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epa07847694 Amnesty International Secretary General Kumi Naidoo speaks during a program to award Swedish climate activist Greta Thunberg with Amnesty International's Ambassador of Conscience award at George Washington University in Washington, DC, USA, 16 September 2019. Thunberg is scheduled to attend the United Nations Climate Action Summit in New York City.  EPA/ERIK S. LESSER

Kumi Naidoo, Generalsekretär von Amnesty International, findet deutliche Worte. Bild: EPA

Facebook und Google sind eine «beispiellose Gefahr», warnt Amnesty International

Die Menschenrechtsorganisation knöpft sich im Bericht «Surveillance Giants» die amerikanischen Tech-Unternehmen mit dem grössten Datenhunger vor.



In den Augen von Amnesty International (AI) stellt die allgegenwärtige Überwachung von Milliarden Menschen durch Facebook und Google eine Bedrohung für die Menschenrechte dar. Die weltweit tätige NGO fordert einen radikalen Umbau der Geschäftsmodelle der Tech-Giganten.

Wo ist das Problem?

Bild

In einem neu veröffentlichten Amnesty-Bericht mit dem Titel «Surveillance Giants» heisst es, dass das auf Überwachung basierende Geschäftsmodell von Facebook und Google unvereinbar sei mit dem Recht auf Privatsphäre.

Fundamental bedroht seien auch die Rechte auf Meinungs- und Gedankenfreiheit sowie das Recht auf Gleichberechtigung und Nichtdiskriminierung.

Kumi Naidoo, internationaler Generalsekretär von AI, lässt sich in einer Medienmitteilung vom Donnerstag mit scharfen Worten zitieren:

«Google und Facebook dominieren unseren modernen Alltag. Sie reissen in nie dagewesener Weise die Macht über die digitale Welt an sich, indem sie die persönlichen Daten von Milliarden Menschen sammeln und monetarisieren.»

Kumi Naidoo, Amnesty International

Um im digitalen Zeitalter die menschlichen Grundwerte zu schützen, also Würde, Selbstbestimmung und Privatsphäre, brauche es einen radikalen Wandel in der Arbeitsweise der Tech-Giganten und ein Internet, dessen zentraler Algorithmus die Menschenrechte seien.

«Wir monetarisieren nicht die Dinge, die wir erschaffen ... wir monetarisieren die Nutzer.»

Andy Rubin, Android-Co-Gründer

Google und Facebook dominierten mittlerweile diejenigen Kanäle, die in den meisten Teilen der Welt – bis auf China – für die Wahrnehmung unserer Rechte im Internet wichtig geworden sind.

«Das Internet ist für die Wahrnehmung zahlreicher Rechte unentbehrlich geworden, und Milliarden von Menschen haben keine wirklich andere Wahl, als diesen öffentlichen Raum zu den von Facebook und Google vorgegebenen Bedingungen zu nutzen.»

Kumi Naidoo, Amnesty International

Was sind die grössten Risiken?

Die Plattformen von Google und Facebook basierten auf algorithmischen Systemen, die riesige Datenmengen verarbeiten, um daraus enorm detaillierte persönliche Merkmale abzuleiten und die Nutzererfahrung im Internet zu gestalten. Facebook und Google würden dann von Werbetreibenden dafür bezahlt, dass diese die User, bzw. Kunden, mit massgeschneiderten Werbebotschaften versorgen.

Der Skandal um Cambridge Analytica habe aufgezeigt, wie leicht persönliche User-Daten auf unerwartete Weise für Manipulation und Beeinflussung missbraucht werden können.

«Wir haben bereits die Erfahrung gemacht, dass das ausgefeilte Werbegerüst von Google und Facebook in den falschen Händen eine gefährliche Waffe sein kann. Es kann nicht nur zu politischen Zwecken missbraucht werden, mit potenziell katastrophalen gesellschaftlichen Folgen, sondern ermöglicht auch zahlreiche ausbeuterische Werbetaktiken, z.B. wenn Menschen ins Visier genommen werden, die an einer Sucht oder Krankheit leiden oder psychische Probleme haben.»

Facebook und Google streiten die Erkenntnisse des Amnesty-Berichts ab. Die Reaktionen der Unternehmen sind im Bericht Surveillance Giants enthalten.

«Wir wissen, wo du bist. Wir wissen, wo du warst. Wir können mehr oder weniger genau wissen, woran du denkst.»

Eric Schmidt, früherer Google-Chef, 2010

Was ist mit den anderen Tech-Giganten?

Andere grosse Technologie-Unternehmen wie Apple, Amazon und Microsoft verfügten zwar in bestimmten Bereichen ebenfalls über erheblichen Einfluss, heisst es weiter in dem Amnesty-Bericht. Doch die von Facebook und Google kontrollierten Plattformen seien diejenigen, die für den menschlichen Austausch unverzichtbar geworden seien.

Regierungen müssen laut AI dringend Massnahmen ergreifen, um das auf Überwachung basierende Geschäftsmodell umzukrempeln und die Menschen vor Menschenrechtsverstössen durch Konzerne zu schützen.

Wie ist das Internet zu retten?

Regierungen müssen laut Amnesty International dringend Massnahmen ergreifen, um das auf Überwachung basierende Geschäftsmodell umzukrempeln «und uns vor Menschenrechtsverstössen durch Konzerne zu schützen».

Hierzu brauche es unter anderem die Durchsetzung solider Datenschutzgesetze und eine wirksame und menschenrechtskonforme Regulierung der grossen Tech-Konzerne.

Unternehmen wie Google und Facebook sollte verboten werden, den Zugang zu ihren Diensten von der Einwilligung der User abhängig zu machen: Bekanntlich müssen sie der Erhebung, Verarbeitung und Weitergabe persönlicher Daten für Marketing- oder Werbezwecke zustimmen.

Ausserdem seien Google und Co. in die Pflicht zu nehmen, die Menschenrechte zu achten, ungeachtet ihres Standortes oder Betriebsmodells.

«Wir müssen nun dringend diesen wichtigen öffentlichen Raum für alle zurückerobern und nicht nur für eine Handvoll Firmen im Silicon Valley, die niemandem Rechenschaft schuldig sind.»

Kumi Naidoo, Amnesty International

(dsc/sda)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Score 21.11.2019 13:08
    Highlight Highlight Ich sage das immer wieder. Es braucht ein Verbot des Handels mit Persönlichen Daten. Das muss Grundsätzlich verboten werden. Klar ist das ein grosser Einschnitt für viele Firmen, aber das ist aus dem Ruder gelaufen. Ich will wieder auf dem Internet Surfen können und mich im Internet bewegen können ohne das alles von mir aufgezeichnet und dann weiterverkauft wird. Solange solche Daten nur von einer Homepage selber anonym gesammelt werden ist das ok. Das Gefährliche ist, wenn mit diesen Daten Geld gemacht werden kann...
  • R4ZKO 21.11.2019 10:51
    Highlight Highlight Dieser Beitrag wurde gelöscht. Bitte formuliere deine Kritik sachlich und beachte die Kommentarregeln.
  • Salamikönig 21.11.2019 09:38
    Highlight Highlight Der Staat hat gar kein Interesse daran, die Überwachung einzuschränken, da er selbst davon profitiert. Die USA zumindest...
  • Bin nur wegen der Kommentare hier 21.11.2019 09:34
    Highlight Highlight «Wir wissen, wo du bist. Wir wissen, wo du warst. Wir können mehr oder weniger genau wissen, woran du denkst.»

    Dafür, dass ich ausschliesslich an Dosenbier, Tiefkühlpizza und schlechten Sex denke, finde ich die erwähnten Aufwände, meine Existenz auszuhorchen, leicht übermotiviert
  • landre 21.11.2019 08:46
    Highlight Highlight Amnesty International, usw. Und wir als Gesellschaft debattieren hauptsächlich in Bezug auf Individuum bzw. Privatperson.

    Wie steht es aber mit den juristischen Personen und Institutionen? (Diese benutzen ja auch das Internet...)
    • Ueli der Knecht 21.11.2019 14:13
      Highlight Highlight Wirtschaftsspionage...

      woher denkst du, hatten die Amis die Bankdaten der steuerflüchtigen US-Bürger?

      Wohl kaum von Bradley Birkenfeld, wie sie uns das glauben machen wollen.

      Keine Firma, die Microsoft-, Apple- oder Google-Produkte benutzt, kann ihre Geschäftsgeheimnisse noch schützen. Sie sind alle offene Bücher.
  • *sharky* 21.11.2019 08:41
    Highlight Highlight Eine Frage an die 'Cracks' bezüglich dem Einsatz der Suchmaschinen aka googeln.
    Habe sowohl zeitweise DuckDuckGo als auch Ecosia eingesetzt, nur war ich mit der Darstellung der Resultate, Zeitstempel etc. pp nie richtig happy.
    Ein Plus ist bei der Suche nach von 'Digital Rights' auf Google aussortierten Ergebnissen, diese findet man oft noch mit alternativen Suchmaschinen.
    Natürlich würde ich diese sehr gerne permanent einsetzen, wenn sie mir nur in etwa ein ähnliches Look and Feel wie Google bieten würden.

    Any Idea?

    P.S. Setze natürlich die gängigen Blocker ein, ist aber ein anderes Thema
    • Ueli der Knecht 21.11.2019 14:16
      Highlight Highlight http://startpage.com benutzt (offiziell und anonymisiert) Google als Suchmaschine, aber (nach eigenen Angaben) ohne deine Daten zu tracken.
      https://de.wikipedia.org/wiki/Startpage
    • *sharky* 21.11.2019 15:44
      Highlight Highlight Thx, klingt sehr vielversprechend, werde es sehr gerne testen!

      P.S. Ixquick, also quasi gleiche Küche, ist mir ein Begriff.
    • The Destiny // Team Telegram 22.11.2019 06:22
      Highlight Highlight Achtung, Startpage wurde an ein Werbeunternehmen verkauft!
      Da kann man gleich Google "vertrauen".
  • Tomlate 21.11.2019 07:55
    Highlight Highlight Und als Nächstes lese ich das in der NZZ:
    «Facebook ist phantastisch für die Demokratie»: https://www.nzz.ch/feuilleton/michal-kosinski-facebook-ist-phantastisch-fuer-die-demokratie-ld.1520699?mktcid=smsh&mktcval=OS%20Share%20Hub
    • Triumvir 21.11.2019 08:54
      Highlight Highlight Danke für diesen Link. So, so, der in Stanford lehrende Psychologieprofessor Michal Kosinski fordert also, dass wir uns endlich von der Privatsphäre verabschieden sollen. Kann er gerne machen, wenn das so für ihn stimmt. Für mich kommt das aber nicht im Traum in Frage. Für die Amis wäre das natürlich toll und ihre feuchten Träume würden endlich wahr werden....
    • Calm 21.11.2019 09:08
      Highlight Highlight Ich finde die Aussagen von Herrn Kosinski interessant und diskussionswürdig. Besser, wir sitzen im driver seat, als Konzerne. Auch schon nur im Hinblick auf China. Ich bin schon länger der Ansicht, dass China mit seiner Wirtschaftsstrategie gaaaanz bestimmt kein freundliches Takeover des Westens anstrebt.
    • Ueli der Knecht 21.11.2019 14:20
      Highlight Highlight "Ich bin schon länger der Ansicht, dass China mit seiner Wirtschaftsstrategie gaaaanz bestimmt kein freundliches Takeover des Westens anstrebt."

      Warum denn nicht?

      Aus ökonomischer Sicht ist ein "freundliches Takeover" sehr viel biliger und erst noch nachhaltiger als eine gewalttätige Übernahme.

      Eine unfreundliche Übernahme macht so gut wie überhaupt keinen Sinn. Das kostet nur viel Geld und Ressourcen.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Tabula23 21.11.2019 07:35
    Highlight Highlight Es gibt schon Lösungen und wir selbst haben es in der Hand.

    Browser wie brave.com blockieren jegliche Werbung und geben die Macht der Daten wieder zurück an die Nutzer welche selbst bestimmen können, ob sie Werbung sehen wollen oder nicht. Wenn sie Werbung akzeptieren, dann profitieren sie direkt und erhalten Geld womit sie wiederum die Seiten unterstützen können, welche den Inhalt produzieren. So einfach wäre das.
    • The Destiny // Team Telegram 21.11.2019 17:33
      Highlight Highlight Hat Brave auch Add-ons?
    • The Destiny // Team Telegram 21.11.2019 22:07
      Highlight Highlight @Delta, also auch mit Firefox Add-ons?
  • Locutus70 21.11.2019 06:13
    Highlight Highlight Ich teile den Bericht in der Analyse, nicht aber in der pauschalen Schuldzuweisung und auch nicht in den zu ergreifenden Maßnahmen:

    1. Es ist ein natürlich ein Unding, das Facebook mit Instagram und WhatsApp über die Marktmacht im Social Media Bereich verfügt. Ähnlich verhält es sich mit Android und Youtube bei Google. Allerdings sollte man ja nicht vergessen, das diese Portale von den Entwicklern/Eigentümern freiwillig verkauft wurden.

    2. Irgendwann Ende der 1990er Jahren hat das mal mit "Gratis" angefangen - das ganze Netz gab es auf einmal nur noch gratis. Und die User haben gejubelt.
  • Lustiger Baum 21.11.2019 05:36
    Highlight Highlight Daten sind das wichtigste und wertvollste Gut dieser Welt. Kein Gesetzt der Welt ändert die Tatsache, dass die Daten dem Eigentümer „entrissen“ werden. Solange nicht ich meine Daten selbst besitzte und verlange, ändert sich leider nichts. Die Technologie dafür existiert bereits und nennt sich Blockchain. Es braucht aber noch Zeit um schnell genug zu werden. Ein guter Anfang ist es den Brave Browser zu verwenden.
  • ❤️-Blitz 21.11.2019 05:24
    Highlight Highlight Dieser Artikel zeigt wie wichtig Wikipedia und seine Unabhängigkeit ist. Ich werde nächsten Monat erstmals spenden – an Wikipedia (Sobald die 3. Steuerrate beglichen ist).
    • Tabula23 21.11.2019 07:37
      Highlight Highlight Ohne Werbung funktioniert das Internet nicht. Aber die Rechte auf Daten der Nutzer sollten wieder zurück an deren Eigentümer gelangen. Und dafür gibt es bereits Lösungen. Brave.com welche unter anderem auch mit Wikipedia zusammenarbeiten.
    • The Destiny // Team Telegram 21.11.2019 08:10
      Highlight Highlight Wikipedia ist nicht mehr was es einmal war. Gewisse Admins missbrauchen schamlos ihre Macht und du kannst praktisch nichts dagegen machen.
    • Score 21.11.2019 13:05
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