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Mit mehreren hundert Millionen Fans im Rücken will Epic Games die umstrittenen App-Store-Regeln aufbrechen.

Apple und Google werfen «Fortnite» aus den App-Stores – es geht um viel mehr als ein Game

Epic Games, der Entwickler des populären Online-Spiels «Fortnite», legt sich mit Apple und Google an. Die Rebellion des Game-Giganten könnte die beiden Tech-Riesen in Schwierigkeiten bringen.



Apple und Google haben das extrem populäre Online-Game «Fortnite» aus ihren App-Stores verbannt. Zuvor führte die Entwicklerfirma Epic Games am Donnerstag die Möglichkeit ein, Game-Inhalte über ein eigenes Bezahl-System günstiger zu kaufen als über die App-Stores von Apple und Google. Der tiefere Preis ist möglich, weil Apple und Google für sogenannte In-App-Käufe 30 Prozent Provision verlangen. Epic Games will die Gebühr umgehen und gibt den tieferen Preis an die Kunden weiter.

Konkret möchte Epic den Gamern die Wahl lassen, ob sie Game-Inhalte über die App-Stores von Apple und Google oder günstiger direkt bei Epic beziehen wollen. Damit fordert Epic Google und insbesondere den iPhone-Konzern heraus, der besonders strikte App-Store-Regeln kennt.

Die Reaktion kam prompt: «Fortnite» verschwand sofort aus dem App Store für Apples Mobil-Geräte. Epic konterte umgehend mit einer Klage.

In der Nacht auf Freitag entschied sich auch Google «Fortnite» aus dem Play Store zu entfernen, da Epic die Geschäftsbedingungen verletze.

Apple und Google stellen sich auf den Standpunkt, dass jeder Game-Anbieter die Abgabe von 30 Prozent bezahlen müsse. Google betont aber, dass Epic das Spiel «Fortnite» weiterhin über die eigene Webseite oder alternative App-Stores für Android anbieten könnte. Beispielsweise können Nutzer eines Samsung-Smartphones «Fortnite» im Webbrowser direkt bei Epic Games oder über den Galaxy Store beziehen.

Apple-Nutzer haben momentan keine Möglichkeit mehr, das Spiel herunterzuladen, da es bei iOS ein App-Store-Monopol gibt. Apps und Games müssen zwingend über Apples App-Store bezogen werden.

Wer das Spiel bereits auf dem iPhone oder iPad installiert hat, kann es vorderhand weiter spielen, wird aber keinen Zugang zu neuen Inhalten haben, schreibt Epic Games.

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Wer heute Samsungs Galaxy Store öffnet, bekommt gross «Fortnite» präsentiert.

Rebellion gegen App-Store-Monopol

Epic wird mit dem Vorstoss vom Donnerstag zum Wortführer einer regelrechten Rebellion von App-Entwicklern. Kleine App-Entwickler beschweren sich seit Jahren über die ihrer Meinung nach überrissene Gebühr von 30 Prozent. Apple und Google haben im Mobile-Markt zusammen ein Duopol und können die Gebühren diktieren.

«Epic Games hat dem App Store Monopol getrotzt. Als Vergeltungsmassnahme blockiert Apple ‹Fortnite› auf einer Milliarde Geräte.»

Epic Games

Epic lässt die Nutzer, die auf iPhones und iPads spielen, wissen, dass ihnen – selbst wenn sie die App schon auf ihren Geräten haben – neue Inhalte von «Fortnite» verwehrt blieben. Der Game-Entwickler ruft die Kunden zudem dazu auf, sich beim Apple-Konzern mit dem Hashtag #FreeFortnite zu beschweren. Fortnite wird nach Angaben von Epic von mehr als 350 Millionen Spielern genutzt.

Epic war gut auf den Showdown vorbereitet. Die Firma hatte nicht nur schnell eine gut 60-seitige Klage parat, sondern auch ein Video, das einen legendären Werbeclip des Apfel-Konzerns aus dem Jahr parodierte. In «1984» hatte Apple in Anlehnung an George Orwells gleichnamiges Buch das Aufbegehren gegen eine totalitäre Welt dargestellt.

Epic trifft Apples und Googles wunden Punkt

Bei dem Streit geht es im Kern um die 30 Prozent vom Preis, die Apple und Google bei In-App-Käufen einbehalten. Schon seit einiger Zeit gibt es Kritik an der Höhe der Abgabe – und auch daran, dass die Entwickler bei In-App-Käufen keine alternativen Bezahlwege anbieten können. Der Musikdienst Spotify reichte deswegen gegen Apple Beschwerde bei den Wettbewerbshütern der EU-Kommission ein. Im Juni startete die EU zwei Kartellverfahren gegen Apple. Auch in den USA läuft eine Voruntersuchung gegen Apple. Der Verdacht: Apple nutze seine Marktmacht aus und verzerre so den Wettbewerb.

Mit Epic probt nun ein Gigant den Aufstand. Für Apple und Google könnte dies zum Problem werden, da Epic den seit Jahren schwelenden Gebührenstreit eskalieren lässt und somit öffentlich macht. Für Politiker lohnt es sich nun umso mehr, die beiden Tech-Riesen in die Mangel zu nehmen und sich den Wählern so als Konsumentenschützer zu präsentieren. Ungemütlich dürfte es vor allem für Apple werden, da der iPhone-Konzern, anders als Google, keine App-Stores anderer Anbieter zulässt.

Epic-Chef Tim Sweeney hat schon 2018 gefordert, dass sich bei den Gebühren etwas ändern müsse. «Apple, Google und Android-Hersteller machen enorme Gewinne aus dem Verkauf ihrer Geräte und rechtfertigen in keiner Weise die Gebühr von 30 Prozent.» Epic Games hat auf dem PC selbst einen Game-Store und erhebt dort eine Abgabe von 12 Prozent.

Apple verweist darauf, dass Epic gegen die App-Store-Regeln verstossen habe. «Sie gelten gleichermassen für jeden Entwickler und dienen dazu, den Store sicher für unsere Nutzer zu halten.» Epic habe die neue Funktion mit der Absicht eingeführt, die Richtlinien zu verletzen.

Apple verweist stets darauf, dass mit der Vorgabe, die In-App-Käufe über das System der Plattform abwickeln zu müssen, die Kunden vor Betrug geschützt würden. Zugleich ist es aber einigen Abo-Diensten wie etwa Netflix erlaubt, Verträge mit Nutzern auf ihren eigenen Websites abzuschliessen. Diese Nutzer können sich dann auf ihren iPhones und iPads einloggen – und für die Anbieter wird keine Abgabe an Apple fällig.

Da Apple in den USA wegen seiner umstrittenen App-Store-Regeln im Juli bei einer Anhörung im US-Kongress Auskunft geben musste, wurde publik, dass Apple für besonders wichtige App-Entwickler Ausnahmen macht. Demnach handelten Apple und Amazon 2016 einen Deal aus, der besagt, dass Amazon für seinen Videostreaming-Dienst Amazon Prime Video nur 15 Prozent abgeben muss. Das ist Wasser auf die Mühlen der EU-Wettbewerbshüter, die Apple und Google im Verdacht haben, App-Entwickler ungleich zu behandeln.

Apple vs. Game-Streaming-Anbieter

Bereits letzte Woche geriet Apple in die Schlagzeilen, weil man Microsoft verweigert, seinen neuen Game-Streaming-Dienst xCloud auf iOS-Geräte zu bringen. Das Ausführen von Spielen, die auf einem Cloud-Server liegen und anschliessend auf das Endgerät (iPhone oder iPad) gestreamt werden, sei nicht gestattet. Somit sind vorerst auch andere Game-Streaming-Dienste, etwa Googles Stadia, auf Apple-Geräten untersagt.

Apple selbst bietet mit «Apple Arcade» ein rivalisierendes Gaming-Abo an. Microsoft reagierte ungewohnt harsch und schrieb: «Apple ist der einzige Anbieter, der Konsumenten Cloud-Gaming- und Spieleabonnementdienste wie Xbox Game Pass verweigert.» Auch Epic-Chef Sweeney kommentierte Apples Entscheidung auf Twitter.

Im Fall Apple gegen Game-Streaming-Anbieter wie Microsoft und Google könnten die Wettbewerbshüter und schliesslich die Richter das letzte Wort haben. Bis zu einer Entscheidung dürften Jahre verstreichen.

Mit Material der Nachrichtenagenturen SDA und DPA.

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