DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Bild

Rund um den Black Friday grassiert die Online-Shoppingwut. In Zukunft soll ein Reparaturlabel umweltschädliche Wegwerfprodukte eindämmen helfen. Bild: shutterstock

«Konsumenten wollen Produkte, die länger halten und besser reparierbar sind»

Eine Allianz aus drei Schweizer Konsumentenschutz-Organisationen fordert ein Reparaturlabel für neue Geräte. Doch die Branchenverbände winken ab.



Die Reparatur von elektronischen Geräten ist oft mit hohen Kosten und Aufwand verbunden. Daher fordern Konsumentenschützer ein Reparaturlabel für neue Elektrogeräte. Laut Branchenverbänden könnte eine solche Kennzeichnung bald überholt sein.

Bei Gelegenheiten wie dem Black Friday kaufen viele Schnäppchenjäger lieber vermeintlich günstigere neue Geräte, als Gebrauchtes reparieren zu lassen. Dies liegt laut der Stiftung für Konsumentenschutz auch daran, dass eine Reparatur in vielen Fällen aufgrund zu hoher Kosten nicht in Erwägung gezogen werde oder laut Herstellern erst gar nicht möglich sei.

Daher fordert eine Allianz aus drei Schweizer Konsumentenschutz-Organisationen eine Lösung mittels Reparaturlabel für neue Geräte. Ziel ist es, die Nachfrage nach (fragwürdigen) Wegwerfprodukten zu verringern.

Wer ist für ein solches Reparaturlabel?

«Konsumenten wollen Produkte, die länger halten und besser reparierbar sind, auch wenn sie dafür mehr bezahlen müssen», lautet der Befund einer kürzlich veröffentlichten Umfrage der Allianz (ACSI, Konsumentenschutz, FRC).

Eine Art Label, das die Reparierbarkeit nach objektiven Kriterien bewertet, befürworten demnach 98 Prozent der Befragten. Und mit 96 Prozent wären fast alle Konsumenten bereit, mehr für ein Produkt zu bezahlen, das präzise Garantien für die Reparierbarkeit bietet.

Ebenso viele der Befragten gaben zudem an, dass sie bereits mindestens einmal ein Gerät in gutem Zustand entsorgen mussten, da entweder etwaige Reparaturkosten zu hoch ausfielen oder Ersatzteile aufzutreiben zu schwierig gewesen sei. Rund drei Viertel der Umfrageteilnehmen würden sogar ein Verkaufsverbot für unreparierbare Produkte unterstützen.

Wie reagieren die Verantwortlichen?

Bei Branchenverbänden stösst die Forderung aber auf wenig Gegenliebe. So hält etwa der Fachverband Elektroapparate für Haushalt und Gewerbe Schweiz (FEA) auf Anfrage fest, dass die ab März 2021 geplante Einführung neuer EU-Richtlinien zu Energieetiketten ausreichend sei.

Die neuen Regeln sollen mehr Klarheit schaffen, was die Verfügbarkeit von Ersatzteilen und Höchstlieferzeiten der wichtigsten Komponenten angeht. Zudem sollen unter anderem auch Reparatur- und Wartungsinformationen zugänglicher gemacht werden.

Da die neuen EU-Richtlinien auch von der Schweiz unverändert übernommen würden, erübrige sich die Debatte um ein eigenes Schweizer Reparaturlabel, sagt der FEA-Fachdelegierte Jürg Berner:

«Der FEA sieht keine Notwendigkeit für die Schaffung eines Labels zur Reparaturfähigkeit, so lange in der EU keine Absichten und offiziellen Projekte für ein standardisiertes Vorgehen bestehen.»

Die Bewirtschaftung eines zusätzlichen Labels für alle Elektrogeräte sei sehr aufwändig und wenig sinnvoll. Auch würde eine verlässliche Vergleichbarkeit darunter leiden, heisst es weiter.

Vorbild Frankreich?

Die Anpassung an EU-Richtlinien geht dem Konsumentenschutz aber zu wenig weit. Zwar sei im europäischen Ausland bereits ein Konzept vorhanden, das das Recht auf Reparatur enthalte, es brauche aber noch zusätzliche Massnahmen.

Einen Schritt weiter sei beispielsweise Frankreich. Dort sollen ab 2021 Geräte wie Smartphones, Laptops, Fernseher und Waschmaschinen ein Label mit einem «Reparierbarkeitsindex» tragen. «Dieses Modell könnte als Vorbild auch in der Schweiz übernommen werden», sagt Sara Stalder, Leiterin der Stiftung für Konsumentenschutz.

Die Konsumentenschutz-Allianz will die Forderungen in die nationale Politik bringen und versuchen, eine entsprechende Gesetzgebung voranzubringen. Konsumenten brauchten die richtigen Instrumente, um sich gegen Wegwerfprodukte wehren zu können. Gleichzeitig will die Allianz die Durchführung von sogenannten «Repair Cafés» wieder intensivieren, sobald es die Covid-19-Situation erlaube.

Braucht die Schweiz ein strenges Reparaturlabel, um Wegwerfprodukte zu bekämpfen?

Quellen

(dsc/sda/awp)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

«Welcome to Sodom» – dein altes Handy ist bereits hier

1 / 21
«Welcome to Sodom» – dein altes Handy ist bereits hier
quelle: zvg / camino-film.com
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

Vorbild: Ein Dorf in Japan recycelt 80% seiner Abfälle

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Analyse

Threema ist das neue WhatsApp – und schlägt die Konkurrenz um Längen

Wer hätte gedacht, dass die weltbeste Messenger-App nicht aus dem Silicon Valley kommen würde, sondern vom Zürichsee. Eine persönliche Analyse.

Seit acht Jahren befasse ich mich mit dem sicheren Schweizer Messenger Threema. Den ersten Artikel dazu publizierte ich im Dezember 2012. Titel: «Die Schweizer Antwort auf WhatsApp». Die damalige erste App gab's nur fürs iPhone, und sie war zum Start gratis. Im Interview versprach der Entwickler, Manuel Kasper, die baldige Veröffentlichung einer von vielen Usern geforderten Android-Version. Und:

Er hielt Wort. Im Gegensatz zu WhatsApp.

Einige dürften sich erinnern, dass es ein gleiches …

Artikel lesen
Link zum Artikel