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epa04470782 (FILE) Apple CEO Tim Cook speaks during Apple's launch event at the Flint Center for the Performing Arts in Cupertino, California, USA, 09 September 2014. Apple's chief executive publicly confirmed that he is gay in an essay published by Bloomberg Businessweek on 30 October 2014. The 53-year-old wrote he was inspired by Dr Martin Luther King to set aside his desire for privacy to do 'something more important'. Cook said he hopes to support and inspire others by coming out.  EPA/MONICA DAVEY

Der Apple-Chef setzt sich öffentlich für ein wenig populäres «Killerfeature» ein.
Bild: MONICA DAVEY/EPA/KEYSTONE

Kommentar

Darum muss Apple für eine starke Verschlüsselung kämpfen

Schutz der Privatsphäre vs. Anti-Terror und staatliche Überwachung: Dem iPhone-Hersteller kommt in der öffentlichen Auseinandersetzung um sichere Kommunikation eine zentrale Rolle zu. In der Pflicht stehen aber vor allem auch die Bürgerinnen und Bürger.



Wo sind die Google-Gründer, wenn es um den Schutz der Privatsphäre von Millionen, ja Milliarden Internet-Nutzern geht?

Was hält der Facebook-Chef, der gern PR in eigener Sache macht, von staatlich verordneten Sicherheitslücken?

Und was ist mit dem hervorragend in seinen CEO-Job gestarteten Microsoft-Chef Satya Nadella?

Wer im Glashaus sitzt...

Warum zum Geier bleiben die milliardenschweren Tech-Giganten aus dem Silicon Valley und Redmond stumm, während die Druckversuche durch den Staat zunehmen und immer dreister werden?

Die Antwort ist vielschichtig, liegt aber wohl nicht zuletzt in den Geschäftsmodellen der besagten Unternehmen.

Sowohl Facebook wie Google verdienen (viel) Geld mit personalisierter Werbung. Da käme eine starke Verschlüsselung, die vor allen neugierigen Blicken schützt, mehr als ungelegen.

Microsoft verfügt als grosses Software-Unternehmen über langjährige (und enge) Beziehungen zu staatlichen Stellen und Regierungen. Dieses lukrative Geschäft will man sich wohl nicht verderben.

Apple leistet Widerstand

Wie US-Kommentatoren feststellen, gibt es unter den amerikanischen Tech-Giganten ein Unternehmen, das sich mit seiner Haltung abhebt von der schweigenden Masse («Why Apple Defends Encryption»). Die Rede ist von Apple und dessen CEO Tim Cook.

Der iPhone-Hersteller sei in einer einzigartigen Position, heisst es. Apple verfüge über beträchtliche finanzielle Mittel, um sich zu verteidigen. Und was die zukünftigen Einnahmen betrifft, sei man nicht auf Produkte angewiesen, die den Schutz der Privatsphäre beeinträchtigen. Im Gegenteil: Unter Tim Cook hat das Unternehmen erkannt, dass eine sichere Kommunikation ein eigentliches «Killerfeature» ist.

Apple will keine Hintertüren in seine Produkte einbauen, um dem Staat heimlich Zugang zu gewähren.

Anfang Januar traf sich US-Präsident Barack Obama mit den Vertretern grosser US-Konzerne hinter verschlossenen Türen. Es ging um die Frage, wie der Terror im Internet besser bekämpft werden kann.

Bekanntlich nutzen Islamisten geschickt alle modernen Kommunikationsmittel und Social-Media-Kanäle, um jungen Leuten den Kopf zu verdrehen und sie in den unheiligen Krieg zu locken.

Eingeladen waren Apple, Facebook, Twitter, Cloudflare, Google, Dropbox, Microsoft, und LinkedIn, wie das unabhängige Online-Medium The Intercept berichtete. Doch nur Apple schickte den Chef.

Wie durchgesickert ist, blieb Cook der schon früher vertretenen Position treu: Apple will keine Hintertüren oder Schwachstellen in seine Produkte einbauen, um staatlichen Stellen den Zugang zu ermöglichen.

Mächtige Technik

Konkret geht es um die verschlüsselte iMessage-Kommunikation. Nachrichten, die auf Apple-Geräten wie dem iPhone oder iPad verfasst und abgeschickt werden, gelten als praktisch abhörsicher. Sie verlassen verschlüsselt das Gerät und werden erst beim Empfänger wieder dekodiert – darum heisst es Ende-zu-Ende-Verschlüsselung.

Polizei, Geheimdienste und Strafverfolgungsbehörden befinden sich in einer ungemütlichen Lage: Erstmals in der Geschichte der Menschheit besitzen sehr viele Bürgerinnen und Bürger die technischen Mittel, ihre digitale Kommunikation vor dem Staat zu verbergen.

Unter normalen Umständen nützt auch ein Durchsuchungsbefehl nichts – wobei ein Richter immer noch Zwangsmassnahmen vorsehen kann, um kooperationsunwillige Personen zu «beugen».

Die in der iCloud gespeicherten Daten sind zwar verschlüsselt, Apple besitzt jedoch einen Schlüssel und darf in gewissen Fällen darauf zugreifen.

Auch Android betroffen

Apple habe immer wieder beteuert, die starke Verschlüsselung von iMessages selbst nicht knacken zu können, hält das Fachmagazin Macwelt fest. Ausserdem sei es technisch unmöglich, einen Sperrcode des iPhones (PIN) zu umgehen. Seit iOS 8 seien die Inhalte ab Werk verschlüsselt. Wenn man keinen einfachen PIN wie 1234 verwende, sondern ein starkes Passwort, sei nichts zu machen.

In der neusten Android-Generation (Version 6.0) sei eine ähnlich starke Verschlüsselung implementiert. Allerdings sind die Google-Chefs – wie oben erwähnt – bislang verdächtig stumm geblieben.

Ob es daran liegt, dass die gewünschten Informationen direkt von den Firmen-Servern abgegriffen werden können? Dieses Problem stellt sich zu einem gewissen Grad auch für Apple-Kunden. Die in der iCloud gespeicherten Daten sind zwar verschlüsselt, Apple besitzt jedoch einen Schlüssel und darf in gewissen Fällen darauf zugreifen.

Bild

Auszug aus den iCloud-Nutzungsbedingungen.
screenshot: apple

Kommt das Smartphone-Verbot?

Natürlich sind Apple und Google nicht die ersten Tech-Unternehmen, die wegen starker Verschlüsselung unter staatlichen Druck geraten. Blackberry beispielsweise kann ebenfalls ein Lied davon singen. 2010 verlangte die indische Regierung Zugang zum Messenger.

Die jüngsten Nachrichten aus den USA lassen wenig Gutes erhoffen. In Kalifornien sollen Smartphones mit starker Verschlüsselung gesetzlich verboten werden. Dies fordert ein parlamentarischer Vorstoss, der diese Woche von einem ehemaligen Sheriff lanciert wurde.

An der Ostküste ist bereits ein vergleichbares Gesetz in der Pipeline. Der Vorstoss verlangt, dass in New York nur noch Smartphone verkauft werden dürfen, deren Verschlüsselung sich durch den Hersteller (oder den Anbieter der System-Software) knacken lässt. Bei Zuwiderhandlung drohen saftige Geldbussen; 2500 US-Dollar pro verkauftem Gerät – rückwirkend per 1. Januar 2016.

Ein besorgter watson-Leser kommentierte zuhanden der Redaktion, dass dies der Anfang einer bedenklichen globalen Entwicklung sei: «Wenn das Gesetz im US-Bundesstaat New York wirklich durchkommt und umgesetzt wird, dann wird es NICHT lange dauern und Europa – inklusive der Schweiz – und die restliche Welt werden das auch umsetzen wollen, respektive auch machen.»

Wer glaubt, dass dies nur in den USA passieren kann, irrt sich. In Grossbritannien möchte die Regierung die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung (des iPhones) gleich ganz verbieten.

Es ist an den Bürgerinnen und Bürgern, dies zu verhindern und den Staat in seine sinnvollen Schranken zu verweisen.

Muss der Staat zur Terror-Bekämpfung auf jedes Smartphone zugreifen können?

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