Eurovision Song Contest
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Der Siegersong aus Schweden. YouTube/EscSweden15

Schwedens ESC-Triumph ist eine verpasste Chance für Russland. Und Estland sollte sich besser einen Wecker stellen



Okay, Schweden hat also nach 1974, 1984, 1991, 1999 und 2012 schon wieder einen ESC gewonnenMit Måns Zelmerlöw und seinen Strichmännchenhelden. Das ist so korrekt wie schade. Es wäre grandios gewesen, wenn die herzige Polina Gagarina aus Russland gewonnen hätte. Richtig super. Superer wärs gar nicht gegangen. Dann wäre der homophobe Herr Putin gezwungen gewesen, die schwulste Veranstaltung der Welt in Würde durchzuführen. Alle Länder hätten bärtige Damen nach Moskau geschickt, und die Veranstaltung hätte so viel Sinn gemacht wie in den sechzig Jahren vorher nie. Schade.

epa04764307 Mans Zelmerloew representing Sweden performs during the Grand Final of the 60th annual Eurovision Song Contest (ESC) at the Wiener Stadthalle in Vienna, Austria, 23 May 2015. There are 27 finalists from as many countries competing in the grand final.  EPA/GEORG HOCHMUTH

Gewann nicht nur die Herzen aller Grafiker: Måns Zelmerlöw. Bild: EPA/APA

Aber zurück zum Wettbewerb. Die Leute hatten wirklich schlimme Beziehungsprobleme. «Ich ha di nid wölle wecke, mini Liebi isch nie gnueg für di, i ha mini Sache packt und bi gange.» – «Aber worum hesch mi nid gweckt!» – «Will di nid ha wölle wecke!» – «Aber worum hesch mi nid gweckt!» Und so sinngemäss und so weiter. Estland

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Der Beitrag aus Estland. YouTube/Eurovision Song Contest

«Woni jung gsi bi, hani öppis Schröcklichs gmachts, drum isches besser, mir trenne öis, als dass du miteme Monschter wie mir zäme blibsch.» Und so weiter. Norwegen.

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Norwegens Auftritt. YouTube/Eurovision Song Contest

Und die Italiener erst! Im Video der überraschend weit gekommenen Il Volo ist genau zu sehen, wie sich die drei Tenöre oder Sopranos oder so gegenseitig die Mädchen ausspannen und sich dann verprügeln. 

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Die Italiener mit ihrem ESC-Song. YouTube/Eurovision Song Contest

Die Schweiz holte im Halbfinale vier Punkte

Nach dem Finale sind jetzt auch die Detailergebnisse der Halbfinals veröffentlicht worden. Sieger Måns Zelmerlöw aus Schweden dominierte bereits sein Halbfinale, die Schweiz belegte den letzten Platz. Nur gerade vier Punkte verbuchte die Genferin Mélanie René mit ihrem Titel «Time To Shine» für die Schweiz im zweiten Halbfinal. Sie verpasste damit den Einzug in den Final noch hinter San Marina mit 11 Punkten und Island mit 14 Punkten. Mit 217 Punkten lag der später ESC-Sieger Schweden bereits in der Ausscheidung deutlich vor Lettland mit 155 und Israel mit 151.

Als die Spanierin auf der Bühne von einem Typen hochgehoben wurde, sagte der Psychoanalytiker Peter Schneider im SRF3-Kommentar: «Jetzt kommt wieder die häusliche Gewalt in der Familie. Aber starke Frauen wie Julia Onken wissen sich dagegen zu wehren. Der Mann symbolisiert die KESB.» Über einen österreichischen Kinderchor sagte er: «Ist doch schön, so viele Kinder auf der Bühne und nicht nur im Keller.» 

ESC – die Entscheidung

Der ESC selbst war mal wieder wie die Oscars lang und langweilig. Letztes Jahr hatte ja die erhabene, die einzigartige Conchita, die jetzt leider die Wurst von ihrem Namen abgeschnitten hat – eine symbolische Kastration? –, schon Wochen vorher für eine Euphorie in der Regengebogen-Community gesorgt. Dieses Jahr ist nun Irland mit seinem Abstimmungswunder kurzfristig eingesprungen. Es hätten sich, schwören die irischen Homos, den ganzen Tag über Regenbögen über ihr Land gespannt. Über Wien irgendwie nicht. Egal. Wien hat ja schon die schwul-lesbischen Ampelmännchen. 

epa04764575 Polina Gagarina (left) representing Russia and Conchita Wurst during the voting process at the Grand Final of the 60th annual Eurovision Song Contest (ESC) at the Wiener Stadthalle in Vienna, Austria, 23 May 2015. There are 27 finalists from as many countries competing in the grand final.  EPA/GEORG HOCHMUTH

Jetzt ist klar: Polina aus Russland kann nicht aus Freude weinen. Bild: EPA/APA

«Denk an den krebskranken Weinbauern, der jetzt Freude aus dem ganzen zieht», sagte Peter Schneider zu seinem Ko-Kommentator Gabriel Vetter («Es ist Satire, Sie dürfen uns nicht erschiessen!»). Nach der Hälfte der Punktevergabe meinte Vetter: «Ui, Deutschland, Österreich, Polen: null Punkte. Hitler hat wirklich verloren. Dafür hat er den Contest nicht gemacht.» War es die Strafe Europas für Merkels mäkelige Sparpolitik? Vetter fand den englischen Beitrag «reaktionär-sexistische Kackescheisse», Schneider entpuppte sich als Overknee-Stiefel-Fetischist. Danke Jungs, you made the night.

11,71 Millionen Euro hat der «gay Superbowl», wie die Amerikaner den ESC nennen, Wien gekostet. Der Motor lief, die Wiener gaben Mozart, Beethoven, Udo Jürgens und Conchita, Conchita, Conchita zum besten, bloss Falco fehlte, und die Ausschnitte lagen heuer enorm tief. Ungarn sang wie Russland für den Frieden. Belgien war irgendwie sexy und edgy. Österreich fackelte auf der Bühne einen Flügel ab. Frankreich beweinte ein Dorf, das im Zweiten Weltkrieg wahrscheinlich von österreichischen Nazis zerstört worden war. Israel heulte sich erst bei der Mama aus und ging dann abtanzen und jubelte: «I'm the king of fun.» Gastland Australien sang am besten. Es ist vorbei. Bye bye Maienmond.

ESC, die grosse Finalistenparade

Alle Resultate gibt's hier.

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