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Microsoft co-founder Bill Gates listens to a question during an interview in New York February 22, 2016. The Bill and Melinda Gates Foundation has turned its attention to the Zika virus outbreak, and its founders said the response to the crisis, which may be linked to devastating birth defects in South America, has been better than for the 2014 Ebola outbreak in Africa. REUTERS/Shannon Stapleton

Was geht im Kopf des reichsten Mannes der Welt vor?
Bild: SHANNON STAPLETON/REUTERS

Kommentar

Warum eiert der Microsoft-Gründer herum und fällt Apple in den Rücken?

Bill Gates findet, der iPhone-Hersteller solle mit dem FBI kooperieren und die starke Verschlüsselung umgehen. Nicht zum ersten Mal stellt sich der reichste Mann der Welt auf die falsche Seite.



Die Kraftprobe zwischen Apple und dem FBI treibt seltsame Blüten. Während die Chefs von Facebook, Twitter und Google dem iPhone-Hersteller öffentlich Rückendeckung geben und sich für eine starke Verschlüsselung aussprechen, sieht Microsoft-Gründer Bill Gates offenbar die US-Behörden im Recht.

Wenn Apple beim Entsperren des iPhones eines Terroristen helfen müsse, sehe er darin keinen Präzedenzfall, der in Zukunft die Privatsphäre gefährden würde, sagte der reichste Mann der Welt in einem Interview mit der «Financial Times». «Das ist ein konkreter Fall, in dem die Regierung nach Zugang zu Informationen fragt.»

Welche Agenda hat der Microsoft-Gründer?

Gates argumentiert, das FBI verlange keinen generellen Zugriff (auf alle iPhones). Die Situation sei nicht anders als bei einer Telekom-Firma oder einer Bank. «Sagen wir mal, die Bank hätte ein Band um die Festplatte gewickelt und gesagt: Zwingt mich nicht, dieses Band durchzuschneiden, weil ihr mich dann dazu bringt, es immer wieder zu tun», argumentierte der 60-Jährige.

Das sei falsch, kritisieren US-Kommentatoren. Apple habe keinen einfachen Zugang zu den Informationen, die das FBI wolle. Von daher sei der Banken-Vergleich nicht zutreffend.

Er rudert und rudert

Die Äusserungen des Microsoft-Gründers haben rund um den Globus für Aufsehen gesorgt. Gates sah sich prompt veranlasst, die gemachten Aussagen zu präzisieren. Seine Interview-Antworten seien von der «Financial Times» nicht richtig wiedergegeben worden.

Das Problem: Wie der folgende bei YouTube veröffentlichte Gesprächsmitschnitt zeigt, eierte Gates im Interview ziemlich herum. Eine deutliche Stellungnahme klingt definitiv anders. So weicht er beispielsweise der Frage des Journalisten aus, ob er grundsätzlich für staatliche «Hintertüren» sei, ob bei Apple oder Microsoft.

Bleibt die Frage: Welche Agenda hat der Microsoft-Gründer? Gibt es persönliche und/oder wirtschaftliche Gründe, sich nicht zu 100 Prozent für Apple und eine starke Verschlüsselung auszusprechen?

Der auf Microsoft-News spezialisierte US-Blog Win Beta ist solchen Fragen nachgegangen und hat keine einfache Antwort gefunden. Über die Gründe, warum sich Microsoft als einziger grosser Tech-Konzern nicht klar äussere, könne man nur spekulieren.

Es wird daran erinnert, dass Microsoft ebenfalls in einen Rechtsstreit mit der US-Justiz verwickelt sei. Dabei geht es um die Grundsatzfrage, ob ein von der US-Justiz ausgestellter Durchsuchungsbefehl die US-Ermittler ermächtigt, auch auf Firmen-Server im Ausland zuzugreifen. Microsoft wehrt sich mit seinen Anwälten dagegen – und tritt damit für den Schutz der Privatsphäre der Kunden ein.

Snowden? «Kein Held»

Gates ist bei dem von ihm mitgegründeten Windows-Konzern nicht mehr ins operative Geschäft involviert. Der reichste Mann der Welt will mit einer privaten Stiftung die Welt verbessern und äussert sich immer wieder öffentlich zu brennenden gesellschaftlichen Themen.

Angesichts der jüngsten Äusserungen kommt einem unweigerlich die Attacke von Gates auf den US-Whistleblower Edward Snowden in Erinnerung. Snowden habe das Gesetz gebrochen und sei für ihn mit Sicherheit kein Held, sagte er 2014 in einem Interview.

Kommentatoren erinnern daran, dass Microsoft unter Gates dem Geheimdienst NSA Zugang zu verschlüsselten Kundendaten verschafft habe. So hätten die US-Schnüffler dank technischer Hintertüren auf den Mail-Dienst Outook.com und auf Skype zugreifen können.

Auf welcher Seite steht Bill Gates?

* Die vorgeschlagenen Umfrage-Antworten sind von der Online-Umfrage des US-Techportals The Verge übernommen worden.

Protesters carry placards outside an Apple store Tuesday, Feb. 23, 2016, in Boston. Demonstrators are expected to gather in a number of cities Tuesday to protest the FBI obtaining a court order that requires Apple to make it easier to unlock an encrypted iPhone used by a gunman in December's shooting in San Bernardino, Calif. (AP Photo/Steven Senne)

«Knackt nicht unsere Handys»: Vor Apple Stores kam es am Dienstag zu Protesten gegen das FBI.
Bild: Steven Senne/AP/KEYSTONE

Apple hat zurecht Angst vor einem Präzedenzfall

Apple weigert sich, der US-Bundespolizei FBI die geforderte technische Hilfe beim Entsperren des iPhones eines toten Terroristen zu leisten. Konzernchef Tim Cook erklärt, dafür müsste erstmals eine Software geschrieben werden, die es möglich macht, den Passwort-Schutz auszuhebeln.

Die US-Behörden betonen zwar, das Programm solle nur auf dem einen Gerät laufen können und könne danach auch gelöscht werden. Apple befürchtet jedoch, dass daraus ein Präzedenzfall wird, und dass die Software in falsche Hände geraten könnte.

Nicht zu unrecht, wie die jüngsten Medienberichte aus den USA zeigen. So ist mittlerweile bestätigt, dass die Ermittler noch mehr iPhones knacken wollen. Und der ehemalige NSA-Direktor kritisiert öffentlich, es gehe dem FBI um «eine Hintertür für alle Geräte weltweit».

Die Terror-Angst ausnutzen

Wer sich für die technischen Details rund um die iPhone-Verschlüsselung interessiert, wird in diesem lesenswerten FAQ der Electronic Frontier Foundation (EFF) fündig.

Die US-Bürgerrechtsorganisation bezieht klar Stellung für Apple. Der iPhone-Hersteller dürfe nicht gezwungen werden, Spezial-Software zu entwickeln, um die eigenen Geräte zu knacken. Dies wäre zu riskant und würde der heute üblichen Sicherheits-Praxis widersprechen.

Es ist ein politisch heikler Fall, denn das FBI hat sich für das Vorgehen gegen Apple einen Fall ausgesucht, bei dem die Ermittler mit einer breiten Unterstützung der Öffentlichkeit rechnen können, weil es um die Angst vor Terroranschlägen geht: Das iPhone 5C wurde von Syed Rizwan Farook genutzt, der mit seiner Frau Anfang Dezember im kalifornischen San Bernardino 14 Menschen erschoss.

Die Chefs von Facebook, Twitter, Google oder WhatsApp stellten sich dennoch hinter Apple. Auch Microsoft unterstützte – wenn auch indirekt – über eine Industriegruppe die Position von Apple.

Gegen Drogenhändler

Unterdessen arbeiten US-Ermittlungsbehörden laut einem Zeitungsbericht an Anträgen vor Gerichten, um Apple in etwa einem Dutzend weiterer Fälle zur Hilfe beim Entsperren von iPhones zu zwingen. Dabei gehe es nicht um einen Terror-Verdacht, schrieb das «Wall Street Journal» am Dienstag unter Berufung auf informierte Personen, sondern unter anderem um Drogenhandel.

Die Ermittler beschweren sich schon länger, dass sie mit der unknackbaren Verschlüsselung von Apple und Google zum Teil nicht in Geräte von Verdächtigen reinkommen, auf denen sich Beweise finden können. Apple hatte am Montag vorgeschlagen, das Problem mit allen seinen Auswirkungen sollte statt einer gerichtlichen Auseinandersetzung von einer Experten-Kommission analysiert werden.

Mit Material der Nachrichtenagentur SDA

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