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epa08461746 People dance to music at the Trocadero Human Rights Plaza near the Eiffel Tower in Paris, France, 02 June 2020. France has started a gradual lifting of COVID-19 lockdown restrictions in an effort to restart its economy and help people get back to their daily routines. The country reopened its bars and restaurants after two months of nationwide restrictions due to the coronavirus outbreak.  EPA/MOHAMMED BADRA

Frankreich hat mit der Lockerung der Zwangsmassnahmen begonnen. Bild: keystone

Frankreich veröffentlicht zentralisierte Tracing-App «StopCovid»

Die französische Corona-Warn-App funktioniert nicht grenzübergreifend. Zum Start sorgte der Name für Verwirrung.



Nach wochenlanger intensiver Debatte hat die französische Regierung am Dienstag die nationale Corona-Warn-App «StopCovid» veröffentlicht. Der Start verlief leicht chaotisch. Zunächst war nur die Android-Version verfügbar, wie Tech Crunch berichtet. Ein paar Stunden später tauchte dann die iPhone-Version im App Store von Apple auf.

Das Problem: Die Bezeichnung «StopCovid» wird schon länger für eine spanische Regional-App verwendet. Und diese App stürmte im französischen App Store die Download-Charts, weil sie fälschlicherweise von vielen für die nationale Warn-App gehalten wurde. Zur besseren Unterscheidung trägt die offizielle App die Bezeichnung «StopCovid France».

Frankreichs Alleingang

Die französische Corona-Warn-App ist nicht kompatibel mit den Apps der Nachbarländer, konkret ist kein grenzübergreifender datenschutzkonformer Austausch möglich.

Eine Gruppe französischer Forscher und Privatunternehmen hat eine separate, zentralisierte Architektur erarbeitet, die den Gesundheitsbehörden mehr epidemiologische Erkenntnisse für die Covid-19-Bekämpfung ermöglichen soll.

Hingegen setzen die Schweiz, Deutschland und Italien auf eine dezentrale Lösung, wie sie das Konsortium DP-3T unter Schweizer Führung erarbeitet hat. Die italienische Immuni-App wurde am 1. Juni lanciert, in der Schweiz entscheidet dieser Tage das Parlament über SwissCovid. Und die geplante deutsche Tracing-App soll in rund zwei Wochen folgen.

Wegen des zentralisierten Tracing-Systems kann Frankreich nicht die von Apple und Google zur Verfügung gestellte «Exposure Notification»-API nutzen, die in die mobilen Betriebssysteme Android und iOS integriert ist und Bluetooth-basierten Proximity-Tracing-Apps im Betrieb unterstützt.

Das habe beim iPhone zur Folge, dass die StopCovid-App nicht im Hintergrund laufen könne, kritisieren Experten. Vielmehr müsse die App im Vordergrund geöffnet sein, um ständig Bluetooth-Low-Energy-Signale senden und empfangen zu können – was sie praktisch unbrauchbar mache.

So funktionierts

Beim französischen Tracing-System weist ein staatlich kontrollierter Server den Smartphones mit installierter StopCovid-App eine permanente ID (ein Pseudonym) zu und sendet ihnen eine Liste von kurzlebigen IDs, die von der permanenten Registriernummer abgeleitet sind.

Wenn sich jemand mit dem neuen Coronavirus ansteckt und dies über einen Covid-19-Test bestätigt, stellt der Arzt, das Spital oder die entsprechende Institution, die den Test durchgeführt hat, einen QR-Code zur Verfügung. Die Betroffenen können dann entscheiden, die App zu öffnen und diesen Code einzugeben, um die Liste der IDs freizugeben, mit denen sie in den letzten zwei Wochen in Kontakt standen.

Von Anfang an habe Frankreichs Kontaktverfolgungsprotokoll ROBERT einige Bedenken hinsichtlich des Datenschutzes aufgeworfen, ruft Techcrunch in Erinnerung. Hunderte Wissenschaftler unterzeichneten einen Brief, in dem sie um Schutzmassnahmen baten. Insbesondere sagten sie, es sei unklar, ob eine Contact-Tracing-App bei der Bekämpfung des Coronavirus-Ausbruchs überhaupt nützlich wäre.

Frankreich gehört in Europa zu den Ländern, die schwer von der Covid-19-Pandemie betroffen sind. Es starben bisher fast 29'000 Menschen. Viele Bürger sind misstrauisch und wollen die App laut Umfragen nicht nutzen, darum drohe schon der nächste Misserfolg für die Regierung Macrons.

(dsc)

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