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epa04170962 An anti-US flag is seen in front of the Security service building in Lugansk, Ukraine, 18 April 2014, which was occupied by pro-Russian activists who are demanding broader autonomy from Kiev and closer ties to Russia. Pro-Russian activists continued occupying government, police and other administrative buildings in eastern Ukrainian cities, in defiance of an ultimatum by the Ukrainian government to lay down their weapons.  Russia, the United States, the European Union and Ukraine on 17 April had agreed on steps to de-escalate the crisis in Ukraine during talks in Geneva, Switzerland.  EPA/ZURAB KURTSIKIDZE

Bild: EPA

Krim-Krise

Können wir uns die Amerika-Hasser noch leisten?

Wladimir Putin ist der Hoffnungsträger von Altlinken und Neurechten geworden. Ihr Feindbild sind die USA und die EU. 



«USA bestimmen – Schweiz und Deutschland kuschen» lautet der Titel des jüngsten Kommentars von Arthur Rutishauser, Chefredaktor der «SonntagsZeitung». Er dürfte die Stimmung gegenüber Amerika auf den Punkt bringen. Die Schweizer fühlen sich von der Supermacht bedrängt. Gleichzeitig erwarten sie Schutz gegen die neue Gefahr aus Russland. Wie soll das aufgehen?

Nicht nur die Schweizer hegen derzeit zwiespältige Gefühle gegenüber den Vereinigten Staaten. Die Krise in der Ukraine hat dazu geführt, dass in der «Frankfurter Allgemeinen», aber auch im «Economist» oder der «Liberation» die neue Gretchenfrage gestellt wird: Wie hältst du es mit den USA

Amerikaner sind nicht mehr vom Mars und Europäer nicht mehr von der Venus

Von einem neuen Kalten Krieg ist zwar viel die Rede, doch die Rolle der USA hat sich seit dem Fall der Berliner Mauer stark verändert. Nur militärisch sind sie nach wie vor eine Supermacht. Wirtschaftlich hingegen ist China im Begriff, die grösste Volkswirtschaft der Welt zu werden. Und was die Softpower betrifft, den kulturellen Einfluss auf den Lebensstil, schwindet der Einfluss ebenfalls. Der «American way of life» hat viel von seiner Faszination eingebüsst. 

Vor gut zehn Jahren sorgte der konservative Politologe Robert Kagan mit mit einem Essay für Aufregung. Darin verglich er die Amerikaner mit dem römischen Kriegsgott Mars und Europa mit der Liebesgöttin Venus. Er wollte damit ausdrücken, dass die kriegerischen Amerikaner die Welt vor neuen Gefahren wie dem muslimischen Fundamentalismus bewahrten, während sich die Europäer behaglich im gut bestückten Wohlfahrtsstaat ausruhten. 

Weichei Obama gegen Supermacho Putin

Der Vergleich hat sich überholt. Nach den debakulösen Feldzügen von Bush, Cheney & Co. hat die Mehrheit der Bevölkerung die Schnauze voll von Krieg. Das hindert die Hardliner allerdings nicht daran, Präsident Barack Obama vorzuwerfen, er sei ein Weichei und als Sozialarbeiter nicht fähig, dem Oben-Ohne-Macho Wladimir Putin die Stirn zu bieten. 

In dieser verworrenen Situation wird die Krise in der Ukraine zur Stunde der Wahrheit. Sie wird nicht in ein paar Wochen vorbei und in ein paar Monaten vergessen sein, sondern sie ist zum Symbol dafür geworden, dass die Hoffnung auf ein «Ende der Geschichte» sich endgültig in Luft aufgelöst hat. Eine Welt, in der in allen Nationen Marktwirtschaft und Demokratie sich durchsetzen und Konflikte friedlich und rational gelöst werden, wird es so schnell nicht geben. 

Die Putin-Versteher

Nicht nur für in ihrem ehemaligen Supermacht-Stolz gekränkte Russen ist Putin ein Hoffnungsträger geworden. Auch Chinesen, Inder und Brasilianer können eine heimliche Schadenfreude kaum verbergen, dass jetzt endlich jemand den USA die Stirn bietet. In Europa hat sich derweil eine seltsame Koalition aus Altlinken und Neorechten gebildet, die sich daran ergötzen, dass Putin die EU in Schwierigkeiten bringt. Die Krise in der Ukraine könnte daher dereinst als Ausgangspunkt einer neuen Weltordnung gesehen werden. 

Für den Westen steht viel auf dem Spiel. Bisher sieht es nicht danach aus, als ob das Bewusstsein der Politiker und Wirtschaftsführer mit der realen Entwicklung Schritt hält. In Deutschland sind die Putin-Versteher zahlreich und in höchsten Positionen anzutreffen. Siemens- und Mercedes-Manager sehen ihre Geschäfte gefährdet, gleich drei Altbundeskanzler – Schmidt, Kohl und Schröder – weibeln um Verständnis für den russischen Präsidenten. Am weitesten geht dabei Gerhard Schröder. Er sitzt weiterhin im Aufsichtsrat des Energieriesen Gazprom und herzt öffentlich seinen Kumpel Putin. 

Mit den Waffen des 21. Jahrhunderts

Die Sowjetunion hat im Kalten Krieg den Westen geeint und das Militärbündnis NATO zur Erfolgsgeschichte gemacht. Mehr als zwei Jahrzehnte lang konnte sich Europa in der Illusion wähnen, dass die Rüstungsausgaben massiv gesenkt und der Weltpolizist USA für Ordnung sorgen werde. 

Ganz falsch war Kagans Vergleich von Mars und Venus ja nicht. Deshalb ist es auch heuchlerisch, wenn man sich darüber beklagt, nach der Pfeife der Amerikaner tanzen zu müssen und gleichzeitig nicht bereit ist, selbst Opfer zu bringen. Es geht nicht um Aufrüstung und neuen Militarismus. Das wäre ungefähr das dümmste und schlechteste Resultat der Krise in der Ukraine. Das ist auch keineswegs die Absicht der Amerikaner. 

Präsident Obama hat eine militärische Option unmissverständlich ausgeschlossen und erklärt, Putins Politik des 19. Jahrhunderts müsse mit den Mitteln des 21. Jahrhunderts bekämpft werden. Dabei handelt es sich vor allem um smarte Wirtschaftssanktionen. Diese sind ebenfalls nicht zum Nulltarif erhältlich. Daran wird man sich auch hierzulande gewöhnen müssen und auch daran, dass wir uns plumpen Antiamerikanismus nicht mehr leisten können. 

Lesen Sie mehr zur Krim-Krise und zu den USA

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