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Huawei-Boss kauft seiner Familie iPhones – und Analysten sehen schwarz

Die US-Sanktionen könnten schwerwiegende Folgen für den chinesischen Smartphone-Hersteller haben. Doch den Firmengründer lässt das scheinbar kalt.
25.05.2019, 07:53

Während sich der Handelskonflikt zwischen China und den USA diese Woche weiter zuspitzte, schien ein wichtiger Akteur nicht wirklich geschockt zu sein. Im Gegenteil.

Huawei-Gründer Ren Zhengfei outete sich in einem Interview mit der «South China Morning Post» überraschend als Liebhaber von Apple-Produkten und liess zum Erstaunen vieler verlauten, er habe seiner Familie iPhones gekauft.

Seine Begründung:

«Das iPhone hat ein gutes Ökosystem und wenn meine Familie ausser Landes ist, kaufe ich ihnen immer noch iPhones, also sollte man nicht engstirnigerweise denken, Huawei zu lieben, heisst auch Huawei-Handys zu lieben.»

Sein Beweggrund: unklar.

Zhengfei, 75, Multimillionär.
Zhengfei, 75, Multimillionär.
archivBild: AP

Fakt ist: Die Chinesen lieben Huawei.

Fakt ist auch: In der Volksrepublik mit ihren 1,4 Milliarden Einwohner überbordet gerade der Nationalismus.

«Die Ära von 5G ist angebrochen. Huawei hat viel mehr Spitzentechnologien als Apple.»
Chinesischer Start-up-Gründer
quelle: scmp.com

Immer lauter und energischer werden die Stimmen, die fordern, das US-Unternehmen Apple zu boykottieren, um damit auf die US-Sanktionen gegen Huawei zu reagieren.

Auf das staatsnahe chinesische Vorzeigeunternehmen, das sich gerade aufmachen wollte, den Smartphone-Weltmarktführer Samsung zu entthronen, kommen brutal-schwierige Zeiten zu. Falls keine gütliche Einigung gefunden wird mit dem zornigen weissen Mann im Weissen Haus.

Tschüss Europa?

Das Geschäftsverbot für Huawei in den USA hat nach Ansicht von Analysten schwerwiegende Folgen für den chinesischen Netzwerkausrüster und Handyhersteller.

Die Smartphone-Auslieferungen des Konzerns könnten in diesem Jahr um bis zu 24 Prozent zurückgehen, wenn die US-Blockade nicht aufgehoben werde. Dies prognostizieren Analysten der beiden Forschungsinstitute Fubon Research und Strategy Analytics am Freitag.

«Huawei könnte über kurz oder lang aus dem westeuropäischen Markt verschwinden, wenn es den Zugang zu Google verliert.»
Linda Sui, Strategy Analytics

Andere Finanzexperten rechnen in den kommenden sechs Monaten ebenfalls mit starken Einbrüchen, scheuen vor konkreten Prognosen aber zurück, da die Unsicherheiten rund um das Geschäftsverbot zu gross seien.

Studien des Branchendienstes IDC zufolge hat Huawei am globalen Smartphone-Markt einen Anteil von 30 Prozent und lieferte 2018 rund 208 Millionen Smartphones aus. Die Hälfte davon ging in Länder ausserhalb Chinas. Wichtigste Region ist nach Angaben von Huawei Europa.

Huawei werde vermutlich dank der Grösse des heimischen Marktes überleben, heisst es.

Handyhersteller wie Samsung und Apple könnten die entstehende Lücke nach Ansicht der Experten schliessen. Zumindest was den Absatz ausserhalb Chinas betrifft.

Tim Cooks Goodwill-Touren

Der chinesische Nationalismus könnte die iPhone-Verkäufe im Reich der Mitte massiv beeinträchtigen. Gleichzeitig ist festzuhalten, dass Apple in den vergangenen Jahren wertvolle Aufbauarbeit geleistet hat in China.

Das US-Unternehmen unterstützt direkt oder indirekt rund 5 Millionen Arbeitsplätze in China, davon rund 1,8 Millionen über sein App-Store-Ökosystem (iOS), laut eigenen Angaben. Foxconn, der taiwanesische Zulieferer für Apple, unterhält zudem mehr als 1 Million Arbeitsplätze in China.

CEO Tim Cook reist immer wieder nach China und hat dort laut staatlichen Medien viel Goodwill aufgebaut. Im Namen des US-Unternehmens spendete er grosse Summe für das Wohlergehen von Kindern und die Linderung von Naturkatastrophen und investierte in lokale Unternehmen wie Didi Chuxing sowie Daten- und Forschungszentren.

Apple-Chef Tim Cook, mit Software-Entwicklern, vor dem Konfuzius-Tempel in Peking.
Apple-Chef Tim Cook, mit Software-Entwicklern, vor dem Konfuzius-Tempel in Peking.
archivBild: AP/Xinhua

Cook sei auch Mitglied des Beirates der höheren Wirtschafts- und Managementsschule der Tsinghua-Universität, bekannt als Wiege der chinesischen Wirtschaftspolitik.

Was dies dem iPhone-Hersteller im sich zuspitzenden globalen Wirtschaftskrieg der beiden Nationen bringt, werden die kommenden Quartalszahlen zeigen.

Die USA hatten Huawei vergangene Woche auf eine schwarze Liste gesetzt, die es US-Firmen untersagt, mit dem Unternehmen Geschäfte zu tätigen. US-Präsident Donald Trump wirft dem Konzern vor, dass mit seinen Produkten Spionage für den chinesischen Staat betrieben werden könne. Huawei hat das entschieden zurückgewiesen.

Mit Material der SDA

(dsc)

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