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epa07624823 Police cordon off a block of units where a person was shot by a gunman in the suburb of The Gardens in Darwin, Northern Territory, Australia, 04 June 2019. According to media reports quoting the police, up to five people were killed after a shooting at a Darwin city hotel on 04 June night. A suspected gunman has been arrested, media added.  EPA/MICHAEL FRANCHI  AUSTRALIA AND NEW ZEALAND OUT

Bild: EPA/AAP

Warum der Amoklauf in Australien so aussergewöhnlich ist

Milan Marquard
Milan Marquard



In der australischen Stadt Darwin wurden in der Nacht auf Mittwoch bei einem Amoklauf mindestens vier Menschen erschossen und zwei weitere verletzt. Die Polizei verhaftete bereits einen 45-jährigen Verdächtigen. Die australische Waffenlobby und Politiker vom rechten Flügel fordern trotzdem eine Milderung der Waffengesetze – und bringen damit eine Errungenschaft in Gefahr, die Australien zum sichersten Land der Welt hat werden lassen.

In den USA wurden alleine dieses Jahr bereits elf vergleichbare Taten verübt. In Australien hingegen muss man deutlich weiter zurückgehen: Das letzte vergleichbare Massaker «Down Under» fand 1996 in Port Arthur statt – und bedeutete eine Zäsur für Australiens Waffengesetze.

Bis zu diesem Zeitpunkt waren die Gesetze ähnlich locker wie in den USA. Der Amoklauf von Port Arthur, bei dem 35 Menschen starben, führte jedoch zu einem rasanten Umdenken. Nur wenige Monate danach führte die Regierung strengere Gesetze ein. Nicht nur der Import von Schnellfeuerwaffen, sondern auch deren Besitz wurden verboten.

Die Waffenlobby war entrüstet und rief dazu auf, den Aufforderungen nicht zu folgen. Die Australier hielten sich jedoch artig an die Vorgaben: Es folgten landesweite Sammelaktionen, bei denen insgesamt fast eine halbe Million Waffen abgegeben wurden. Die Hartnäckigkeit des damaligen australischen Ministerpräsidenten John Howard – der federführend war bei der Gesetzesänderung – hatte sich bezahlt gemacht.

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Ausschnitt über die Reaktionen des Massakers. Die Rede vom damaligen Premierminister Howard gegenüber pro-Waffen-Protestanten ab 6:40. Video: YouTube/The Commonwealth of Australia

Die Folgen

Australien gilt – was Waffengewalt anbelangt – als eines der sichersten Länder der Welt. Eine Studie von den Büros der Vereinten Nationen für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC) aus dem Jahr 2011 und der in Genf beheimateten NGO «Small Arms Survey» aus dem Jahr 2007 zeigt das eindrücklich:

Wer heute in «Down Under» eine Waffe kaufen möchte, muss dringende Gründe geltend machen. Dazu zählen die Mitgliedschaft in einem Schützenverein oder der Gebrauch für die Landwirtschaft. Persönlicher Schutz ist hingegen kein plausibler Grund. Erfüllt man die Anforderungen für den Kauf, muss ein Test absolviert werden und man verpflichtet sich, die strengen Vorschriften zu Transport, Aufbewahrung und Sicherheit der Schusswaffen einzuhalten. Lizenzen und Aufbewahrungsorte werden durch die Polizei regelmässig geprüft.

Die Chance, durch eine Schusswaffe zu sterben, sank in den Folgejahren der Gesetzesänderungen um mehr als 50% und stagnierte auf diesem tiefen Niveau. Die Suizide durch Schusswaffen reduzierten sich sogar um 80%. Die Regulierungen zeigen messbare Ergebnisse und führen dazu, dass der Vorfall von gestern Abend ein trauriger Einzelfall für Australien ist.

Der Ruf nach Lockerung der Gesetze

Umso erstaunlicher ist es, dass trotz dieser Erfolge heute wieder vermehrt Stimmen laut werden, die lockerere Waffengesetze fordern. Im März diesen Jahres kam zu Tage, dass die anti-Einwanderungspartei «One Nation» die NRA um Spenden und Unterstützung gebeten hatte. Der Fernsehsender Al-Jazeera deckte die Nähe der «Shooting Industry Foundation of Australia» (SIFA) zur NRA mit einem Dokumentarfilm auf.

Die Antwort auf diesen Film kam umgehend. Sogar der konservative australische Premierminister Scott Morrison verteidigte im März die strikten Gesetze. Australien habe die besten Waffengesetze der Welt dank John Howard und man werde sie nicht ändern.

Seitens Befürworter milderer Gesetze gibt es auf den gestrigen Vorfall bisher keine Reaktionen. Man könnte ahnen, dass bald das «the only way to stop a bad guy with a gun is a good guy with a gun»-Argument zu hören sein wird. Das Gegenteil ist bisher der Fall: Trotz des gestrigen Amoklaufes stellen sich bereits viele Australier hinter ihre vorbildlichen Gesetze: «Stellt Euch vor, welchen Schaden der Typ mit einer halbautomatischen oder automatischen Waffe angerichtet hätte [...]. Unsere Waffengesetze SIND wichtig.»

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10 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
john benz
05.06.2019 16:18registriert August 2014
Ach, wäre das schön auch ein solches Gesetz zu haben... Schon klar, wir sind keine Insel und so weiter... Aber nur schon das Selbstschutz kein Kaufgrund sein darf und das eine umfassende Schulung absolviert werden müsste, wäre schon ein grosser Schritt... (Spontaner Selbstschutz ist bei einer korrekt eingeschlossener Waffe fast nicht möglich, weil es zu lange dauern würde... Für alles andere ist die Polizei zuständig)
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Mr. Holmes
05.06.2019 16:40registriert June 2015
John Oliver hat das Thema behandelt, als er noch Korrespondent der Daily Show war. Sehr empfehlenswert!
2015
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