DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Analyse

Joe Bidens Team ist alles andere als prickelnd – und das ist auch gut so

Renzo ruf, washington / ch media



Der designierte US-Präsident Joe Biden stellte Schlüsselpersonen in seinem Kabinett vor. Wirklich aufregende Persönlichkeiten sind nicht darunter. Und das sei auch gut so, findet unser Korrespondent.

President-elect Joe Biden adjusts his face mask as she walks to speak to the media as he leaves The Queen theater, Tuesday, Nov. 24, 2020, in Wilmington, Del. (AP Photo/Carolyn Kaster)
Joe Biden

Joe Biden setzt auf ein erfahrenes Kabinett. Bild: keystone

Der Kontrast könnte grösser nicht sein. Donald Trump scharte bei seinem Amtsantritt Unternehmer (Rex Tillerson), Generäle (Jim Mattis) und gescheiterte Präsidentschaftskandidaten (Ben Carson) um sich, weil er den Politbetrieb in Washington aufmischen wollte. Sein Nachfolger Joe Biden hingegen setzt auf Erfahrung und Kompetenz.

Der designierte Präsident will die Schlüsselpositionen in seinem Kabinett mit Figuren wie Janet Yellen (Finanzministerin), Tony Blinken (Aussenminister) und Michèle Flournoy (Verteidigungsministerin) besetzen. Gemein haben diese Namen, dass sie sich in den Hauptstädten dieser Welt nicht mehr vorstellen müssen.

Sie alle sind Insider, die von der ersten Minute an (sobald der Senat sie auf ihrem Posten bestätigt hat) mit der Arbeit beginnen können.

Mit wem Biden regieren könnte

Und an Arbeit wird es nicht mangeln. Im Landesinnern wird sich das Kabinett darum bemühen müssen, ein erneutes Abrutschen der Konjunktur zu verhindern. Die ehemalige Notenbankerin Janet Yellen weiss aus Erfahrung, wie wichtig grosszügige Hilfspakete in dieser fragilen Phase der wirtschaftlichen Erholung sind.

Aussenpolitisch wird das Weisse Haus in einem ersten Schritt den Versuch unternehmen, die Beziehungen zu den Verbündeten Amerikas auf ein neues Fundament zu stellen. Tony Blinken, der einen Teil seiner Kindheit in Paris verbracht hat, ist gut vertraut mit europäischen Gegebenheiten. Der neue Nationale Sicherheitsberater Jake Sullivan wiederum reiste an der Seite von Aussenministerin Hillary Clinton rund um die Welt.

FILE - In this Sept. 16, 2018, file photo, American flags are displayed together with Chinese flags on top of a trishaw in Beijing. On Friday, Nov., 13, 2020, China has become one of the last major governments to congratulate Joe Biden on being elected U.S. president. (AP Photo/Andy Wong, File)

Biden wird sich überlegen müssen, wie er die Beziehung mit China gestaltet. Bild: keystone

Allein mit Diplomatie lässt sich das grösste aussenpolitische Problem Amerikas allerdings nicht lösen: Früher oder später wird Präsident Biden entscheiden müssen, ob Amerika im Verhältnis zu China einen «Wandel durch Annäherung» bevorzugt oder ob er – zum Schutz der liberalen westlichen Demokratien – einen neuen Kalten Krieg riskiert.

Die Vorschusslorbeeren, mit denen Bidens Ministerkandidaten nun überhäuft werden, verwelken bald. Letztlich ist es dem Durchschnittsamerikaner ziemlich egal, welche Universität der Aussenminister besuchte (Harvard! Columbia!) und wie jung der Sicherheitsberater ist (bald 44 Jahre). Entscheidend ist der Erfolg. Und ob es Präsident Biden gelingt, die Bevölkerung davon zu überzeugen, dass sein Team nur das Beste für Amerika will.

Mehr dazu:

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Joe Biden - sein Leben in Bildern

Kannst du dich noch an diese Trump-Momente erinnern? Ein Best-of der letzten 4 Jahre

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Analyse

Trump ist weg und bei den QAnon-Verschwörern macht sich Panik breit

Joe Biden als neuer US-Präsident stürzt QAnon-Anhänger in eine Glaubenskrise. Bis zuletzt hatten sie gehofft, dass sich Trump an der Macht hält. Viele sind entmutigt, da der von «Q» prophezeite Umsturz ausblieb. Der gefährliche QAnon-Kult lebt trotzdem fort.

Fanatische QAnon-Anhänger glaubten bis zuletzt an den Coup. Verschwörungsideologen hatten ihnen eingetrichtert, Joe Bidens Amtseinführungsfeier sei eine ausgeklügelte Falle von Donald Trump, bei der die versammelten Demokraten zusammengetrieben und hingerichtet würden, während ihr Erlöser an der Macht bleibe, um den «Washingtoner Sumpf» trockenzulegen. Gemeint ist der sogenannte Staat im Staat – eine angebliche Verschwörung bestehend aus linksliberalen Politikern, (jüdischen) …

Artikel lesen
Link zum Artikel