EM 2016
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epaselect epa05383590 Iceland fans before the UEFA EURO 2016 group F preliminary round match between Iceland and Austria at Stade de France in Saint-Denis, France, 22 June 2016.

(RESTRICTIONS APPLY: For editorial news reporting purposes only. Not used for commercial or marketing purposes without prior written approval of UEFA. Images must appear as still images and must not emulate match action video footage. Photographs published in online publications (whether via the Internet or otherwise) shall have an interval of at least 20 seconds between the posting.)  EPA/GEORGI LICOVSKI   EDITORIAL USE ONLY

Bild: GEORGI LICOVSKI/EPA/KEYSTONE

Island und seine Vorgänger: 7 Wege, um Sieger der Herzen zu werden



Island kann Fussball-Europameister werden. Es braucht nur Frankreich und anschliessend Deutschland oder Italien zu schlagen, dann steht die Überraschungsmannschaft bereits im Final. Portugal oder Belgien dürften dann auch kein Problem mehr sein.

Sollte es hingegen nicht reichen, dann sind die Nordländer auf jeden Fall Sieger der Herzen, wie man so schön sagt. Warum das nicht nur am Fussball liegt, haben wir bereits erörtert (93 Gründe ausser Fussball, warum man Island einfach lieben muss). Warum das ganze Islandgetue nervt, ebenfalls (0 Gründe, Island an der EM zu unterstützen).

Fakt ist: Island mag die Überraschungsmannschaft des Turniers sein, die Gründe hierfür sind überhaupt nicht überraschend, sondern folgen einem bekannten Schema. Sympathieträger kann eine Mannschaft aufgrund unterschiedlicher Faktoren werden:

Der siegreiche Underdog

epaselect epa05395495 Players of Iceland celebrate after they defeated England 2-1 in the UEFA EURO 2016 round of 16 match between England and Iceland at Stade de Nice in Nice, France, 27 June 2016.

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Bild: EPA/MTI

Teams wie Island machen Turniere unterhaltsam, denn würden die Favoriten immer gewinnen, wäre das sehr langweilig. Der Underdog-Faktor ist umso höher, je mehr Grosse er schlägt oder in der Ko-Runde sogar aus dem Turnier haut. Islands 1:1 gegen Portugal in der Gruppenphase war fast wie ein Sieg. Das 2:1 gegen England im Achtelfinal ein Erdbeben.

Es hilft zudem, wenn nicht nur die Fussball-Mannschaft, sondern gleich das ganze Land ein bisschen Underdog ist. So wie das winzige Island eben. Oder Kamerun 1990 (dazu später mehr). Das hochentwickelte Südkorea hingegen schaffte es an der WM 2002 sogar bis ins Halbfinal. Trotzdem blieb die K-Hysterie aus.

Der geläuterte Favorit

Fans feiern auf der Fanmeile in Berlin waehrend der Fussball-Weltmeisterschaft in Deutschland am 24 . Juni 2006.

Bild: AP

Auch Favoriten können Gewinner der Herzen sein, aber dafür muss etwas Ausserordentliches passieren. Meine Generation wuchs mit dem blöden Spruch auf: «Wir Schweizer sind neutral, es ist uns egal, wer Deutschland schlägt». Spätestens seit der WM 2006 ist das nicht mehr cool. Deutschland spielte während des «Sommermärchens» nicht nur ziemlich ansehnlichen Fussball, sondern organisierte auch eine verdammt gute WM. Das Ausscheiden gegen Italien im Halbfinal wurde deshalb auch hierzulande mit einigem Bedauern zur Kenntnis genommen.

Der geniale Einzelspieler

FILE - In this June 29, 1986, file photo, Diego Maradona, holds up the trophy, after Argentina beat West Germany 3-2 in their World Cup soccer final match, at the Atzeca Stadium, in Mexico City. On this day: Maradona leads Argentina to its second World Cup triumph. (AP Photo/Carlo Fumagalli, File)

Bild: Carlo Fumagalli/AP/KEYSTONE

Stars gibt es viele. Einige von ihnen sind so gut, dass sie grosse Teile der Fussballwelt zu Fans ihrer Mannschaft machen. Frage: Wer kennt einen Spieler aus dem argentinischen Team, das 1986 die WM in Mexiko gewann – ausser Diego Armando Maradona? Eben. Mir fällt noch Pumpido ein, weil es lustig klingt.

Argentinien gewann auch die Heim-WM 1978 und erreichte 1930, 1990 und 2014 den Final. Doch in der Wahrnehmung zählt allein 1986, als Maradona das Turnier seines Lebens spielte. Seine beiden Tore im Viertelfinal gegen England, eins mit der Hand, das andere nach einem Monster-Dribbling, gehören zum kulturellen Erbe des Weltfussballs. Selbst seine späteren persönlichen und professionellen Misserfolge haben dem Ansehen der Albiceleste nicht geschadet.

Die geniale Mannschaft

epa02239713 (FILE) A file picture dated 07 July 1974 shows Gerd 'Bomber' Mueller (C) fighting for the ball with Dutch international Wim Rijsbergen (L) at the Olympic Stadium Munich after the 1974 World Cup final game between Germany and the Netherlands, in which Mueller shot the winning 2-1 goal. Germany hopes for a World Cup 'dream final' against the Netherlands at this year's World Cup in South Africa. Should Germany beat Spain in the semifinals, the wolrd would see a sequel to the 1974 final. 36 years ago, Germany won the second of its three Wolrd Cup titles in Munich.  EPA/SCHNOERRER

Bild: EPA

Einige Mannschaften spielen derart aussgewöhnlich, dass ein ganzes Jahrzehnt oder eine ganze Generation mit ihnen assoziiert wird. In diese Kategorie gehören Ungarn und die 1950er («Golden Team») sowie Holland und die 1970er («Totaalvoetbal»). Die Tragik, dass ihnen dennoch grosse Titel verwehrt blieben, ist möglicherweise entscheidend für den Status des Sympathieträgers. Das über mehrere Jahre absolut dominante Spanien ist wohl international respektiert und bewundert, aber Herzen fliegen ihnen ausser aus der Heimat kaum zu.

Der geniale Fussball

Brazil's Pele is hoisted on shoulders of his teammates after Brazil won the ninth World Cup final against Italy, 4-1, in Mexico City's Estadio Azteca, Mexico, on June 21, 1970.  Pele, who scored the opening goal of the game and assisted two, wins his third winner's medal.  The World Cup victory is Brazil's third win for the Jules Rimet Cup.  (KEYSTONE/AP Photo)

Bild: WCSCC AP

Ein Spezialfall von Punkt 4 – und doch eine Kategorie für sich: Brasilien ist praktisch Dauer-Sympathieträger. Oder war es zumindest bis zur 1:7-Demontage gegen Deutschland an der Heim-WM 2014. Klingende Namen wie Pelé, Garrincha, Zico, Sócrates, Romario und Ronaldo belegen, dass das Land über mehrere Generationen hinweg Ausnahme-Fussballer hervorbringt. Der Grund für seine Popularität dürfte indes nicht primär an diesen Spielern, sondern am brasilianischen Spiel an sich liegen, das sie verkörpern. Franz Beckenbauer hat die Seleção von 1970, welche mit Pelé die WM in Mexiko gewann, als beste Mannschaft aller Zeiten bezeichnet.

Der Paradiesvogel

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Dass Schweizer Kinder und Jugendliche 1990 plötzlich alle ein Kamerun-Shirt haben wollten, lag nicht nur am Underdog-Bonus (siehe Punkt 1, die «Löwen» besiegten den amtierenden Weltmeister Argentinien in der Vorrunde sensationell mit 1:0). Es hatte auch und vor allem mir Roger Milla zu tun. Der musste im Alter von 38 Jahren vom Staatspreäsidenten Kameruns erst zur Turnierteilnahme in Italien überredet werden. Dort erzielte er vier Tore, die er jeweils mit einem Tänzchen an der Eckfahne feierte. Milla war ein guter, aber kein überragender Spieler. Doch sein Alter – er ist der älteste WM-Torschütze aller Zeiten – und seine Torjubel-Routine machten ihn und seine Mannschaft zum Sieger der Herzen.

Der ewige Verlierer

England goalkeeper Joe Hart, left, and two others player lie on the pitch at the end of the Euro 2016 round of 16 soccer match between England and Iceland, at the Allianz Riviera stadium in Nice, France, Monday, June 27, 2016. Iceland won 2-1. (AP Photo/Ariel Schalit)

Bild: Ariel Schalit/AP/KEYSTONE

Den letzten (und einzigen) Titel gewann England an der Heim-WM 1966. Seither scheidet der ewige Favorit stets mehr oder weniger tragisch/blamabel aus. Trotzdem halten viele Schweizer Fans den Three Lions die Treue. Oder gerade deshalb? Man weiss es nicht. Ein Kollege auf der Redaktion verweist auf die «romantische Sicht auf den englischen Fussball» sowie den Bonus als Gründerland des Sports.

Sollte wiederholtes tragisches Ausscheiden ins Gewicht fallen, könnte auch die Schweiz bald zu den Gewinnern der Herzen werden.

Das Rätsel

Dutch soccer fans cheer as they watch the live screening of the Euro 2008 European Soccer Championship Group C match between the Netherlands and France, at the fan zone in Bern, on Friday June 13, 2008. (KEYSTONE/Ennio Leanza)

Bild: KEYSTONE

An der EM 2008 in der Schweiz und Österreich wurde Holland zum Sympathieträger. Bei der Gruppenpartie gegen Frankreich im Stade de Suisse versank Bern in orange. Darunter soll es auch Fans mit holländischer Staatsangehörigkeit gehabt haben. Was die Schweizer bewegte, plötzlich für die Oranje und unablässig «Hup Holland» zu schreien, gehört zu den grossen Rätseln der jüngeren Schweizer Sportgeschichte. Möglicherweise hat es mit dem frühen Ausscheiden der eigenen und der Suche nach einer «Ersatz-Nati» zu tun.

Wir sind alle Islandfansson! Hier kommen 93 weitere Gründe, warum man das Land einfach lieben muss

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