.

Herr Wolf, in Ihrem Buch schreiben Sie, dass seit Beginn der Pandemie intensiver Fake News verbreitet werden und der Hass im Netz zugenommen haben. Warum?Andre Wolf: Dieses Phänomen kann man immer dann beobachten, wenn etwas passiert, das viele Menschen betrifft und das Thema stark medial aufgegriffen wird. Im Fahrwasser der Berichterstattung tauchen dann viele Falschmeldungen auf. Das passierte schon 2015 bei der Flüchtlingskrise. Oder immer, wenn es islamistisch-motivierte Terroranschläge …

Artikel lesen
Link zum Artikel