Gesellschaft & Politik
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Attentat auf Charlie Hebdo

Frankreich jagt die Attentäter: «Die gnadenlose Exekution erinnert an die Schock-Videos des Islamischen Staats»

Die Attentäter gingen brutal und professionell vor. Nach dem Anschlag auf das Satiremagazin «Charlie Hebdo» sind Tausende Polizisten auf der Suche nach den drei Angreifern, auch die Anti-Terror-Sondereinheit Raid. 



Ein Artikel von

Spiegel Online

«Allah ist gross» und «Wir haben den Propheten gerächt»: Das sollen die drei Attentäter unter anderem in perfektem Französisch beim Angriff auf das französische Satiremagazin «Charlie Hebdo» gerufen haben. So berichten es Augenzeugen. Die Männer sind flüchtig, die Fahndung läuft. 

Fernsehbilder zeigen, dass Hunderte Polizisten in Paris im Einsatz sind. Die Behörden sprachen von 3000 Beamten, darunter die Sondereinheit Raid, die bei Entführungen und Anschlägen eingesetzt wird. In der französischen Hauptstadt herrscht höchste Sicherheitsstufe. 

French soldiers patrols at the Eiffel Tower after a shooting at a French satirical newspaper, in Paris, France, Wednesday, Jan. 7, 2015. France reinforced security at houses of worship, stores, media offices and transportation after masked gunmen stormed the offices of a French satirical newspaper Wednesday, killing at least 11 people before escaping, police and a witness said. The weekly has previously drawn condemnation from Muslims. (AP Photo/Christophe Ena)

Höchste Sicherheitsstufe in Paris: Soldaten patrouillieren beim Eiffelturm. Bild: Christophe Ena/AP/KEYSTONE

Beamte untersuchten vor dem Gebäude der Redaktion im elften Arrondissement im Zentrum von Paris einen schwarzen Kleinwagen. Die Attentäter benutzten das Auto, um zum Anschlagsort zu kommen. Gegen 11.30 Uhr hatten sie das Feuer in den Redaktionsräumen des Satire-Magazins eröffnet, das in der Vergangenheit mehrfach mit provokanten Mohammed-Karikaturen für Schlagzeilen gesorgt hatte. Das Redaktionsgebäude steht seit Monaten unter Polizeischutz. 

Auf ihrer Flucht griffen die Männer, die mit einer Kalaschnikow und einer Pumpgun bewaffnet sind, eine herbeigerufene Polizeistreife an. Zwei Polizisten sollen bei dem Schusswechsel getötet worden sein. 

So soll die Fluchtroute der Täter ausgesehen haben, die französische Agentur IDE twitterte diese Grafik, wonach es in der Nähe der Porte de Pantin erneut zu einer Schiesserei kam, als die Attentäter in einem Renault Clio ihre Flucht fortsetzten. Dabei überfuhren sie später einen Fussgänger. 

Deutsche Sicherheitsexperten vermuten angesichts der Vorgehensweise einen radikal-islamischen Hintergrund, die Angreifer könnten Rückkehrer von den Kämpfen in Syrien und dem Irak sein. «Die Videos zeigen zwei Täter, die bestens im Umgang mit schweren Waffen geschult sind und sie routiniert benutzen», sagte ein deutscher Terror-Fahnder Spiegel Online, «so eine Kampferfahrung lernt man nicht in Europa». 

Die Brutalität der Täter schockiert selbst erfahrene Ermittler. Die «gnadenlose Exekution» eines bereits verletzten Polizeibeamten durch einen Kopfschuss erinnere an die Schock-Videos des «Islamischen Staats» (IS) aus Syrien. «Offenkundig war die Tat von langer Hand geplant und wurde heute ohne jedes Zögern durchgezogen», so der Experte. Eine solche Planung sei nur möglich, wenn die Täter bereits Erfahrungen mit Militär- oder Guerillaoperationen hätten, analysierte er. 

Präsident Francois Hollande begab sich sofort an den Tatort. Angesichts des «Terroraktes» rief er die Nation zur Einheit auf. Diese «Barbarei» sei ein «Schock für Frankreich», sagte der sozialistische Staatschef. Er berief eine Krisensitzung des Kabinetts ein, das derzeit tagt. 

Bereits am 2. November 2011 war auf die Redaktion des Satiremagazins am Boulevard Davout in Paris ein Brandanschlag verübt worden, der mutmasslich mit dem Abdruck einer Mohammed-Karikatur auf der Titelseite in Zusammenhang stand. 

Seine aktuelle Ausgabe vom Mittwoch widmete das Magazin dem neuen Roman des französischen Skandal-Autors Michel Houellebecq, der darin die Machtübernahme durch einen muslimischen Präsidenten in Frankreich im Jahr 2022 beschreibt. (heb/mgr/dpa/AFP)

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