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Facebook CEO Mark Zuckerberg appears before a House Financial Services Committee hearing on Capitol Hill in Washington, Wednesday, Oct. 23, 2019, on Facebook's impact on the financial services and housing sectors. (AP Photo/Andrew Harnik)
Mark Zuckerberg

Zuckerbergs einst loyale Mitarbeiter proben den Aufstand. Bild: AP

Facebook vs. Mark Zuckerberg: Die Rebellion der Mitarbeiter

Donald Trump giesst mit seinen Tweets zu den Protesten in den USA Öl ins Feuer. Twitter reagiert darauf, Facebook nicht. Nun rebellieren ranghohe Mitarbeiter offen gegen ihren Chef.



Facebook-Chef Mark Zuckerberg hat vor Mitarbeitern seine Entscheidung verteidigt, anders als Twitter nicht gegen eine umstrittene Äusserung von US-Präsident Donald Trump vorzugehen. Dieser hatte letzte Woche getwittert: «Wenn Plünderungen beginnen, wird geschossen.»

Der 36-Jährige Facebook-Chef stellte sich am Dienstag (Ortszeit) Fragen von Mitarbeitern per Videokonferenz. Er habe dabei unter anderem erklärt, dass die Androhung von Gewalt durch Regierungen von den Facebook-Regeln gedeckt, also erlaubt sei, berichtete die «New York Times» unter Berufung auf einen Mitschnitt der Unterhaltung.

Mitarbeiter widersprechen und streiken

In der internen Video-Unterhaltung hätten viele Beschäftigte die Entscheidung zu Trumps Äusserungen kritisiert, hiess es bei der «New York Times» und «The Verge». Ein Mitarbeiter sagte: «Die Geschichte wird über diesen Mangel an Rückgrat und die schwache Führung richten. Hassrede sollte niemals mit Redefreiheit verglichen werden». Ein anderer Mitarbeiter schrieb: «Vielleicht werden sich die Regeln ändern, wenn wir uns mitten in einem Rassenkrieg befinden.»

Eine der Fragen sei gewesen, warum so viele kluge Köpfe bei Facebook ein Auge zudrückten, um Trump nicht zu verärgern. Zuvor hatten mehrere Manager öffentlich erklärt, dass sie nicht mit dem Kurs einverstanden seien. Mindestens zwei Mitarbeiter kündigten aus Protest, mehrere andere drohten damit. Etwa 400 Angestellte beteiligten sich an einer «virtuellen Arbeitsniederlegung». Da sie im Homeoffice keine Büros verlassen mussten, weigerten sie sich einfach zu arbeiten und aktivierten Autoresponder, die auf den Protest hinweisen. Viele Mitarbeiter änderten ihre Social-Media-Icons in eine weisse Faust auf schwarzem Hintergrund.

Einige Angestellte veröffentlichten ihre Kritik auch auf Twitter, darunter Facebooks Chef-Designer Andrew Crow. Er schrieb: «Ich stimme mit Marks Einstellung nicht überein und werde mich dafür einsetzen, dass sich etwas ändert.»

Facebooks Chef-Designer Andrew Crow widerspricht seinem Chef öffentlich auf Twitter.

Produktdesigner Jason Stirman erklärte: «Ich bin ein Facebook-Mitarbeiter, der überhaupt nicht mit der Entscheidung von Mark einverstanden ist, nichts gegen Trumps jüngste Beiträge zu unternehmen, die ganz klar Gewalt anheizen. Ich bin damit nicht allein innerhalb von Facebook. Es gibt keine neutrale Position zu Rassismus

Ryan Freitas, der für das Design von Facebooks News Feed zuständig ist, schrieb auf Twitter: «Mark liegt falsch – und ich werde so laut wie möglich versuchen, ihn umzustimmen.»

Diese öffentliche Kritik der Mitarbeiter ist ein Novum. Bislang galten Facebook-Angestellte als sehr loyal, die kaum öffentlich Kritik üben.

Zuckerberg über Trumps Tweet: «Meine erste Reaktion war einfach nur Ekel»

Twitter versah Trumps umstrittenen Tweet mit einem Warnhinweis, weil er das Verbot von Gewaltverherrlichung auf der Plattform verletze. Zuvor schon hatte Twitter damit begonnen, Trumps Tweets einem Faktencheck zu unterziehen. Zuckerberg erklärte dagegen vergangene Woche, der Beitrag sei mit Facebooks Regeln vereinbar, auch wenn ihm persönlich solche «spaltende und aufwieglerische Rhetorik» widerstrebe. «Meine erste Reaktion war einfach nur Ekel», sagte er in einem Meeting mit Angestellten.

Tonaufnahmen davon wurden dem Tech-Portal The Verge zugespielt. Zuckerberg brachte dabei auch zum Ausdruck, dass er mit Trumps Verhalten nicht einverstanden ist. Trump verhalte sich gewiss nicht so, wie er sich sich von einem Staatschef während einer solchen Zeit vorstelle. «Dies ist ein Moment, in dem es Einheit, Ruhe und Einfühlungsvermögen für die Menschen braucht, die es schwer haben», sagte der Facebook-Chef.

Warum Zuckerberg Trumps Post trotzdem nicht löschen will

Auch wenn ihm Trumps Äusserungen nicht gefielen, «meine Verantwortung ist es, nicht nur persönlich zu reagieren, sondern als Chef einer Institution, die sich der Redefreiheit verschrieben hat», schrieb er in einem Facebook-Beitrag. Trumps Tweet gehe ihm gegen den Strich, verletze aber nicht die aktuellen Facebook-Regeln. Man werde die eigenen Regeln in Bezug auf Politiker, die über die Anwendung staatlicher Gewalt auf Facebook diskutieren, erneut überprüfen. Ein Prozess, der wahrscheinlich mehrere Wochen dauern werde.

Zuckerberg betonte im Weiteren, dass Beiträge, in denen zu Gewalt aufgerufen wird, von Facebook gelöscht werden, auch wenn sie von einem Politiker kommen. «Wir standen in Kontakt mit dem Weissen Haus, um diese Regel zu erklären», schrieb Zuckerberg.

Bei der Kontroverse geht es um einen Tweet von Trump, der auch auf dessen Facebook-Profil gespiegelt wurde. Darin reagierte der US-Präsident auf erste Ausschreitungen in Minneapolis nach dem Tod des Afroamerikaners George Floyd durch Polizeigewalt. Der Präsident schrieb, man werde die Kontrolle wiederherstellen, und fügte hinzu: «Wenn Plünderungen beginnen, wird geschossen» - «when the looting starts, the shooting starts». Der Satz ist ein historisch behaftetes Zitat. Mit diesen Worten hatte 1967 der damalige Polizeichef von Miami ein hartes Vorgehen gegen die schwarze Bevölkerung angekündigt.

Trump erklärte später zu seinem Beitrag, er habe lediglich darauf hinweisen wollen, dass bei Plünderungen auch Schüsse fallen könnten, der historische Kontext sei ihm nicht bekannt gewesen. Zuckerberg verwies auch auf diese Äusserungen, mit denen Trump eindeutig von Gewalt abgeraten habe. Aber auch beim ursprünglichen Beitrag habe sich Facebook gegen eine Löschung entschieden – aus Informationsgründen. «Wir denken, dass Menschen es wissen sollten, wenn die Regierung plant, Gewalt einzusetzen.»

Es sei ihm aber bewusst, dass viele Menschen unglücklich darüber seien, dass Trumps Aussagen nicht gelöscht wurden. Aber die Regeln, die Facebook bei dem Trump-Beitrag angewandt habe, sorgten auch dafür, dass das Video von Floyds Tod auf der Plattform bleibe, erklärte er der Technologiewebsite «The Verge» zufolge.

Zuckerberg: Facebook soll nicht entscheiden, was falsch und was richtig ist

Zuckerbergs erklärte Position ist, dass eine Plattform wie Facebook nicht entscheiden dürfe, was falsch und was richtig ist. Deshalb sind bei Facebook - anders als bei Twitter - Äusserungen von Politikern grundsätzlich von Faktenchecks ausgenommen.

Anders als Twitter will Zuckerberg Trumps umstrittene Posts auch nicht hinter einem Warnhinweis verbergen. Wenn ein Beitrag wirklich zu Gewalt aufrufe, habe er auch hinter einem Warnhinweis nichts zu suchen. Viele seiner Mitarbeiter sind mit dieser Argumentation nicht einverstanden. Twitter habe mit Faktenchecks und Warnhinweisen gezeigt, dass es mehr Optionen gebe als etwas unkommentiert stehen zu lassen oder zu löschen.

Aufgrund seiner Facebook-Aktien bzw. den Stimmrechten hat Zuckerberg die letzliche Kontrolle bei seinem Online-Netzwerk. Der öffentliche Aufstand zahlreicher Mitarbeiter, dem sich auch ranghohe Manager angeschossen haben, ist für ihn allerdings eine völlig neue Erfahrung. Bislang kam Kritik jeweils von aussen.

«Habe das Gefühl, Zuckerberg fehlt es am Verständnis für das Problem»

Zuckerberg sprach auch mit Vertretern einiger afroamerikanischer Organisationen, die sich danach kritisch über die Facebook-Position äusserten. So sagte der Präsident der Organisation Color of Change, Rashad Robinson, nach einer rund einstündigen Videokonferenz mit dem Facebook-Chef, er habe das Gefühl, Zuckerberg fehle es am Verständnis für das Problem.

(oli/sda/dpa)

Protest im Land der unbegrenzten Polizeigewalt

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Proteste in Minneapolis
quelle: keystone / john minchillo
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