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Wer auf diese Tweets hereinfällt, unterstützt unbewusst ein umstrittenes Einbürgerungsgesetz. bild: boomlive

Netflix hat bereits den besten Tweet des Jahres – der Anlass ist leider erschreckend

In Indien wird Netflix von nationalistischen Hindus für eine politische Kampagne der rechtskonservativen Regierungspartei missbraucht. Der Streaming-Gigant schlägt mit einem perfekten Tweet zurück.



In Indien tobt eine Social-Media-Schlacht um ein neues, hoch umstrittenes Staatsbürgerschaftsgesetz. Mittendrin: Netflix.

Zunächst ein paar Hintergrundinformationen: Die Hindu-nationalistische Regierungspartei BJP von Premierminister Narendra Modi will mit einem neuen Einbürgerungsgesetz aus Pakistan oder Afghanistan geflohenen Hindus, Sikhs, Christen und Buddhisten die Einbürgerung erleichtern. Nicht in den Genuss der erleichterten Einbürgerung kommt eine andere Minderheit: Muslime. Die Regierung gibt vor, mit dem neuen Gesetz Minderheiten schützen zu wollen. Ausgerechnet verfolgte und unterdrückte muslimische Uiguren aus China oder muslimische Rohingya aus Myanmar werden davon jedoch ausgeschlossen.

Kritiker werfen der rechtskonservativen Regierung deshalb vor, das Gesetz sei Teil von Modis Kampagne, Indien in eine offenkundige Hindu-Nation bzw. einen Gottesstaat zu verwandeln. Seit Modis Amtsantritt im Jahr 2014 wurden beispielsweise Hunderte Politiker verhaftet, die keine Hindu-nationalistische Gesinnung haben. Viele Muslime, Studenten und Oppositionsparteien kritisieren, mit dem Gesetz würden erstmals Staatsbürgerschaft und Religion verknüpft, was gegen die indische Verfassung verstosse.

In den letzten Wochen haben Zehntausende Inder gegen das in ihren Augen diskriminierende Staatsbürgerschaftsgesetz demonstriert. Die Regierung legte darauf in Teilen das Landes temporär den ÖV sowie das Internet und das Mobilfunknetz lahm, um die Proteste einzudämmen.

Regierung lanciert Kampagne auf Twitter

Letzte Woche ging die Regierung in die Offensive und twitterte unter dem Hashtag #IndiaSupportsCAA (Indien unterstützt das Staatsbürgerschaftsgesetz)
eine Gratis-Telefonnummer. Bürger sollen diese Nummer wählen, um ihre Unterstützung für das Gesetz kundzutun. Die Nummer wurde auf Twitter auch vom indischen Innenminister Amit Shah geteilt.

Mit dieser Nummer wirbt die Regierung auf Twitter für ihr Einbürgerungsgesetz.

Fake-Tweets der Regierung?

Rasch darauf tauchten massenhaft Tweets auf, die Twitter-Nutzer mit vermeintlich verlockenden Angeboten zum Anrufen der Telefonnummer verleiten. Die Tweets geben beispielsweise vor, man erhalte mit einem Anruf ein Jobangebot, kostenloses mobiles Datenguthaben oder ein Gratis-Netflix-Abo, und sogar Sex mit «einsamen Frauen» wird in Aussicht gestellt.

Anhänger der Hindu-nationalistischen Regierungspartei verbreiten solche Tweets:

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Die gleiche Nummer wie im Tweet der Regierung, der für das Einbürgerungsgesetz wirbt. bild: twitter

Netflix hat die passende Antwort:

Auf Twitter behaupteten einige Nutzer, welche die Fake-Tweets abgesetzt hatten, es handle sich um einen Spass. Laut der indischen Organisation BoomLive, die regelmässig Fakes im Netz entlarvt, stecken hinter den Twitter-Konten regierungsnahe Twitter-Nutzer. Ob es sich um eine organisierte Kampagne der Regierungspartei handelt, ist nicht abschliessend geklärt. Fest steht: In Indien sind organisierte politische Kampagnen auf Twitter kein neues Phänomen. 2017 machte das Newsportal Buzzfeed publik, wie Hashtags bzw. Twitter-Trends in Indien für politische Kampagnen manipuliert werden.

Die indische Journalistin Rohini Singh kommentiert sarkastisch:

«Das erste Mal seit 70 Jahren, dass ein vom Parlament verabschiedetes Gesetz riesige Kundgebungen, Sex- und Jobangebote sowie Netflix-Abos braucht, um Unterstützung zu finden.»

Twitter hat inzwischen begonnen, die betrügerischen Tweets zu löschen.

(oli)

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quelle: netflix
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