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Mit Feststoffzellen in die elektrifizierte Auto-Zukunft? Der deutsche Autokonzern VW setzt auf eine Erfindung aus dem Silicon Valley. bild: quantumscape.com

Das Batterien-Startup, das VW die Weltherrschaft bei den E-Autos bringen soll

Der Firmenname könnte aus einem James-Bond-Film stammen. Und hinter dem Unternehmen steht Teslas ehemaliger Technik-Chef.



«QuantumScape»?

Das ist kein Titel eines neuen James-Bond-Films, sondern der Name einer nicht mehr so jungen Firma, die seit zehn Jahren an einer revolutionären Batterietechnik forscht. Am vergangenen Freitag erfolgte der Börsengang in New York.

QuantumScape entwickelt sogenannte Feststoffbatterien, die um ein Vielfaches effizienter sein sollen als herkömmliche Lithium-Ionen-Batteriezellen. Das Unternehmen ist ein Spin-Off der kalifornischen Elite-Universität Stanford.

Der Börsengang soll QuantumScape die für die Lancierung der neuen Batterietechnik benötigten Milliarden einbringen. Der VW-Konzern hatte sich vorab etwa 20 Prozent am Start-up gesichert. Zudem besitzen die Deutschen das Erstzugriffsrecht auf die Technologie.

Zu den Investoren gehört auch Bill Gates. Im Aufsichtsrat des Unternehmens sitzt Jeffrey Brian Straubel, Tesla-Mitgründer und bis 2019 Elon Musks technologisches Mastermind, wie «Der Spiegel» am Wochenende berichtete.

Straubel war über 16 Jahre Technik-Chef bei Tesla und zuletzt verantwortlich für das technische Design der Autos und die Batterien des Elektroauto-Pioniers.

«Weltherrschaft»? Ist das nicht übertrieben?

Wiederaufladbare Batterien, auch Akkus genannt, sind das entscheidende Puzzleteil bei allen Geräten, die sich nicht übers Kabel mit Strom versorgen lassen. Dies gilt für Handys, aber vor allem auch für die boomenden Elektrofahrzeuge, weil die Reichweite ein absolutes Killerkriterium ist.

Bis 2030 werde sich die Nachfrage nach Batteriezellen mehr als verzehnfachen, zitierte das Nachrichtenmagazin «Der Spiegel» aus einem Bericht von McKinsey.

Die Autoindustrie werde eigene Zellen produzieren müssen, um den gigantischen Bedarf zu decken und sich nicht von Batteriekonzernen aus Korea, Japan und China abhängig zu machen, die aktuell den Weltmarkt beherrschten. Die Top-5-Batteriehersteller stammten alle aus Asien und brächten es auf einen Marktanteil von mehr als 75 Prozent.

«Wer eine dominante Rolle in der E-Mobilität spielen will, muss die Zelltechnologie beherrschen.»

VW-Manager Frank Blome

Wann ist es so weit?

Das ist fraglich.

Ab 2025 will der VW-Konzern gemeinsam mit QuantumScape in die Batterien-Massenfertigung einsteigen.

Ob dies klappt, ist offen: Die Deutschen testen die Feststoff-Batteriezellen derzeit hinter verschlossenen Türen im niedersächsischen Salzgitter, schreibt «Der Spiegel».

Das Projekt werde mit darüber entscheiden, ob der weltgrösste Autohersteller «im Postverbrennerzeitalter» noch eine führende Rolle spielen könne – oder von Tesla dauerhaft auf die Plätze verwiesen werde.

30.11.2020, Sachsen, Zwickau: Eine vollautomatische Anlage lädt Batterien für den VW ID.3 und ID.4 im VW-Werk Zwickau aus einem Zug. Die am selben Tag in Betrieb genommene Anlage ist das letzte Glied in grünen Logistikkette für den Transport der Batterien der Elektroautos. Mit dem Verzicht auf herkömmliche Lkw soll der CO2-Ausstoß um 11.000 Tonnen gegenüber sinken. Aktuell kommen pro Woche fünf Züge aus dem Batteriewerk in Braunschweig, die Frequenz soll noch steigen. Foto: Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ (KEYSTONE/DPA/Jan Woitas)

Sachsen, Zwickau: Eine vollautomatische Anlage lädt Batterien für den VW ID.3 und ID.4 im VW-Werk Zwickau aus einem Zug. Die Ende November in Betrieb genommene Anlage sei das letzte Glied in der «grünen» Logistikkette für den Transport der Elektroauto-Akkus. Bild: DPA-Zentralbild

Tatsächlich verbucht QuantumScape bislang weder Umsätze noch Gewinne. Und auch der endgültige Nachweis, ob die aussichtsreiche Technologie für die Serienproduktion taugt, stehe noch aus. Zunächst müssten die Batteriezellen die Härtechecks im VW-Labor in Salzgitter überstehen.

Was tut Tesla?

Elon Musk hatte schon früh erkannt, dass die Batterie eine Schlüsseltechnologie für Elektroautos ist. Unter seiner Führung baut Tesla zusammen mit Panasonic Batterien in den eigenen Fabriken. Seit 2020 entsteht auch in der Nähe von Berlin eine Gigafacory, die nächstes Jahr öffnen soll.

Am «Battery Day» Ende September kündigte der Tesla-Chef an, die Herstellungskosten für die eigenen Batterien zu halbieren. Nur so, erklärte Musk, könne sich die Elektromobilität gegen den Benzin- und Dieselantrieb durchsetzen.

«Der Spiegel» schreibt:

«Die Batterie ist das teuerste Teil im Elektroauto, sie macht nach VW-Angaben rund 50 Prozent der Wertschöpfung aus. Halbiert Musk ihre Kosten, wird das gesamte Fahrzeug um 25 Prozent billiger. Tesla hätte dann die Wahl, seine Rivalen entweder im Preis zu unterbieten oder mit deutlich höheren Gewinnmargen auszustechen.»

Was bringts?

QuantumScape und VW versprechen sich von den neuen Akkus erhebliche Vorteile gegenüber heutigen Lithium-Ionen-Akkus. Die Feststoffbatterien («Solid-State») sollen im Vergleich zu den bisherigen «flüssigen» E-Auto-Batterien bei gleicher Grösse fast die doppelte Reichweite bringen.

Weitere Vorteile, die Festbatterien im Vergleich mit Lithium-Ionen-Batterien laut QuantumScape bieten:

Das Erklärvideo (auf Englisch):

abspielen

Video: Vimeo/Quantumscape

Medienberichten zufolge forschen auch chinesische Unternehmen intensiv an Feststoffbatterien. Wer die Massenproduktion erfolgreich schafft, ist nicht entschieden.

Auf Start-ups, die Festkörperakkus entwickeln, habe ein regelrechter Run der Autohersteller eingesetzt, konstatierte die deutsche Wirtschaftswoche schon 2018.

Zwischen Labor und Massenmarkt klafften mindestens acht, vielleicht auch zehn oder zwölf Jahre, sagte damals der Lithium-Ionen-Akku-Erfinder Akira Yoshino aus Japan.

Vorläufig profitieren also nur die Börsenspekulanten. Und von Reichweitenangst geplagte Elektroautofans müssen sich noch etwas gedulden, bis der Super-Akku kommt.

Quellen

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