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Analyse

8 Wesenszüge, die Trump und Hitler gemeinsam haben

Die Memoiren von Hitlers Architekt Albert Speer zeigen, dass die beiden Männer erschreckend ähnlich ticken.



Der einflussreiche republikanische Senator warnt davor, dass Trump die Welt in einen Dritten Weltkrieg führen könnte. Führende US-Psychiater haben an der Harvard University einen Kongress darüber abgehalten, um zu ergründen, ob der Präsident geisteskrank sei. Im Buch «The Dangerous Case of Donald Trump » haben sie die Ergebnisse veröffentlicht. Wird Trump zu einem zweiten Hitler? Ein Vergleich zu den Memoiren von Albert Speer ist erhellend.

Albert Speer war eine der wichtigsten Nazi-Grössen und schon als sehr junger Mann Hitlers Hof-Architekt. Im Krieg leitete er später ein Superministerium, das die Aufgabe hatte, die deutschen Armeen mit genügend Material zu versorgen.

Albert Speer

Albert Speer nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis. Bild: EPA

Die Architektur war die Leidenschaft des Führers. Deshalb hatte Speer praktisch unbegrenzten Zugang zu ihm. Weil er nicht direkt in die Vernichtung der Juden oder Kriegsverbrechen involviert war, wurde er nach dem Krieg nicht hingerichtet, sondern er verbüsste bloss eine 22-jährige Gefängnisstrafe in Spandau.  

Als Architekt hatte Speer Zugang zu Hitler

Nach seiner Freilassung verfasste Albert Speer eine umfangreiche Schilderung seiner Zeit im engsten Zirkel des Führers. Es mag Zufall sein: Die Gemeinsamkeiten zwischen Trump und Hitler sind verblüffend – und erschreckend.  

Trotzdem eine Klarstellung vorneweg: Die aktuelle politische Figur Trump lässt sich nicht mit der historischen Figur Hitler vergleichen. Die USA sind nach wie vor eine Demokratie und ein Rechtsstaat, weshalb Trump nicht in der Lage sein wird, die beispiellos-grauenhaften Verbrechen der Nazis zu wiederholen. Und anders als Hitler hat Trump keinen Plan, einen Genozid zu begehen oder gar einen neuen Weltkrieg anzuzetteln. Aber der Parallelen in Charakter und Verhalten, die aufgrund Speers Schilderungen zwischen Hitler und Trump auffallen, sind nicht wenige. 

Noch ein kleiner technischer Hinweis: Es gibt nur wenige deutsche Ausgaben von Speers Memoiren weshalb die im Rahmen dieser Analyse verwendeten Zitate von der englischen Übersetzung «Inside the Third Reich» zurückübersetzt sind.

Hypochondrie 

Zunächst zum Trivialen: Beide Männer sind Hypochonder. Hitler war stets überzeugt, dass er nur noch kurze Zeit zu leben hatte. Er verzichtete auf Alkohol, ernährte sich vegetarisch – wie übrigens auch andere Nazigrössen wie Rudolf Hess und Heinrich Himmler – und war begeistert von einem dubiosen Naturheiler. Auch Trump trinkt keinen Tropfen Alkohol. Es ist auch bekannt, dass er grosse Angst vor Viren und Bakterien hat und sich weigert, das Smartphone eines seiner Untergebenen auch nur anzurühren.  

epa06162546 Copies of the German weekly news magazines 'Stern' (issue No. 35, 24 August 2017) and 'Der Spiegel' (issue No. 34, 19 August 2017) show a cover page illustration depicting US President Donald J. Trump draped in a US flag and doing the Nazi Salute (R) with a headline reading 'His Struggle' (resembling the title of former German Nazi dictator Adolf Hitler's autobiographical book 'My Struggle') and a person wearing a red tie along with a Ku Klux Klan hood (R), at a newspeper stand in Berlin, Germany, 25 August 2017. Germany's main weekly news magazines 'Stern' and 'Der Spiegel', both had stories on US President on their front cover page, featuring the rise of the US' political right, after Trump's controversial statements on the violent racist unrests in Charlottesville.  EPA/CLEMENS BILAN

Trump als neuer Hitler auf dem Titelblatt des «Stern». Bild: EPA/EPA

Antiintellektualismus

Beide Männer machen sich gar nichts aus Kultur. Der Führer schaute sich stundenlang triviale Filme an oder Wochenschauen, in denen er verherrlicht wurde. Sich gegenseitig zu loben, war in Nazikreisen sehr angesagt. Intellektuelle Gespräche wurden verachtet und verspottet. Den Abend im Kreis von Hitler zu verbringen, war deshalb eine Qual. «Als wir dann in den frühen Morgenstunden nach Hause gingen, waren wir todmüde und ausgepumpt vom Nichtstun», schreibt Speer.  

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Trump als Wrestler. Video: YouTube/Inside Edition

Trump schaut permanent in die Glotze. Selbst während wichtigen Sitzungen sind verschiedene TV-Geräte eingeschaltet und der Präsident unterbricht sofort, wenn er etwas genau sehen will. Sein kulturelles Interesse ist ebenfalls überschaubar, dafür mag er Wrestling.  

Humorlosigkeit 

Hitler hatte keinen Humor, aber er lachte sehr gerne über andere. Reichsmarschall Hermann Göring beispielsweise war ein Meister darin, die Schadenfreude des Führers zu befriedigen und andere Nazigrössen lächerlich zu machen. Auch Trump liebt es, seine Untergebenen zu verspotten und zu demütigen. Sein Justizminister Jeff Sessions kann ein Lied davon singen. Die Art und Weise, wie Trump sein Kabinett vor laufenden TV-Kameras dazu brachte, ihn zu loben, hätte selbst Hitler beeindruckt.    

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Trump lässt sich feiern.   Video: YouTube/CNN

Bewegungsfaulheit

Churchill wird nachgesagt, er hätte keinen Sport betrieben. Zu Unrecht. Der britische Premierminister hat in seiner Jugend leidenschaftlich Polo gespielt und schwamm selbst im hohen Alter noch. Für Hitler hingegen war Sport ein No-Go. Zu mehr als einem Spaziergang zu seinem Teehaus in Obersalzberg war er nicht zu bewegen. «Er hat auch nie erzählt, er hätte sich als junger Mann sportlich betätigt», schreibt Speer.  

Bild

Trump im Golfcart: Laufen mag der Präsident nicht.

Trump spielt Golf – gemäss «Sports Illustrated» ziemlich gut, auch wenn er dabei schummelt –, aber macht dabei keinen Schritt, sondern benutzt den Golfcart. Er ist zudem ein Anhänger einer dubiosen These, wonach jeder Mensch ein gewisses Mass an Energie zu Verfügung hat, das einmal aufgebraucht, nicht mehr erneuert werden kann. Deshalb will er keine Energie mit Sport vergeuden.    

Arbeitsscheu

Hitler war undiszipliniert, faul und interessierte sich kaum für das politische Tagesgeschäft. «Ich habe mich oft gefragt, arbeitet er überhaupt?», so Speer. «Er stand sehr spät auf und leitete dann zwei oder drei offizielle Konferenzen. (...) In den Augen der gewöhnlichen Menschen war Hitler der Führer, der Tag und Nacht über sie wachte. Das traf kaum zu. Hitlers lasches Tagesprogramm war typisch für sein Künstlerwesen.» Die Disziplinlosigkeit Trumps ist bereits Legende, selbst sein neuer Stabschef John Kelly kann nur das Schlimmste verhüten. Und man kann dem US-Präsidenten viel nachsagen, übertriebener Arbeitseifer gehört nicht dazu.  

Ergebenheit vor Fähigkeit

Hitler und Trump verlangen absolute Loyalität von ihren Mitarbeitern. Sie ist ihnen wichtiger als fachliche Kompetenz. Der Oberkommandierende der Wehrmacht Wilhelm Keitel beispielsweise war als Militärstratege eher mittelmässig. Nach den Niederlagen in Russland wurde Hitler gedrängt, ihn zu ersetzen. Er tat es nicht – mit der Begründung, der Mann sei «loyal wie ein Hund».

General Hans-Juergen Stumpf der Luftwaffe, links, Marschall Wilhelm Keitel der Wehrmacht, Mitte, und Admiral Hans-Georg von Friedeburg der deutschen Flotte, rechts, unterzeichnen am 9. Mai 1945 im sowjetischen Hauptquartier in Berlin die Kapitulationsurkunde Deutschlands fuer alle Wehrmachtsteile. (KEYSTONE/Str) ===  ===

Unfähig, aber loyal: Wilhelm Keitel (Mitte) auf der Anklagebank in Nürnberg.   Bild: KEYSTONE

Trump hat FBI-Chef James Comey gefeuert, weil er ihm nicht genug loyal schien, und seinen Justizminister Sessions in den Regen gestellt, weil er das Gesetz über die persönliche Loyalität gestellt hat.  

Teilen und herrschen 

Hitlers Regierung war eine Schlangengrube. Jeder intrigierte gegen jeden, jeder musste sich vor jedem fürchten. Das war so gewollt, Hitler spielte seine Leute gezielt gegeneinander aus. «Manchmal verteilte er ganz bewusst die gleiche Aufgabe an verschiedene Leute», so Speer. «‹Auf diese Weise›», pflegte er zu sagen, ‹setzt sich der Stärkere durch›.»  

Das aktuelle Weisse Haus funktioniert nach dem gleichen Prinzip. Die Grabenkämpfe zwischen den Globalisten (Jared Kushner, H.R. McMaster, Gary Cohn) und den Nationalisten (Steve Bannon, Stephen Miller) und die Spekulationen, wer gerade die besseren Karten beim Präsidenten hat, halten die Journalisten auf Trab. Auch Trump glaubt daran, dass der Stärkere sich durchsetzt und nimmt das Intrigen-Chaos in Kauf.  

Dilettantismus 

Hitler war ein Amateur, er hat weder ein Studium absolviert noch einen Beruf erlernt. Im Militär war er gerademal Gefreiter. Fachwissen ging ihm ab, er setzte auf seine Intuition. «Wie viele Menschen, die sich ihr Wissen selbst beigebracht haben, hatte er keine Ahnung davon, was Fachwissen bedeutet», schreibt Speer. Dieser Amateurismus sei letztlich der Grund für Hitlers Scheitern gewesen. «Je grösser die Versagen wurden, desto hartnäckiger hielt Hitler an seinem Dilettantismus fest», so Speer. «Seine Neigung, wilde Entscheidungen zu fällen, war lange seine Stärke, nun beschleunigte sie seinen Untergang.»  

Auch Trump setzt auf sein Bauchgefühl. Die Feinheiten des Politbetriebs in Washington kennt er nicht – und sie interessieren ihn auch nicht. Komplexe Probleme wie die Krankenversicherung langweilen ihn. Das rächt sich. Es ist ihm nicht gelungen, Obamacare abzusetzen. Bereits jetzt befürchten konservative Kreise, dass seine Steuerreform das gleiche Schicksal erleiden wird.

Fazit: 

Die Liste der Gemeinsamkeiten liesse sich noch verlängern. Es ist zwar, wie eingangs ausgeführt, nicht zulässig, aus diesen Gemeinsamkeiten zu schliessen, dass Trump ein neuer Hitler ist. Doch die Tatsache, dass ein schamloser Narzisst und Egomane im Weissen Haus regiert und über den Einsatz von Atomwaffen entscheiden kann, ist trotzdem nicht wirklich beruhigend. 

Schleimen wie bei Trump? Bei unserem Chef doch nicht ...

Video: watson/Emily Engkent, Maurice Thiriet

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