DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Über 60 Durchsuchungen in Österreich gegen Muslimbruderschaft



epa08802915 Armed Austrian police officers during a raid at a mosque in Vienna, Austria, 06 November 2020. According to reports, Austrian Interior Minister announced on 06 November the closure of all 'radical' mosques in the country after a terrorist attack on 02 November where four people were killed and 22 injured.  EPA/FELIX HUBER

Österreich geht gegen Islamisten vor. Bild: keystone

Österreichische Behörden haben am Montag Razzien gegen mutmassliche radikale Islamisten durchgeführt.

Die Razzien am Montagmorgen gegen Personen und Vereine, die die Muslimbruderschaft und die Palästinenserorganisation Hamas unterstützen sollen, stünden nicht im Zusammenhang mit dem islamistischen Terroranschlag vor einer Woche in Wien, teilte die Staatsanwaltschaft Graz mit.

Die Ermittlungen gegen mehr als 70 Beschuldigte sowie mehrere Vereine liefen demnach bereits seit über einem Jahr. Hunderte Einsatzkräfte durchsuchten am Morgen mehr als 60 Wohnungen, Geschäfts- und Vereinsräume in Wien sowie der Steiermark, Kärnten und Niederösterreich. 30 Menschen sollten vernommen werden. Ermittelt wird unter anderem wegen Verdachts der terroristischen Vereinigung, der Terrorismusfinanzierung und der Geldwäsche.

Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) nannte die Aktion Teil des Kampfs gegen «die Ideologie des politischen Islams und die Finanzierer von Radikalisierung und Terrorismus». Ziel der Ermittlungen war die Muslimbruderschaft. Die aus Ägypten stammende Bewegung ruft, anders als dschihadistische Gruppen, nicht zur Gewalt auf, strebt aber die Durchsetzung des islamischen Rechts (Scharia) an.

In Europa geht es ihr vor allem darum, möglichst viele Anhänger zu gewinnen, die nach den Vorstellungen der Bruderschaft leben und den politischen Spielraum für Islamisten zu erweitern. In Österreich kam eine umstrittene Studie vor drei Jahren zu dem Schluss, dass die Muslimbruderschaft dort keine direkten Ableger habe, aber mit anderen Vereinen stark vernetzt sei.

«Die Muslimbrüder sind eine Organisation, die perfekt versteht, zivile Gesellschaftsstrukturen zu unterwandern. Sie tritt nicht in klassischer brutaler Rhetorik, die man von Radikalisierten kennt, in Erscheinung, sondern versucht es über andere Wege und das macht sie so gefährlich», sagte Nehammer.

Vertreter der Muslimbrüder in Österreich unterstützten nach Angaben der ermittelnden Staatsanwaltschaft Graz auch die Tätigkeit der palästinensischen Hamas-Bewegung, die von der EU als Terrororganisation eingestuft wird. «Der militärische Arm der Hamas ist verboten in Österreich, deshalb war es uns möglich, diese Ermittlungen so intensiv zu führen», erklärte Nehammer.

Die langgeplante Aktion hätte nach dem Anschlag eines vorbestraften IS-Sympathisanten mit vier Todesopfern am Montagabend in Wien indes fast schief gehen können. Der Ex-Innenminister Herbert Kickl von der rechtspopulistischen FPÖ hatte in einer Pressekonferenz am Mittwoch von einer für Dienstag geplanten geheimen Polizeioperation mitsamt ihrem Codenamen «Ramses» gesprochen. Die sei der Grund dafür gewesen, dass Einsatzkräfte bei dem Anschlag schnell eingreifen konnten. Polizisten hatten den Täter neun Minuten nach dem ersten Notruf erschossen.

Medienberichte, dass es sich bei dem nun «Luxor» genannten Aktion um «Ramses» handelte, bestätigte Nehammer nicht ausdrücklich. Er betonte aber, dass der Einsatz kurzfristiges Umdenken erfordert habe. Innerhalb der Behörden werde ermittelt, wie Details über eine geheime Operation an die Öffentlichkeit gelangen konnten, sagte der Chef der obersten Polizeibehörde, Franz Ruf.

Der Terroranschlag in Wien vom 2. November 2020

1 / 14
Der Terroranschlag in Wien vom 2. November 2020
quelle: keystone / ronald zak
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

Die österreichische Regierung hatte nach dem Terroranschlag von Wien mit vier Todesopfern und über 20 Verletzten angekündigt, verstärkt gegen die Ideologie des politischen Islams vorzugehen. Die Sicherheitsbehörden stehen derweil wegen Ermittlungsfehler im Vorfeld des Anschlags von Wien weiter massiv in der Kritik.

Der spätere Attentäter, ein bei Wien geborener vorbestrafter Anhänger der Terrormiliz IS, traf sich im Juli in Wien nicht nur mit zwei vom deutschen Verfassungsschutz beobachteten Männern, sondern auch mit zwei nach dem Anschlag in der Schweiz verhafteten Verdächtigen, wie Ruf bestätigte. Auch mehrere der zehn nun in Untersuchungshaft sitzenden verdächtigen Kontakte des Täters seien dabei gewesen. Tage später fuhr der 20-Jährige in die Slowakei, um Munition für ein Sturmgewehr zu kaufen. (aeg/sda/dpa)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Sekten-Blogger Stamm fordert Verbot der Koran-Verteilaktion «Lies!»

«Mein Kind kämpft beim ‹IS›» – zu diesem Thema diskutierte am Dienstagabend eine gut besetzte Expertenrunde in der SRF-Diskussionssendung «Club». Es waren aber nicht Kriegsreporter Kurt-Pelda oder watson-Sektenexperte Hugo Stamm, die das Publikum am meisten berührten: Sondern das bittere Schicksal des Vaters zweier Dschihadisten. 

Wer ist Schuld, wenn ein Jugendlicher beschliesst, aus dem Westen in den Dschihad zu ziehen? «Sicher nicht die Eltern», darin sind sich watson-Sektenexperte Hugo Stamm, Kriegsreporter Kurt Pelda, Dschihad-Forscherin Miryam Eser Davolio und Psychologe Daniel Lenzo am Dienstagabend in der SRF-Sendung «Club» einig. 

Sichtlich berührt, lauscht die Runde dem tragischen Schicksal des Deutschen Joachim Gerhard, Vater zweier Söhne, Inhaber eines Immobilienunternehmens, einvernehmlich …

Artikel lesen
Link zum Artikel