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DeepNostalgia-Tool von MyHeritage.

Ein verlockendes Angebot, doch sollte man sich der Risiken bewusst sein. Screenshot: watson

Dieses Online-Tool erweckt alte Fotos zum Leben – das ist ziemlich ... 😱

Das Unternehmen MyHeritage bietet mit «DeepNostalgia» kostenlos die Möglichkeit, alte Porträtaufnahmen zu animieren. Die Resultate sind verblüffend, doch sollte man sich gut überlegen, was man preisgibt.



#DeepNostalgia

Bei Twitter, Facebook und Co. kursieren seit ein paar Tagen unter dem Hashtag #DeepNostalgia zahlreiche animierte Fotografien von längst gestorbenen Persönlichkeiten.

Hier wurde ein Porträt der berühmten Naturwissenschaftlerin und Nobelpreisträgerin Marie Curie (1867-1934) animiert:

Hier sehen wir Alan Turing, den britischen Mathematiker und Informatik-Begründer (1912-1954):

Die digitale Animationstechnik funktioniert nicht nur mit Fotografien, sondern auch mit Bildern:

Auch bei Skulpturen lassen sich die Gesichtszüge animieren 😱

Und die Objekte müssen nicht mal Augen haben (wie in diesem Beispiel Alexander der Grosse) 😱😱

Wer macht das?

Hinter den animierten Porträts steckt das US-Unternehmen MyHeritage, eine sogenannte Genealogie-Plattform, die Stammbäume erstellt, basierend auf persönlichen Angaben und DNA-Tests der User. Die 2003 in Israel gegründete Firma stellt die Spezialsoftware namens «DeepNostalgia» allen Interessierten zu Werbezwecken zur Verfügung.

Der Service könne kostenlos auf der Website von MyHeritage genutzt werden, berichtete The Verge (am 28. Februar) und rührte damit natürlich mächtig die Werbetrommel.

So funktionierts:

Logischerweise reizt es viele Menschen, ihre Vorfahren ein bisschen zum Leben zu erwecken. Es kann durchaus herzerwärmend sein, wenn einen die vor vielen Jahren gestorbene Urgrossmutter verschmitzt lächelnd anblickt. Darum war der Deep-Nostalgia-Server immer wieder überlastet.

Wo ist der Haken?

MyHeritage bietet den Gratis-Service selbstverständlich alles andere als uneigennützig an. Das Unternehmen erhofft sich möglichst viele Neuanmeldungen. Und die registrierten Personen werden dann mehr oder weniger direkt aufgefordert, einen Stammbau zu erstellen. Sie sollen also eine DNA-Probe einreichen, mit der Aussicht auf neue Erkenntnisse zur Abstammung und zu möglichen Verwandtschaften.

Bild

screenshot: myheritage.com

Man schickt also eine Speichelprobe an die Firma und wird über die eigene Herkunft aufgeklärt. Was soll daran falsch oder gar gefährlich sein, denn im besten Fall erfährt man vielleicht von einer bis dato unbekannten Erbkrankheit?

Im Internet Health Report (Statusbericht zur Internetgesundheit) wurde schon 2019 auf zahlreiche Risiken und Nebenwirkungen rund um die kommerziellen DNA-Sammler hingewiesen. Die gravierendsten Probleme seien:

«Du bist das eigentliche Produkt. Dein genetischer Code ist wertvoll. Sobald Du ihn an andere weitergibst, hast Du keine Ahnung, welches Unternehmen zu welchem Zweck darauf zugreifen kann.»

Internet Health Report

Wie funktionierts?

Für sein DeepNostalgia-Tool hat MyHeritage beim Tech-Unternehmen D-ID eine Software für Künstliche Intelligenz (KI) lizenziert. So gelingt es den Effekt zu erzeugen, dass sich ein Standfoto scheinbar bewegt. Es sei ein bisschen wie Apples «Live Photo»-Funktion fürs iPhone, konstatiert The Verge. Es würden ein paar Sekunden Video hinzufügt, um Handy-Knipsern zu helfen, die beste Aufnahme zu finden.

Und jetzt du!

Hast du schon mal dein DNA-Probe bei einem kommerziellen Anbieter wie Ancestry oder MyHeritage eingereicht? Bist du der Meinung, dass trotz der oben aufgeführten Risiken und Nebenwirkungen die Vorteile überwiegen?

Quellen

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Ich presse meinen Leib aus von dem, was er hält, ich siebe alle meine Worte; denn Wiederholung ist alles, was man sagt, und alles Gesagte ist schon einmal gesagt.

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