Digital
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
whatsapp threema

Strafverfolger umgehen die Verschlüsselung von Threema, iMessage, WhatsApp und Co. mit dem Staatstrojaner.

Bundesrat will Verschlüsselung von Threema, WhatsApp und Co. mit Staatstrojaner umgehen



Dienste wie Threema, WhatsApp oder iMessage sollen in der Schweiz nicht verpflichtet werden, den Strafverfolgungsbehörden Daten lesbar, sprich unverschlüsselt, zugänglich zu machen. Anders als in Deutschland bestünden aktuell keine solchen Bestrebungen, schreibt der Bundesrat in seiner Antwort auf einen parlamentarischen Vorstoss.

Erkundigt hat sich Ständerat Josef Dittli (FDP/UR). In Deutschland wolle Bundesinnenminster Horst Seehofer Sicherheitsbehörden einen Zugang zu standardmässig Ende-zu-Ende verschlüsselten Chats und Telefonaten ermöglichen, hielt er fest. Vom Bundesrat wollte er wissen, ob dies in der Schweiz auch ein Thema sei.

Der Bundesrat schreibt in seiner Antwort, er sei sich der Risiken von Verschlüsselungstechnologien für die innere Sicherheit und die Strafverfolgung bewusst. Diese schränkten die Möglichkeiten zur Überwachung stark ein.

Verunmöglicht werde diese dadurch aber nicht. Mit dem Einsatz von Spionageprogrammen - auch Staatstrojaner genannt - könnten Programme auf das zu überwachende Gerät eingeschleust und Daten aus verschlüsselten Messengerdiensten wie Threema, WhatsApp, iMessage etc. in lesbarer Form zugänglich gemacht werden. Mit IT-forensischen Mitteln könnten die Daten auch direkt ab beschlagnahmten Geräten erhoben werden. Gemeint ist, dass Nachrichtendienst und Polizei ähnlich wie Kriminelle Sicherheitslücken in Betriebssystemen wie iOS, Android, Windows oder Mac sowie verbreiteter Software wie Chrome, Safari, Office etc. nutzen, um verschlüsselte Kommunikation zu «knacken» und verdächtige Personen zu überwachen. Solche Schwachstellen bzw. Tools, um die Lücken auszunutzen, werden von spezialisierten Firmen an Behörden verkauft.

Dank diesen Möglichkeiten sei sichergestellt, dass die Sicherheitsbehörden in den gesetzlich vorgesehenen Fällen Zugriff auf verschlüsselte Kommunikation hätten, schreibt der Bundesrat. Der Einsatz von Staatstrojanern muss durch ein Gericht genehmigt werden (was in der Regel kein Problem ist).

Der Bundesrat hält gleichzeitig fest, die Bürgerinnen und Bürger sowie die Wirtschaft seien zum Schutz ihrer Daten bei der digitalen Kommunikation auf effiziente Schutztechnologien angewiesen. Auch für die Strafverfolgung und den Nachrichtendienst seien die Verschlüsselungstechnologien wichtig. Die Ironie an der Geschichte: Der Bund setzt selbst auf Threema. Würde man Threema verpflichten, die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung zu schwächen, würde man die eigene Kommunikation gefährden. (oli/sda)

DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Nicht mehr anzeigen

21 Beispielfotos mit dem Nokia 7.2: Das kann die 48-MP-Kamera

So stoppst du die Handy-Überwachung

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

13
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
13Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Supermonkey 17.11.2019 11:46
    Highlight Highlight Und wie stellt man sich vor Staatstrojaner zuverlässig auf unixoide Systeme zu schleusen? Mein Gott was träumen diese Leute nachts? Ausser einen Haufen Kosten, da die ausgenutzen Lücken praktisch täglich kommen und gehen ist es ein Kampf gegen Windmühlen.
    Und wenn jemand wirklich inkognito kommunizieren will klappt das selbst mit einer Komplettüberwachung a la China. In China geht es ja auch...
  • GraveDigger 17.11.2019 09:21
    Highlight Highlight Na wenn der Bundesrat auf einen Staatstrojaner setzt bin ich erleichtert. Dann wird dieser bestimmt sehr professionell.
    Gutes Beispiel ist Insieme oder FIS Heer. Kostet viel und taugt nichts.
    Hauptsache die Aufträge dafür werden "wie geschmiert" verteilt.
  • Swen Goldpreis 17.11.2019 00:34
    Highlight Highlight Mein erster Schritt gegen die Massenüberwachung ist, dass ich prinzipiell nur noch bar bezahle. Das ist nicht immer ganz einfach und vor allem beim Einkaufen im Internet teilweise teurer. Aber wir müssen unsere Daten sehr viel besser schützen.
  • Lustiger Baum 16.11.2019 18:05
    Highlight Highlight Ist ja alles nur zum Schutz oder so ähnlich... einfach wieder briefe mit der hand schreiben. Ist sowieso viel persönlicher.
    • Supermonkey 17.11.2019 11:48
      Highlight Highlight Und einfach 100% Abhörsicher 😉 Man kann sogar den Briefinhalt verschlüsseln... Da kann man Millionen für einen Staatstrojaner ausgeben, für genau nichts 😄
  • Meyer Andrej 16.11.2019 11:54
    Highlight Highlight Langsam nähern wir uns Nordkorea an. Glückspielgesetz etc. nur noch lächerlich sowas!
    • Antinatalist ⚠ Lockdown-Fan-Club 16.11.2019 23:48
      Highlight Highlight Das Glücksspielgesetz ist ja noch das kleinste Problem. Das Volk winkt NDG, BÜPF und Sozialdetektive unter tosendem Applaus durch.

      Staatstrojaner sind ziemlich ineffektiv, wenn die genutzte Software Tastatureingaben (Keylogging) und Bildschirmaufnahmen jeglicher Art gegenüber dem OS blockiert.

      Es gibt im Moment nur einen Messenger, der das alles beherrscht - und es ist nicht Threema. Es hat auch kein grünes Logo und wurde auch nicht nach einem alten Kommunikationssystem benannt. Dafür ist es 100% Open Source und auch die NSA scheiterte bisher daran, die Kommunikation auszuspionieren.
  • Garfield91 16.11.2019 03:58
    Highlight Highlight Wenn man liest wo hin die Diskussionen in den anderen europäischen Staaten bezüglich Ende-zu-Ende Verschlüsselung geht, kann man ja froh sein, dass der Bundesrat "nur" auf Staatstrojaner setzt...
    • bebby 16.11.2019 10:37
      Highlight Highlight Letztlich bestätigt der Bundesrat damit nur, dass es keinen 100% Schutz gibt und letztlich potenziell jeder alles anschauen kann. Falls es denn überhaupt von Interesse ist.
      Deshalb setzen gewisse Terroristen seit längerem auf Papier, wie ich gelesen habe.
    • Ueli der Knecht 16.11.2019 14:09
      Highlight Highlight " kann man ja froh sein, dass der Bundesrat "nur" auf Staatstrojaner setzt..."

      Auf mich macht es mehr den Eindruck eines Ablenkungsmanövers.

      So können die Strafverfolgungsbehörden die Herkunft ihrer Mitschnitte mit Staatstrojanern erklären, und müssen nicht zugeben, dass sie Threema längst unterwandert, und deswegen auch Zugriff auf sämtliche privaten Schlüsseln haben (und diese übrigens auch ohne Gerichtsentscheid vorrätig, bzw. vorsorglich speichern dürfen, weil das Konfigurations- und nicht Verkehrsdaten sind).
    • Raro Wetzel 16.11.2019 18:01
      Highlight Highlight Wäre noch gut zu erfahren, auf welche Quellen du deine Aussage, «dass [die Strafverfolgungsbehörden] Threema längst unterwandert» hätten, stützt!? Danke.
    Weitere Antworten anzeigen

Das steckt hinter den «Facebook lässt Nutzer sehen, wer dein Profil besucht»-Postings

In letzter Zeit häufen sich auf Facebook Statusbeiträge, die vorgaukeln, man könne mit einer «exklusiven Funktion» sehen, wer das eigene Profil besucht habe. Das ist natürlich Quatsch. Diese Funktion gibt es auch im Jahr 2020 nicht. Es handelt sich um eine klassische Phishing-Falle. Anders gesagt: Kriminelle machen sich einmal mehr die angeborene Neugier des Menschen zunutze, um an die Passwörter der Facebook-Profile zu gelangen.

Die Masche der Betrüger ist fast so alt wie Facebook selbst, aber …

Artikel lesen
Link zum Artikel