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Migrants stand behind a gate as they wait to board buses inside a registration camp in Opatovac, Croatia September 23, 2015. European Union leaders could promise billions of euros in new funding for Syrian refugees at an emergency summit where they will also try to patch up bitter divisions over the migration crisis. REUTERS/Marko Djurica

Polizisten und Zäune: ein Bild der Nachrichtenagentur Reuters vom 23. September aus dem Lager Opatovac. 
Bild: MARKO DJURICA/REUTERS

Journalist undercover in kroatischem Flüchtlingscamp: «Das ist echt unmenschlich»



Danny Ghosen ist ein niederländischer Journalist. Weil er aus dem Libanon stammt – er flüchtete 15-jährig mit seiner Familie nach Holland –, geht er perfekt als syrischer Flüchtling durch. Das hat sich der 37-Jährige zunutze gemacht, um sich undercover in einem kroatischen Flüchtlingslager umzusehen und mit versteckter Kamera zu filmen. Die Zustände dort beschreibt er als «unmenschlich». 

Danny Ghosen

Danny Ghosen.
Bild: Volkskrant.nl

Ghosen, der für 3Onderzoekt arbeitet, das Jugendprogramm des Niederländischen Evangelischen Rundfunks (EO), reiste nach Serbien und überschritt von dort aus illegal die Grenze nach Kroatien. Dort gab er sich als Khaleem aus Syrien aus. Er sei 34 Jahre alt und Student. Die Tarnung funktionierte; Ghosen wurde von den Kroaten als Flüchtling registriert.  

«Papiere brauchte ich nicht»

Zu Beginn sei eigentlich alles unglaublich einfach gewesen, erzählte der Journalist nach seiner Rückkehr in Belgrad der flämischen Zeitung Het Laatste Nieuws. «Ich schloss mich einfach einer Gruppe von Flüchtlingen an, und einmal über der Grenze mussten wir alle auf den Boden sitzen. Dort haben wir eine Stunde auf einen Bus gewartet, der uns ins Auffanglager in Opatovac brachte». 

«Hunderte Menschen, auch viele Frauen und Kinder, lagen dicht beieinander auf dem Boden, ohne jeden Schutz oder ein Dach über dem Kopf.»

Danny Ghosen

Die Registrierung sei ebenfalls einfach verlaufen. «Papiere brauchte ich nicht. Sie wollten nur ein paar Daten wissen, wie meinen Namen, mein Alter, woher ich kam und wie meine Eltern heissen. Mehr nicht.» Es habe auch Essen gegeben und eine medizinische Untersuchung. 

Ein Gefängnis

«Doch wenn man rauskommt und ins eigentliche Lager gebracht wird, beginnt das Elend erst», erzählte Ghosen der Zeitung. Die Zustände dort seien menschenunwürdig. «Hunderte Menschen, auch viele Frauen und Kinder, lagen dicht beieinander auf dem Boden, ohne jeden Schutz oder ein Dach über dem Kopf. Es gab zwar ein paar Zelte, aber die meisten Menschen mussten die ganze Nacht in der bitteren Kälte draussen liegen.»

Ghosen wurde gesagt, er werde am nächsten Tag mit dem Bus nach Slowenien gebracht. Doch das sei gelogen gewesen: Leute, die schon länger im Lager waren, hätten ihm gesagt, es sei ein Gefängnis. Einige seien schon neun Tage dort festgehalten worden ohne jede Information, wie es weitergehe. 

Versteckte Kamera

Ghosen gelang es, in der Nacht aus dem Lager zu fliehen. Er kletterte über den Stacheldraht und rannte weg. Seine Reportage wird von «3Onderzoekt» in voller Länge im Oktober ausgestrahlt. 

Hier eine Vorschau der Reportage. Ghosen nahm die Bilder mit versteckter Kamera in Opatovac auf: 

«Jeder sitzt dort dicht an dicht wie in einem Hühnerverschlag, und das Chaos ist enorm.»

Danny Ghosen

«Europa muss sich schämen»

Die Politikerin Judith Sargentini, die für GroenLinks (die niederländischen Grünen) im Europäischen Parlament sitzt, war schockiert, als sie diese Vorschau sah. «Die Situation ist unmenschlich. Europa muss sich schämen», kommentierte sie in einem Statement ihrer Partei. Wenn Kroatien nicht mit der grossen Anzahl Flüchtlinge fertig werde, solle das Land Hilfe anfordern, statt das Elend zu verstecken, sagte sie.

Kroatien wird Transitland

Nachdem Ungarn in der vergangenen Woche seine Grenze zu Serbien dicht gemacht hat, sind die Flüchtlinge auf der sogenannten Balkanroute rasch auf Kroatien als Transitland ausgewichen. Dort allerdings waren die Behörden schon nach kurzer Zeit überfordert und begannen damit, die Flüchtlinge an die ungarische Grenze zu bringen. Gemäss einer Mitteilung des kroatischen Innenministeriums am Donnerstag sind bisher mehr als 51'000 Flüchtlinge gezählt worden. In den Morgenstunden kamen laut Behörden im Gebiet von Ilok und Tovarnik im Osten des Landes mehr als 3500 Menschen über die Grenze. Weitere 1000 Menschen befanden sich am frühen Nachmittag im Transitlager in Opatovac.
(sda)

Anfang dieser Woche war es in Opatovac zu Tumulten gekommen, als mehrere 1000 neue Flüchtlinge aus Serbien in der Erstaufnahmeeinrichtung eingetroffen waren und ihnen von den Sicherheitskräften der Zugang zur überfüllten Registrierungsstelle verweigert worden war. 

Ein syrischer Flüchtling beklagte sich: «In Griechenland, Mazedonien und Serbien gibt es das Rote Kreuz und viele Helfer. Sie hatten Decken für Kinder und Frauen. Hier ist niemand.»

Dies deckt sich mit der Aussage von Danny Ghosen, der «Het Laatste Nieuws» erzählte, es habe in Opatovac keine Helfer oder Betreuer gegeben, nur Sicherheitskräfte. «Jeder sitzt dort dicht an dicht wie in einem Hühnerverschlag, und das Chaos ist enorm. Die meisten Menschen bleiben natürlich so nah wie möglich beim Ausgang, weil sie die wenigen Busse, die kommen, nicht verpassen wollen.»

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    Alle Leser-Kommentare
  • barbapapa 28.09.2015 12:44
    Highlight Highlight Es ist auf jeden Fall wichtig, Missstände aufzuzeigen. Allerdings erwarte ich von konstruktivem Journalismus auch, dass Ereignisse in einen Kontext gesetzt und Lösungsansätze aufgezeigt werden.
    Die Situation in Opatovec hat sich inzwischen deutlich verbessert. Das Militär stellt die Infrastruktur zur Verfügung. Zudem sind Helfende mit Hilfsgütern aus ganz Europa anwesend, die sich meistens über Facebook organisierten. Diese Hilfe ist flexibel, menschlich& funktioniert erstaunlich gut. Ein Artikel über diese privaten Hilfsinitiativen könnte spannend sein.
  • Lena1 27.09.2015 16:53
    Highlight Highlight Der Journalist Danny Ghosen hat sich mit seinem Beitrag auf die Spur „brandheißer Skandale“ gemacht und hielt es nicht für nötig die Geschichte die er selbst erzählt hat zu überprüfen. Danny Ghosen präsentiert in seinem Video Flüchtlinge die behaupten in der Erstaufnahmeeinrichtung Opatovac sechs bzw. neun Tage zu sein. Das Video wurde auf Youtube am 22.09.2015 veröffentlicht, zwei Tage nach der Öffnung der Erstaufnahmeeinrichtung in Opatovac, die am 20.09.2015 stattfand. Ein schlichtes menschliches Verstand reicht aus um zu erkennen das die Aussagen der Flüchtlinge nicht stimmen.
  • Lightning makes you Impotent (LMYI) 26.09.2015 01:05
    Highlight Highlight Schnell wieder auf ein überfordertes Land gezeigt... und nun, was soll man machen? Wohin mit den Menschen? Diese Art von Journalismus bringt nichts und ist unseriös. Der Zustrom von Menschen die auf ein besseres Leben hoffen, muss erst gestoppt werden. Der dank geht an Merkel, die alle nach Europa eingeladen hat.
    • dada_ist_muss 26.09.2015 11:39
      Highlight Highlight "Der Zustrom von Menschen die auf ein besseres Leben hoffen, muss erst gestoppt werden."
      schämt euch menschen, die ihr euch ein besseres leben wünschen! wie kann man nur!
    • Lightning makes you Impotent (LMYI) 26.09.2015 11:53
      Highlight Highlight Darfst Sie gerne alle bei dir Zuhause einquartieren! Leider hilft dein Kommentar nicht bei der Lösung der Probleme.
    • Urmel 27.09.2015 10:25
      Highlight Highlight Peter Gasser
      Macht doch nichts. Dein Kommentar hilft dafür enorm. Warte.. nochmals lesen..
      Nein, er hilft auch nicht. Schade.
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