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Bolsonaro beschimpft Ex-Justizminister als «Judas» – weil dieser gegen ihn aussagt



Brazil's President Jair Bolsonaro speaks to his Justice Minister Sergio Moro during a presidential decree signing ceremony that proposes to make it easier for authorities to sell goods seized from drug traffickers, at Planalto presidential palace in Brasilia, Monday, June 17, 2019. Moro is currently in the middle of a scandal after a news website published text messages apparently showing him as judge improperly orienting prosecutors in a criminal case against ex-President Luiz Inacio Lula da Silva. (AP Photo/Eraldo Peres)

Da hatten es die beiden noch besser: Präsident Bolsonaro (l.) und Ex-Justizminister Sergio Moro. Bild: AP/AP

Der brasilianische Präsident Jair Bolsonaro hat seinen ehemaligen Justizminister Sergio Moro öffentlich als «Judas» bezeichnet. «Der Judas, der heute aussagen wird, hat eingegriffen, damit nicht ermittelt wird?»

Dies schrieb der Rechtspopulist am Samstag (Ortszeit) auf Twitter. Er spielte damit auf den Messerangriff gegen seine Person im Wahlkampf 2018 an, für den die Bundespolizei einen Einzeltäter ausgemacht hatte.

Der entsprechende Tweet:

Als Bolsonaro kurz nach seiner Wahl im Oktober 2018 den prominenten Untersuchungsrichter Moro in sein Kabinett holte, galt dies noch als Coup. Moro hatte die Ermittlungen zu dem grössten Korruptionsskandal Lateinamerikas («Lava Jato») massgeblich vorangetrieben. Im Jahr 2017 verurteilte er den linken Ex-Präsidenten Luiz Inácio Lula da Silva, der in den Umfragen führte, in erster Instanz wegen Bestechlichkeit zu einer Freiheitsstrafe und machte damit den Weg für Bolsonaro frei.

Belasten von Söhnen

Inzwischen sind die Fronten zwischen den ehemals Verbündeten verhärtet. Moro sagte vor der Bundespolizei in Curitiba ab Samstagnachmittag (Ortszeit) acht Stunden lang zu seinen Vorwürfen gegen Bolsonaro aus. Der Minister hatte vor knapp einer Woche seinen Rücktritt erklärt, weil Bolsonaro den Chef der Bundespolizei und Vertrauten Moros, entlassen hatte.

Moro warf Bolsonaro vor, illegal Einfluss auf die Bundespolizei nehmen zu wollen. Deren Untersuchungen könnten zwei politisch aktive Söhne Bolsonaros belasten. Ein Richter am Obersten Gericht genehmigte darauf Ermittlungen gegen Bolsonaro, die theoretisch zu einem Amtsenthebungsverfahren führen könnten.

Er hatte die Frist, in der Moro aussagen musste, zunächst auf 60 Tage angesetzt, verkürzte sie aber auf Antrag der Opposition auf fünf Tage. Unterstützer beider Seiten hatten sich seit dem Morgen vor dem Gebäude der Bundespolizei versammelt. Zwischen den beiden Gruppen kam es mehrfach zu Handgemengen, die Polizei griff ein. (sda/dpa)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Q anon = B annon 03.05.2020 17:16
    Highlight Highlight Man sollte auch daran Denken, wie kam dieser Feine Herr an die Macht? Einfach, die Justiz lies den Aussichtreichsten Konkurrenten, Lula wegen Bestechung durch eine Geschenkte Eigentumswohnung, Einsperren. Und was wissen wir heute, diese Wohnung hat nie Lula gehört. Da sind beweise Konstruiert worden. Um einen Bolsonaro an die Macht zu bringen und damit die Korrupten Eliten. Aber klar wollen solche Leute nicht das ihre Bewiesene Korruption und Vetterli Politik ans Licht kommt. Merkt ihr, denen ist der Rechtsstaat nur solange wichtig wie es die anderen Betrifft. Selber pfeifen sie drauf!
  • Mãozinha 03.05.2020 16:17
    Highlight Highlight Armes Brasilien!
    Das hat dieses Volk nicht verdient.

    Benutzer Bild
  • Magnum 03.05.2020 14:09
    Highlight Highlight Der vorlaute Jair ist wirklich eine schlecht geratene Kopie vom orangen Simpel in Chief. Bis hin zur schamlosen Vetternwirtschaft. Erstaunlicherweise scheinen die Mächtigen in Brasilien aber noch eher von der Justiz belangbar zu sein als in den USA - das ist das eigentliche Alarmsignal, das von diesem Artikel ausgeht.
  • rodolofo 03.05.2020 12:53
    Highlight Highlight Solche ehrenwerte Menschen, wie der "Judas" und zurückgetretene Justizminister, wären eigentlich die wichtigsten und wertvollsten Menschen für Brasilien!
    Die wollen in erster Linie einen guten Job machen und gute Arbeit leisten!
    Es geht ihnen also nicht um Macht und um sadistisches Ausleben von Macht und Reichtum.
    Bolsonaro dagegen IST offensichtlich ein solcher skrupelloser und brutaler Machtmensch.
    Der Ex-Justizminister muss sich er unangenehmen Frage stellen, WARUM er sich zum Steigbügelhalter für einen rechtsextremen Ober-Sadisten machen liess.
    War es Kalkül, oder Naivität, oder Dummheit?
    • Der Kritiker 03.05.2020 17:06
      Highlight Highlight Rodolfo, den Justizminister so zu loben, haut mir nun doch den Nuggi raus. Moro kannte Bolsotonto und dessen Politik genau. "Die wollen in erster Linie einen guten Job machen und gute Arbeit leisten!" und unterstützen darum einen faschistischen Terceiro.
    • rodolofo 03.05.2020 17:24
      Highlight Highlight @ Der Kritiker
      Ich dachte, der sei ein Typ wie Comey in den USA, als Republikaner von Obama als FBI-Chef eingesetzt, wegen seiner Professionalität und dann vom republikanischen Präsidenten Trump entlassen.
      Aber ich kenne mich natürlich zu wenig aus, um das wirklich beurteilen zu können.
    • Juliet Bravo 03.05.2020 18:53
      Highlight Highlight Es ist leider ganz und gar nicht wie bei Comey. Moro war Gehilfe, die Beweislage gegen Lula war 1 Dokument, dass keine Unterschrift von Lula trägt, und wo sogar handschriftlich Dinge geändert/reingeschrieben wurden. Dilma wurde geputscht und bis heute konnte ihr nichts Stichhaltiges zur Last gelegt werden. Das ist mal ein Saubermann dieser Moro!
    Weitere Antworten anzeigen
  • malu 64 03.05.2020 12:46
    Highlight Highlight Es ist äußerst dramatisch, was für kranke, gestörte und unfähige Leute Länder regieren.
  • Füürtüfäli 03.05.2020 12:38
    Highlight Highlight Ein Präsident wie aus dem Bilderbuch.

    Läßt den Regenwald abholzen wie nur was. Unsere Ressource, geht die Welt nix an!
    Indigene gehören seiner Ansicht auch weg. Schluß mit dem Reservat-Unfug? Unser Kapital braucht diesen Boden, um zu wachsen!
    Wenn Schlackelawinen von Bergbauunternehmen Todesopfer fordern: Pech gehabt, wer dort arbeiten und leben muß! Wir haben ja genug Bevölkerung!
    Wenn das Coronavirus wütet: Macht nix, es bleiben immer noch genug übrig!
    • Tschowanni 03.05.2020 12:59
      Highlight Highlight Das er den Regenwald als "unsere Ressource, geht die Welt nix an" verteidigt ist für mich nachvollziehbar, auch wenn ich das als gefährlich erachte. Welches Land lässt sich den von aussen vorschreiben wie es mit den eigenen Ressourcen umzugehen hat?
    • Auric 03.05.2020 15:22
      Highlight Highlight ganz schrecklich wie Brasilien sich coronamässig entwickelt... oder doch nur Fake News
      Benutzer Bild
    • Der Kritiker 03.05.2020 17:11
      Highlight Highlight Füürtüfäli, was hat denn der Rest der Welt für den Erhalt des Regenwaldes gemacht? Ich sag's Dir: einen feuchten, stinkenden Furz. Wieso also sollte Brasilien auf gutes Geld verzichten? Wir können noch lange fordern, solange wir jedoch nicht beeeit sind, dafür auch harte Fränkli zu zahlen, so lange ändert sich in Brasilien auch nichts.
  • Prometheuspur 03.05.2020 12:34
    Highlight Highlight Ausgerechnet "Bolso-Narr-o" nimmt das Wort Judas in den Mund..
    • rodolofo 03.05.2020 12:56
      Highlight Highlight Wenn er der Messias ist, dann muss der Andere der Judas sein.
      Aus evangelikaler Sicht hat das eine gewisse innere Logik, auch wenn es in unseren Ohren total bescheuert tönt...
    • Auric 03.05.2020 15:27
      Highlight Highlight Als Katholik hat er darüber sicher mehr dazu das recht als ein Atheist das hätte.
    • Der Kritiker 03.05.2020 16:55
      Highlight Highlight Ich bin alles andere als ein Bolsotonto-Freund, allerdings versteh ich Deinen Post nicht.
    Weitere Antworten anzeigen
  • G. Samsa 03.05.2020 11:49
    Highlight Highlight Trumps Bruder im Geiste...
  • Saraina 03.05.2020 10:33
    Highlight Highlight Wenn man ein Land wie eine Gang führt...
  • banda69 03.05.2020 10:18
    Highlight Highlight Der arme Kerl. Was es heisst sich gegen rechtspopulistische Führer zu stellen, kennen wir ja zur Genüge (Trump, Blocher, ect.).
    • Juliet Bravo 03.05.2020 18:55
      Highlight Highlight Wer, Moro?
  • Bambusbjörn aka Planet Escoria 03.05.2020 09:40
    Highlight Highlight Nichts anderes zu erwarten.
    Typen wie der finden es eben nicht besonders toll, wenn sich das System, dass sie missbrauchen wollen, plötzlich gegen sie selbst wendet.

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