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Mit diesen Problemen kämpfen die grössten Corona-Hotspots dieser Erde

Fehlentscheidungen der Regierung, erneute Lockdowns und uneinsichtige Einwohner, die 70 Millionen Bussgelder bezahlten – das beschäftigt die aktuellen Brandherde der Corona-Pandemie.



Während man bei uns längere Zeit das Gefühl hatte, dass die Bedrohung durch Corona vorbei ist, hat das Virus weltweit weiter an Fahrt aufgenommen. In der vergangenen Woche steckten sich an Spitzentagen über 180'000 Personen an.

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Fälle pro Tag nach Kontinent

Bild: watson

Die täglichen Meldungen unterliegen deutlichen Schwankungen. Es lohnt sich also, den Schnitt der täglichen Neuinfektionen über eine ganze Woche zu betrachten. Und dabei liegen folgende Länder* – natürlich im Verhältnis zur Einwohnerzahl – an der Spitze:

  1. Oman: 26,7 neue Fälle pro Tag pro 100'000 Einwohner
  2. Chile: 23,4
  3. Panama: 19,7
  4. Kuwait: 18,3
  5. Brasilien: 17,7
  6. Schweden: 13,1
  7. USA: 11,8
  8. Peru: 10,9
  9. Saudi-Arabien: 10,8
  10. Südafrika: 10,3

*nur Länder mit mindestens 3 Millionen Einwohnern berücksichtigt. Beachte, dass die Fälle auch in einem starken Zusammenhang mit dem Testvolumen eines Landes stehen.

Die 10 aktuell grössten Corona-Brandherde

Corona-Hotspots

Bild: watson

Oman, Kuwait, Saudi-Arabien

A Saudi cinema viewer has his temperature taken as he wears a face mask to help curb the spread of the coronavirus, at VOX Cinema hall in Jiddah, Saudi Arabia, Friday, June 26, 2020, after the announcement of easing of lockdown measures amid the coronavirus outbreak. (AP Photo/Amr Nabil)

Vor dem Kinobesuch wird bei einem Mann in Saudi-Arabien die Temperatur gemessen. Bild: keystone

Knapp fünf Millionen Menschen leben im Oman. Davon wurden fast 40'000 positiv auf das Coronavirus getestet. Tote vermeldet der Oman allerdings «nur» 169 – ein verhältnismässig tiefer Wert. Das hängt unter anderem damit zusammen, dass in den Golfstaaten generell relativ intensiv getestet wird.

Bei den allermeisten Infizierten und Toten handelt es sich um Expats, die im Oman leben und arbeiten. Expats machen insgesamt rund einen Drittel der Bevölkerung aus.

Seit Mitte Mai verteilt die Polizei im Oman auch Geldbussen, werden die behördlichen Vorschriften nicht eingehalten. So zahlen beispielsweise Ladenbesitzer umgerechnet rund 7400 Franken, wenn sie ihr Geschäft trotz Lockdown öffnen. Wer keine Maske trägt im öffentlichen Raum wird mit rund 50 Franken gebüsst. Bisher wurden rund 70 Millionen Franken Bussgelder gesammelt. Sie fliessen in einen Fonds zur Bekämpfung der Pandemie im Oman.

Swiss health minister Alain Berset speaks during a video conference with the health ministers of Oman and Botswana, on Tuesday, June 23, 2020, in Berne, Switzerland. The health ministers of Botswana, Nauru, Nepal, Oman, Peru and Switzerland start a coalition for a universal architecture of health protection. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Am 23. Juni sprach Bundesrat Alain Berset mit dem Gesundheitsminister aus dem Oman über die Zusammenarbeit. Bild: keystone

Auch Kuwait und Saudi-Arabien verzeichnen zwar aktuell viele Neuinfektionen, jedoch eine verhältnismässig kleine Anzahl Toter. In Kuwait sind es rund 350, in Saudi-Arabien 1600. Gerade in Saudi-Arabien, wo die Zahlen immer noch stark ansteigen, wurden allerdings Ende Juni wieder erste Lockerungen angekündigt.

Zu dieser Gruppe dazu zählen müsste man im Prinzip auch Katar und Bahrain (welche allerdings beide weniger als drei Millionen Einwohner aufweisen): Mit rund 3600 Infektionen pro 100'000 Einwohner ist Katar einsame Spitze, Bahrain liegt mit 1760 Infektionen pro 100'000 Einwohner ebenfalls weit vorne.

Brasilien, Chile, Panama, Peru

epa08496441 Brazilian Army soldiers unload 900 kilos of Personal Protective Equipment (PPE) material at the garrison hospital in the city of Tabatinga, Brazil, 19 June 2020. Military, police and health authorities carry out controls on the border, which remains closed, between the cities of Tabatinga (Brazil) and Leticia (Colombia).  EPA/JOEDSON ALVES

Das brasilianische Militär bringt Mitte Juni Schutzmaterial in ein Spital. Bild: keystone

Brasilien verzeichnet nach den USA die zweitmeisten Corona-Todesfälle. Seit Wochen wird Brasilien und insbesondere deren rechtspopulistischer Staatschef Jair Bolsonaro für den Umgang mit dem Virus kritisiert. Besonders leiden müssen die Menschen in den Armenvierteln in Rio de Janeiro und Sao Paulo: Die Gesundheitsversorgung ist schlecht und die Armut steigt noch stärker an.

Vor zwei Wochen haben Aktivisten am Strand von Copacabana symbolisch 100 «Gräber» ausgehoben – als Kritik an der brasilianischen Regierung.

100 symbolische «Gräber» am Strand von Copacabana

In den Top 10 der Länder mit den meisten Neuinfektionen befinden sich aber auch weitere lateinamerikanische Länder wie Peru, Chile und Panama.

Schweden

epa08509387 An information sign ask people to keep social distance due to the Covid-19 coronavirus pandemic, where people sunbathe and swim at a bathing jetty in Malmo, Sweden, 25 June 2020, during a heatwave with temperatures over 30 degrees Celcius.  EPA/Johan Nilsson/TT *** SWEDEN OUT ***

Temperaturen über 30 Grad lockten die Schweden in Malmö an die Sonne. Bild: keystone

Schweden ist der Spezialfall unter den Hotspots. Hohe – und immer noch steigende – Fallzahlen katapultieren Schweden in vielen Statistiken nach vorne. Kürzlich bezeichnete auch die Weltgesundheitsorganisation Schweden als «Corona-Risikoland».

Diesen Vorwurf weist Schwedens Staatsepidemiologe Anders Tegnell aber vehement zurück. Die WHO habe die Daten «fehlinterpretiert», meint er. Der Anstieg der Fallzahlen sei einzig und allein dem ausgeweiteten Testvolumen zu verdanken. Sowohl die Anzahl Todesfälle als auch die Anzahl Patienten auf Intensivstationen seien rückläufig.

Update: Die WHO hat ihre Aussage zu Schweden teilweise überarbeitet und einige positive Trends im skandinavischen Land hevorgehoben.

Obwohl das erst mal gute Nachrichten sind, verzeichnet Schweden mit über 5300 Toten verhältnismässig viele Tote. Zum Vergleich: Schweden ist mit rund 10 Millionen Einwohnern nur rund 20% grösser, hat aber mehr als drei Mal so viele Tote wie die Schweiz.

Dementsprechend alarmierend sind auch die hohen Fallzahlen – und das führt dazu, dass für die Schweden diesen Sommer viele Grenzen ins Ausland gesperrt bleiben.

USA

epa08511381 A group of people walk in Miami beach, Florida, USA, 26 June 2020. Florida's Department of Health confirmed on 24 June, 5,508 additional cases of Coronavirus, setting another daily total record high since the start of the pandemic. The state now has a total of 109,014 confirmed cases.  EPA/CRISTOBAL HERRERA

Wegen Covid-19 ist ein Strand in Miami Beach nachts gesperrt. Bild: keystone

Über 2,5 Millionen Personen wurden in den USA positiv auf das Coronavirus getestet, mehr als 125'000 sind gestorben. Die schlechte Nachricht dabei ist: Nachdem die Zahlen deutlich gesunken sind bis Mitte Juni, sind sie in den letzten Tagen wieder auf Rekordniveau gestiegen.

Damit hebt sich die Kurve der USA deutlich von deren Europas oder Kanadas ab. Der folgende Tweet stammt aus dem Corona-Newsletter der «New York Times» und zeigt die bestätigten Fälle pro Million Einwohner der letzten sieben Tage.

Besonders betroffen waren in den vergangenen 14 Tagen unter anderem die Staaten Florida, Texas, Arizona und Kalifornien. In einigen dieser Staaten wurden vergangene Lockerungen bereits wieder rückgängig gemacht. So mussten beispielsweise Bars in Texas nach starken Anstiegen von Corona-Fällen wieder schliessen.

Wo sich die Hotspots in den USA befinden

Hotspots in den USA

Hellblau = Fallende Zahlen, Gelb = Stabile Zahlen, Orange bis Rot = Steigende Fallzahlen, grau = keine oder wenige Fälle Bild: nytimes

Schuld am erneuten Anstieg sind teilweise zwar erhöhte Testvolumen – doch die ebenfalls deutlich angestiegenen Spitaleinlieferungen sprechen dafür, dass sich das Virus tatsächlich exponentiell ausbreitet. Gesundheitsexperten sehen die behördlichen Lockerungen als Ursache für den Wiederanstieg.

«Das ist nicht wegen eines Ausbruchs in einem Altersheim passiert.»

Dr. David Trasher, Jackson Hospital Montgomery

David Trasher, Arzt aus Montgomery, Alabama, bestätigte gegenüber dem Business Insider: «Die Spitäler sind am kämpfen. Wir sind am Limit, es ist ziemlich anspruchsvoll. Und das ist nicht passiert, weil wir mehr testen oder weil es einen Ausbruch in einem Altersheim gab. Es ist grösstenteils wegen der Verbreitung durch die Bevölkerung – und das wird zu einem Problem werden.»

Südafrika

FILE â?? In this Wednesday June 17, 2020, file photo a health worker in personal protective gear takes a break at the Netcare Christiaan Barnard Memorial Hospital in Cape Town, South Africa. South Africa's Health Minister Zwelini Mkhize said, Sunday, June 18, 2020, that the country's current surge of COVID-19 cases is expected to dramatically increase in the coming weeks and press the country's hospitals to the limit. (AP Photo/Nardus Engelbrecht/File)

Die Spitäler in Südafrika füllen sich mit Covid-19-Patienten. Eine Mitarbeiterin eines Spitals in Kapstadt braucht eine Pause. Bild: keystone

Die Situation in Afrika ist angespannt: Angesichts der steigenden Fallzahlen könnte der Kontinent zum nächsten Epizentrum der Covid-19-Pandemie werden.

Obwohl Afrika – geprägt durch frühere Epidemien – schnell reagiert hat und anfangs weniger mit dem Coronavirus zu kämpfen hatte, steigen die Fälle nun deutlich an, vor allem im 58-Millionen-Land Südafrika.

Besonders auf den Tourismus in Südafrika kommt eine harte Zeit zu. Viele Menschen haben sich im Tourismusbereich über die Jahre in den Mittelstand hochgearbeitet und haben nun Mühe, über die Runden zu kommen. Viele Nationalpärke, darunter der Kruger-Nationalpark, haben Grossteile der Mitarbeiter entlassen.

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