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Dominic Cummings, senior aide to Prime Minister Boris Johnson, makes a statement inside 10 Downing Street, London, Monday May 25, 2020, over allegations he breached coronavirus lockdown restrictions. In an exceptionally rare televised statement, Cummings gave a detailed account of his movements in late March and early April, which have caused an intense political storm. (Jonathan Brady/Pool via AP)

Dominic Cummings am Montag im Rosengarten an der Downing Street 10. Bild: AP

«Ich bedauere nichts»: Der bizarre Auftritt von Dominic Cummings

silvia kusidlo, christoph meyer / dpa



Bizarrer Auftritt in der Downing Street: Der britische Regierungsberater Dominic Cummings lehnt trotz der massiven Kritik an seiner Reise zu Verwandten in der Corona-Krise seinen Rücktritt ab. «Ich habe nicht angeboten, zurückzutreten. Ich habe das nicht in Erwägung gezogen», sagte Cummings am Montag im Rosengarten des Regierungssitzes in London. «Ich bedaure nicht, was ich getan habe.» Ihm war vorgeworfen worden, gegen Ausgangsbeschränkungen verstossen und somit andere Menschen gefährdet zu haben.

Cummings ist der zweitmächtigste Mann nach Premierminister Boris Johnson in London. Der 48-Jährige gilt als hochintelligenter Wahlkampfstratege, aber auch als unberechenbar. Er begann seinen Auftritt mit etwa halbstündiger Verspätung, erschien mit hochgekrempelten Hemdsärmeln und rief Journalisten ein lockeres «Hi there!» (etwa: Hallo) zu. Ein Auftritt im Rosengarten gilt als äusserst ungewöhnlich. Es war damit gerechnet worden, dass er zurücktritt.

Cummings: «Ich bedauere nicht, was ich getan habe.»

Er habe nur einmal Ende März seine Eltern mit seiner Familie besucht, sagte der Strippenzieher in der Downing Street. Britische Zeitungen hatten hingegen berichtet, dass Cummings mehrfach während der Pandemie von London ins rund 430 Kilometer entfernte Durham zu seinen Verwandten gefahren war. Er habe den Umständen entsprechend «vernünftig und angemessen» gehandelt, sagte Cummings.

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Der Berater hatte als Grund für eine Reise Ende März zu seinen Eltern angegeben, er habe keine andere Möglichkeit gehabt, die Betreuung seines vierjährigen Sohnes sicherzustellen. Er habe für die Betreuung sorgen wollen, weil seine Frau an Covid-19 erkrankt gewesen sei und er selbst mit einer Ansteckung habe rechnen müssen. Er sprach von einer «komplizierten Situation». Johnson habe er erst später darüber informiert. Am 13. April sei die Familie wieder in London gewesen.

Cummings erklärt, weshalb seine Farm in Durham besonders sicher sei: «Es besteht aus einer Art Betonblöcken.»

Cummings räumte auch ein, von Durnham aus mit seiner Frau am Ostersonntag zum etwa 50 Kilometer entfernten Schloss Barnard mit dem Auto gefahren zu sein - aber nur, um sein Augenlicht nach der Erholung von seiner Infektion zu testen. Er habe die Sehenswürdigkeit nicht besichtigt. Britische Medien hatten zuvor berichtet, dass ein Augenzeuge Cummings am Schloss gesehen und ihn angezeigt habe. Mehr Besuche habe es nicht gegeben, so Cummings. Britische Zeitungen hatten noch von einem weiteren Aufenthalt in Durham berichtet.

Cummings' Auftritt werteten viele Kritiker als überheblich und selbstherrlich, während vor allem Regierungsmitglieder lobten, dass er nun Klarheit im Ablauf der Geschehnisse gebracht habe.

Johnson stellt sich hinter Cummings

Johnson hatte sich zwar noch am Sonntag hinter seinen Berater gestellt, war dadurch aber selbst massiv in die Kritik geraten. Etwa 20 Parlamentarier seiner Konservativen Partei, die Opposition, Geistliche, Ärzte und andere Kritiker hatten den Rücktritt von Cummings gefordert. Sie fürchteten, er könnte das Vertrauen in die Regierung irreparabel beschädigt haben. Die Kritiker warnten auch vor einem Anstieg der Infektionen, weil Schutzmassnahmen angesichts solcher Vorkommnisse nicht mehr ernst genommen werden könnten. Grossbritannien hat die meisten Corona-Todesfälle in Europa.

Cummings sei «den Instinkten eines jeden Vaters gefolgt», sagte Johnson am Sonntag. Dafür könne er ihn nicht an den Pranger stellen. Nach den Worten Johnsons hat sein Chefberater «in jeder Hinsicht verantwortlich, legal und mit Integrität» gehandelt. Nach den Richtlinien der Regierung waren damals Reisen nur aus zwingenden Gründen erlaubt. Der ehemalige Polizeichef der Grafschaft Durham, Mike Barton, hatte dem Sender BBC gesagt: «Lasst uns nicht um den heissen Brei reden, er hat die Regeln gebrochen, das ist sehr klar.»

epa08436397 Britain's Prime Minister Boris Johnson takes part in the 'Clap For Our Carers' initiative in support of the National Health Service (NHS) in Downing Street in London, Britain, 21 May 2020. Clap For Our Carers is an initiative started by Annemarie Plas where members of the public at 8pm on Thursday give a round of applause for key workers, particularly NHS staff on the frontline treating patients with coronavirus.  EPA/NEIL HALL

Boris Johnson: «Cummings folgte den Instinkten eines jeden Vaters.» Bild: EPA

In Johnsons eigener Konservativen Partei war der Rückhalt für Cummings gebröckelt. Der frühere Staatssekretär Paul Maynard nannte das Verhalten des Chefberaters «völlig unhaltbar». Der Abgeordnete David Warburton sagte der BBC am Montag, Cummings «schädigt die Regierung und das Land». Kirchenvertreter griffen direkt Johnson an: Der Premierminister behandle die Menschen «wie Trottel» und «ohne Respekt», twitterte der Bischof von Leeds, Nicholas Baines.

Erst Anfang Mai hatte der renommierte Wissenschaftler Neil Ferguson vom Imperial College seinen Posten als Regierungsberater aufgeben müssen, weil er während des Lockdowns Besuch von seiner Freundin erhielt. Auch die oberste medizinische Beraterin der schottischen Regierung, Catherine Calderwood, hatte sich über die eigenen Regeln hinweggesetzt und deswegen ihren Hut nehmen müssen. (sda/dpa)

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18Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • El Vals del Obrero 26.05.2020 11:37
    Highlight Highlight Selbst wenn diese Ausrede "Autofahren um Augenlicht zu testen" stimmen würde, wäre es ja auch leicht behämmert.

    "Ich wollte niemanden erschiessen. Ich wollte nur schauen, ob mein Finger noch funktioniert."
  • i schwörs 26.05.2020 09:51
    Highlight Highlight Ist doch eine nötige Klarifikation der Reisebeschränkungen, die vor allem Familien mit Infizierten das Leben erleichtern wird: ist jemand in der Familie infiziert, dann ist Reisen erlaubt. Sonst nicht. Ausser man erholt sich gerade von einer Augeninfektion, dann natürlich auch. Sonst nicht. Ah, ja und natürlich gelten diese Ausnahmen nur für Kabinettsmitglieder. Alles klar, oder?
  • blueberry muffin 26.05.2020 08:36
    Highlight Highlight Das beste daran ist ja, das er als COVID infizierter seine Eltern besucht hat. Sehr intelligent.
  • Notabik 26.05.2020 07:12
    Highlight Highlight In der einer Krise zurückzutreten wäre ein falscher Schachzug. Wegen einer solchen Lappalie das Zepter aus der Hand zu geben erst recht. Die Medien und der Pöbel können Druck aufbauen. Das ist ihr demokratisches Recht. Ebenso legitim ist es, nicht auf diese zu hören.
  • HundBasil 26.05.2020 00:07
    Highlight Highlight Und was bitte soll an diesem Auftritt bizarr gewesen sein?
  • Do not lie to mE 25.05.2020 22:10
    Highlight Highlight Unser Nachbaren haben auch ihren skandälchen aber bei weitem nicht so wichtige wie die eines Berater von BJ. Bundespräsident Van der Bellen und seine Frau Doris Schmidauer waren in der Nacht auf Sonntag um 00.18 Uhr - fast eineinhalb Stunden nach der verordneten Corona-Sperrstunde - im Schanigarten eines Italieners in der Wiener Innenstadt von der Polizei erwischt worden, gemeinsam mit Bekannten. Offiziell war das Lokal zu diesem Zeitpunkt jedoch bereits geschlossen.
  • Pinkerton 25.05.2020 21:58
    Highlight Highlight Nur weil man Regeln für andere aufstellt, heisst das noch lange nicht, dass man sich auch selber daran halten muss. Gilt immer und überall.
  • B-Arche 25.05.2020 21:47
    Highlight Highlight Johnson braucht Cummings. Cummings hat die Brexit-Strategie erschaffen mit der Johnson gewählt wurde.
    Cummings will Trump nutzen indem nach dem Brexit nur UK Verträge und Annehmlichkeiten mit den USA haben werden und jeder der dabei sein wollte müsste ebenfalls erst aus der EU austreten.
    Der Plan ist es die EU von aussen zu zerstören um dann über Europa wieder herrschen zu können.

    Leider sind in der Schweiz viele Gönner die das laut und kräftig unterstützen.
    • blueberry muffin 26.05.2020 08:37
      Highlight Highlight Naja, in den USA siehts ja gerade rosig aus.
  • ChiliForever 25.05.2020 21:40
    Highlight Highlight Bestätigt die Theorie der Wissenschaftler, dass Corona nicht nur die Lunge befällt...
  • michiOW 25.05.2020 20:55
    Highlight Highlight Alle sind gleich, aber Einige sind gleicher.
    • Darkside 26.05.2020 02:49
      Highlight Highlight Und in dem Zusammenhang wissen wir ja wer damit gemeint ist. Schweine (obwohl man diesen Tieren damit unrecht tut).
  • De-Saint-Ex 25.05.2020 20:52
    Highlight Highlight ... „aber nur, um sein Augenlicht nach der Erholung von seiner Infektion zu testen...“
    Immer wieder frappant zu sehen, wie solch Abgehobene der Meinung sind, sie könnten ihre MitbürgerInnen so verar..... Nun, die EngländerInnen haben BJ gewählt und wussten, wen sie damit als defacto Vize mitwählen... wie man sich bettet, so liegt man...
    • Fiction42 25.05.2020 21:04
      Highlight Highlight Und um das zu testen muss man 50 Kilometer fahren...die schauen echt wie weit sie in der Verarschung der eigenen Bürger gehen können.
    • Fly Boy Tschoko 25.05.2020 21:25
      Highlight Highlight Die Engländer*innen haben BJ sowenig gewäht wie wir Ignazio Cassis.
      Grundsärzlich wird der Merheitsführer des Unterhauses in dieses Amt gewählt.
    • Majoras Maske 25.05.2020 22:14
      Highlight Highlight Die Briten haben Boris nicht direkt gewählt, aber doch seiner Partei eine Mehrheit gegeben, als Boris ganz klar schon PM war und über keine Mehrheit mehr hatte. Hätten sie ihn abwählen wollen, hätten sie es tun können.

      Wenn wir FDP wählen, ist es nicht automatisch, dass Cassis zum Bundesrat gewählt wird.
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