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bilder: watson

Review

Wie ich mit «handyfreien» Ferien im schönsten Tal der Schweiz scheiterte

Dieses Jahr wollten wir bei unseren Offline-Ferien alles richtig machen: Wir planten eine zweiwöchige Reise ins stromlose, hoffentlich menschenleere Bavonatal. Im Gepäck: gute Vorsätze und scharfe Messer...



Bevor es persönlich wird, eine Warnung: Offline-Ferien sind nichts für Beckenrandschwimmer.

Das fanden wir letzten Sommer bei einer Auszeit im Tessin heraus. Und wollten es nun erneut versuchen.

Damaliges Fazit: Die mitgereisten Mädchen im Teenager-Alter hatten keine Entzugserscheinungen und überstanden die Smartphone-, PC- und TV-freie Zeit problemlos. Wohl nicht zuletzt deshalb, weil keine Mobilgeräte verfügbar waren. Hingegen gab es bei den Eltern «Ausrutscher», wie im Reisebericht 2019 nachzulesen ist.

2020 mussten wollten es die Erwachsenen besser machen. Wie das geklappt hast, erfährst du im Folgenden.

Ein Anblick fast wie vor 10'000 Jahren. Das untere Bavonatal mit dem Wasserfall von Foroglio.

Spoiler: Corona-bedingt mussten wir die Digital-Detox-Regeln anpassen. Wer die Berichterstattung bei watson mitverfolgt, dürfte ahnen, worauf wir in der Seilbahn im Tessin nicht verzichten konnten. 😌 Der Beitrag kann zudem Blutspuren und (absolut unbezahltes) «Product Placement» enthalten, was unsere Survival-Ausrüstung für die Ferien in der «Wildnis» betraf. Anmerken möchte ich auch noch, dass es sich um eine private Reise handelte, die wir selber finanziert haben.

Versuchungen

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Von unseren letzten Offline-Ferien wussten wir Männer, dass wir das schwache Geschlecht sind, und dass nur ein «totes» Smartphone ein gutes Smartphone ist. Unser Ziel:

Nur ein Handy für Notfälle mitnehmen, das ausgeschaltet bleibt und ausser Griffweite verstaut wird.

Dann kam Corona. Und wir hatten die perfekte Entschuldigung, die Smartphones immer mitzuführen und sie statt in den Rucksack in die Beintasche zu stecken. Resultat:

Während die weiblichen Gefährtinnen sinnvollen Beschäftigungen nachgingen (und abgelenkt waren) ...

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... wie etwa mit der Suche nach Gold und anderen Mineralien ...

... versuchte ich mich als Influencer ...

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... und knipste noch einen weiteren «Digital-Detox-Rebellen»

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Ganz ehrlich: Wir wollten nur die watson-Trinkflasche möglichst spektakulär in Szene setzen.

Und dieses «Sprudelbad» bei 12 Grad

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Von ihm stammen die meisten der im Artikel gezeigten Fotos. Danke, Flavio! 🙏

Der Seilbahn-Horror

Es geschah im hintersten «Krachen» im Val Bavona. San Carlo ist ein verschlafenes kleines Nest, und der einzige Weiler im ganzen Tal, der mit Elektrizität erschlossen ist. Zu verdanken haben das die Rusticobesitzer einer Stromleitung, die vom Lago di Robièi (1940 M.ü.M.), herunterführt.

Wer bequem hinauf will zum Wasserkraftwerk und der wunderschönen Bergkulisse mit dem Basòdino-Gletscher, braucht Nerven so dick wie die Drahtseile der Seilbahn.

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Die Corona-Seilbahnfahrt wurde nicht fotografisch dokumentiert. Stattdessen gibts ein Symbolbild mit unserem (lateinischen) Leitmotto. Übersetzt: «Auch Widerwärtigkeiten schrecken nicht». Den gusseisernen Fund machten wir auf einer abgelegenen Alp.

Schutzmasken sind auf der Luftseilbahn San Carlo-Robiei für alle Passagiere obligatorisch. Dass wir tatsächlich froh um sie sein würden, ahnten wir an dem Morgen beim Kassenhäuschen nicht. Lange schien es, als wollten nur wenige Fremde mit hoch ins Gebirge. Dann, kurz vor Abfahrt, hielt direkt bei der Seilbahnstation ein Postauto. Und das maximal zulässige Corona-Kontingent von 80 Passagieren wurde ausgeschöpft. Oder zumindest fühlte es sich so an.

Nie kam mir eine Seilbahnfahrt länger vor! Obwohl alle Kabinenfenster offen standen, zuckte ich bei jedem Nieser und Husten innerlich zusammen. Schwacher Trost: Das Martyrium muss über 15 Minuten gedauert haben, so dass wir zumindest hoffen konnten, im Falle eines infizierten Passagiers später von der SwissCovid-App gewarnt zu werden.

Diese Perspektive gefiel mir (am Nachmittag) um Welten besser

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Der Abstieg von Robièi war zwar steil und nicht gerade kniefreundlich, aber garantiert Corona-frei.

Das Käfer-Dilemma

Hinten am Auto der befreundeten Familie, die uns begleitete, müsste eigentlich folgender Spruch stehen:

Ich bremse auch für Insekten.

Wobei ein entsprechender «Warnhinweis» auch auf den Rucksäcken der überzeugten Tierschützer prangen sollte: Da ich beim Marschieren Wandern den militärischen Stil bevorzuge (gestoppt wird nur für Pippipausen, wenn überhaupt), wurde meine Geduld öfters auf die Probe gestellt.

Sie wurde auch überrascht...

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Die Smaragdeidechse (Lacerta bilineata) kann über 40 cm lang werden und ist damit wohl die grösste und sicher schönste Echsenart der Schweiz. Dieses Exemplar hat vermutlich bei einer früheren (erfolgreichen) Flucht den Schwanz abgeworfen, wie an der Färbung zu erkennen ist.

Gut beobachtet! Hier wird mit einer Kompaktkamera geknipst

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Kein Handy, äh, weit und breit.

Ja, und auch bei solch «delikaten» Überraschungen wurde eine spontane Fotosession-Pause eingelegt...

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Schönheit liegt im Auge des Betrachters, gell Flavio!

Ersatzbefriedigungen

Auf jeder grösseren Wanderung sollte man meiner Meinung nach ein Fernglas dabei haben. In Offline-Ferien wird ein solches Teil endgültig zum unverzichtbaren Gadget.

Vom letzten Jahr wussten wir:

Was in schwierigen Momenten der Smartphone-Entwöhnung hilft, ist, ein edles Stück aus Glas, Metall oder Kunststoff in die Hand nehmen zu können.

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Letzten Sommer testete ich ein «normal grosses» Modell, dieses Mal ein kompaktes Premiumgerät. Das Swarovski Optik EL 8x32 passt auch in kleinere Hände und wiegt unter 600 Gramm.

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Wenn man beim Murmeltierbeobachten meint, die scheuen Nager mit der Hand berühren zu können, hat sich das zusätzliche Gewicht im Rucksack gelohnt.

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Leider kostet diese Hardware mehr als das iPhone 11 Pro in der teuersten Ausstattung. Im Gegensatz zum Apple-Handy hält sie aber durchaus ein ganzes Leben.

PS: Wir haben natürlich auch noch in ganz andere Gläser geschaut, wie man sich denken kann...

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Edle Verpackung für ein edles Getränk.

Am Anfang war das Feuer

Unsere Offline-Ferien 2020 standen im Zeichen der Survival-Fähigkeiten. Mit Fokus aufs Feuermachen.

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Glücklicherweise spielte Petrus mit und wir konnten, als der Kanton Tessin noch kein Feuerverbot verhängt hatte, nach Herzenslust experimentieren.

Mit Firesteel...

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Video: YouTube/Daniel Schurter

Für Fortgeschrittene...

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Von dieser speziellen Technik existiert kein Erfolgs-Video. 😏

Das Schnitzmesser-Massaker

Holzschnitzen gehört zum Entspannendsten, was man bei hochsommerlicher Hitze und an wanderfreien Ruhetagen draussen tun kann. In manchen Menschen steckt ein Kunsthandwerker, in anderen (wie mir) ein Grobmotoriker. Das findet man am besten durch Ausprobieren heraus.

Stammt leider nicht aus meiner Klinge...

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Neben dem Lesen von Büchern gehörte das Schnitzen dieses Jahr zu unseren beliebtesten Tätigkeiten, wenn wir uns nicht gerade durchs Unterholz kämpften.

Ich würde an dieser Stelle gerne ein Foto mit dem «Trinkschuh» zeigen, den ich gegenüber meinen Mitschnitzerinnen und dem Mitschnitzer lauthals angekündigt hatte. Jedoch scheiterte mein Vorhaben am (zu) harten Ahornholz.

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Eine Technik nur für Fortgeschrittene (und Lindenholz): Ausbrennen mit glühenden Kohlestücken.

Fazit: Es lohnt sich, ein Profi-Set mit speziellen Schnitzwerkzeugen mitzunehmen. Wobei sich dies nicht unbedingt positiv auf den Vorrat an Heftpflastern auswirkt...

Zwischendurch wurde auch an den Fingern herumgeschnitzt...

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«Learnings»

Unsere Offline-Ferien 2020 waren ein Scheitern mit Ansage. Zumindest für die zwei männlichen Erwachsenen.

Die positiven Effekte einer längeren Auszeit von Elektronikgeräten und Internet konnten wir einmal mehr bei der «Jungmannschaft» beobachten. Auch die etwas älteren Damen hatten ab Tag 1 keinerlei Entzugserscheinungen, aber dafür viel Zeit, um zu lesen und sich auszutauschen.

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Im Tiktok- und Instagram-Alter, aber zwei (!) volle Wochen ohne Handy.

Für zukünftige Digital-Detox-Vorhaben spiele ich mit dem Gedanken, nur eine Smartwatch mitzunehmen (eine Apple Watch mit Telefonfunktion), samt Powerbank. Das wäre dann allerdings wiederum ein fauler Kompromiss, weil man die moderne Technik am Handgelenk nicht wirklich ausblenden kann. Das Handy kann man zumindest zeitweise vergessen, wenn man es in der Beintasche (im Flugmodus) hat.

Die Kameras moderner Smartphones sind inzwischen dermassen gut, dass separate Digitalkameras einen schweren Stand haben. Zumindest gilt dies für Videoaufnahmen, die mit dem iPhone nahezu perfekt gelingen. Aber vielleicht lohnt sich doch der Kauf einer digitalen Spiegelreflex (DSLR). Das wäre dann noch ein Gegenstand mehr für den Rucksack...

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Was sich aus meiner Sicht in den Offline-Wanderferien bewährt hat: Eine professionelle Handsäge (Silky Zübat), ein kompakter Wasserfilter (Katadyn), Messer sowie ein Firesteel (Morakniv), ein UKW-Kurbelradio (mit Solarzelle) und Walkie-Talkies.

Mein persönliches Fazit:

Es bestätigte sich, was wir schon von unseren letzten Offline-Ferien gewusst hatten: Wenn man Mobilgeräte dabei hat, werden sie früher oder später für alles Mögliche verwendet. Das erscheint in Corona-Zeiten als unlösbares Dilemma. Zum einen sollte die SwissCovid-App aktiviert sein, wenn man den ÖV nutzt oder im Grotto einkehrt, zum andern möchte man jederzeit erreichbar sein für die Angehörigen.

2020: Kein gutes Jahr für Digital Detox.

Und jetzt du!

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Flasche leer. Was meinst du, wie gelingen Offline-Ferien? Schreib uns via Kommentarfunktion.

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Mehr zum Val Bavona (Quellen)

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