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Seychellen

Die Strände der Seychellen sind für geimpfte Touristen schneller erreichbar. Bild: Shutterstock

Diese 8 Länder zündeten nach Israel den «Impfturbo» – und so entwickelt sich ihre Lage

Israel impft mit Abstand am schnellsten gegen Covid-19. Dahinter folgen acht Länder aus allen Ecken der Welt und mit unterschiedlichen Strategien. Vereint haben sie meist eines: Sie planten früh, reservierten viel und von verschiedenen Anbietern. So steht es in diesen «Impf-Turbo-Ländern».



Wissenschaftler Eran Segal vom Weizmann Institute in Israel hat momentan einen schönen Job: Er kann fast täglich positive Nachrichten zur Wirkung der Impfungen in seinem Land verkünden. Gestern war es diese: Der Anteil von über-60-jährigen Covid-19-Erkrankter mit schwerem Verlauf nimmt stetig ab. Noch betreffen in Israel 56 Prozent der schweren Verläufe die Gruppe der Ü60. Bis Mitte Januar lag der Anteil immer zwischen 70 und 80 Prozent.

Seit dem 20. Januar sinkt dieser Anteil konstant. Die Auswirkung der Impfung setzte zwar etwa zehn Tage später als errechnet ein, nahm in den letzten vier Wochen aber stetig zu und scheint dies weiter zu tun. Erwartet wurde eine solche Abnahme während zwei Wochen. Warum es zur «Verspätung» kam, ist nicht ganz geklärt. Eine Möglichkeit: Die älteren Personen brauchen auch nach der zweiten Impfung etwas länger, bis der Schutz maximal wirkt.

Anteil der Ü60 bei den total schwer erkrankten Covid-19-Fällen

Impfungen Israel 60+

Blau: Entwicklung des Anteils der Ü60-Jährigen an schwer Erkrankten. Orange: Entwicklung der Geimpften Ü60. Bild: Twitter/Eran Segal

Mittlerweile hat in Israel fast die Hälfte der Einwohner eine Impfdosis erhalten, rund 31 Prozent auch die zweite. Damit ist Israel deutlich weiter als alle anderen Länder.

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An zweiter Stelle liegt Grossbritannien mit 23 Prozent Erst-Geimpfter. Das Land mit dem zweithöchsten Anteil Personen mit bereits zwei Impfungen sind die USA (4,5 Prozent der Bevölkerung).

Neben Israel (78 pro 100 Einwohner) haben folgende Länder/Gebiete mit mindestens 100'000 Einwohnern über 10 Impfdosen pro 100 Einwohner verabreicht: Seychellen (57), Vereinigte Arabische Emirate (52), Grossbritannien (23), USA (16), Bahrain (15), Chile (12), Malta (12) und Serbien (12). Die Schweiz folgt auf Rang 9 mit 6 Impfdosen pro 100 Einwohner). Zu beachten gilt hier: Das entspricht nicht der Impfquote, denn einige der Geimpften haben bereits zwei Impfungen erhalten.

Anzahl verabreichter Impfdosen pro 100 Einwohnern in den ausgewählten Ländern

Schauen wir uns die Situation in den erwähnten Ländern an:

Seychellen

Der Inselstaat vor der Küste Afrikas startete am 9. Januar mit den Impfungen des chinesischen Vakzins Sinopharm. 50'000 Impfstoffe habe man als Geschenk der Vereinigten Arabischen Emirate erhalten, weitere 100'000 versprach gemäss Medienberichten Indien vom Impfstoff Covishield. Da kommt man bei rund 100'000 Einwohnern schon sehr weit. Die aktuellsten Zahlen sprechen von 14 Prozent der Bevölkerung, die schon eine zweite Impfung erhielt, 42 Prozent die erste Dosis. Bis Mitte März will man 75 Prozent der Bevölkerung geimpft haben.

Bild

Die Seychellen geben beim Impfen Gas. Geimpfte Touristen können aktuell ohne Quarantäne einreisen. Bild: Shutterstock

Das Inselreich setzt auch beim Tourismus auf Impfungen: Ab Mitte Januar wurden die ersten geimpften Gäste empfangen. Diese mussten keine Quarantäne absolvieren nach der Einreise. Ob die Taktik aufgeht? Die Seychellen blieben während der bisherigen Pandemie wenig betroffen, man zählte nur rund 500 Fälle bis Mitte Januar 2021. Seither stieg die Zahl auf rund 2000 Fälle.

Der Impfstoff Sinopharm steht zudem in der Kritik. Die Wirksamkeit lässt Fragen offen. Unter anderem dürfen Personen unter 18 Jahren oder Personen mit schweren Allergien auf den Seychellen aktuell nicht geimpft werden.

Vereinigte Arabische Emirate

Die Vereinigten Arabischen Emirate mit ihren rund neun Millionen Einwohnern drücken ebenfalls aufs Gaspedal. 52 Impfdosen pro 100 Personen wurden hier seit dem 23. Dezember schon verabreicht. Zugelassen sind momentan die Impfstoffe Sinopharm, Pfizer/BioNTech, Sputnik V und AstraZeneca. Die VAE waren das erste Land, das Sinopharm schon im Dezember zuliess, nachdem dieses schon im September die Notzulassung hatte.

Das Land will den Impfstoff aus China auch bald selbst herstellen, um die Bedürfnisse zu befriedigen. Ziel sind 50 Prozent Geimpfte Mitte März und die baldige Herdenimmunität. Um schnell impfen zu können, wurden in den Grossstädten mehr als 100 Impfzentren eingerichtet.

People register for a polymerase chain reaction (PCR) test at the Guru Nanak Darbar Sikh Temple, in Dubai, United Arab Emirates, Monday, Feb. 8, 2021. With the coronavirus pandemic surging to new heights in the UAE, the Sikhs of Dubai have traded their traditional fare of free meals for free COVID-19 vaccines. The city's Sikh temple is administering 5,000 shots made by state-backed Chinese firm Sinopharm to those who may otherwise struggle to be vaccinated. (AP Photo/Kamran Jebreili)

In Dubai wird auch mit dem chinesischen Impfstoff Sinopharm gespritzt. Bild: keystone

Auch in den VAE werden Personen über 60 Jahre zuerst geimpft. Allerdings berichtete der «Guardian» auch, dass wohlhabenden Touristen die Impfstoffe angeboten würden. Personen mit beiden verabreichten Impfungen können dies 14 Tage nach der zweiten Dosis mit der App BeAware bestätigen.

Die Entwicklungen der Neuinfektionen stieg im Januar rasant auf rund 3000 Fälle täglich. Seither blieb die Zahl mehr oder weniger konstant hoch mit einer zuletzt leichten Abnahme.

Grossbritannien

Grossbritannien ist das europäische Land, das am schnellsten vorwärts macht bei der Impfung. 90 Prozent der über 70-Jährigen erhielten bereits eine erste Dosis. Über ein Viertel aller Erwachsenen erhielt schon einen Pikser. Premierminister Boris Johnson nannte dies einen «einzigartigen nationalen Erfolg».

Das Impftempo soll hoch bleiben. Bis Ende April sollen alle über 50-Jährigen und Risikogruppen mindestens eine erste Impfung erhalten haben. Das sind 41 Millionen Menschen. Aktuell stell sich die Frage, ob das mit Lieferengpässen möglich bleibt.

Britain's Prime Minister Boris Johnson holds a vial of the Oxford/Astra Zeneca Covid-19 vaccine at a vaccination centre in Cwmbran, south Wales, Wednesday Feb. 17, 2021. (Geoff Caddick/Pool via AP)

Boris Johnson sprach von einem «einzigartigen nationalen Erfolg». Bild: keystone

Warum kann Grossbritannien so schnell impfen? Früh wurde die Impfaktion mit einer Taskforce seit letztem Mai geplant, Kosten waren zweitrangig, dazu funktioniert das Gesundheitswesen effizient.

Die Fallzahlen sind seit Anfang Januar auf Sinkflug. Unlängst kündigte Boris Johnson darum ab März Lockerungen des Lockdowns an.

USA

Die USA geben unter der neuen Biden-Regierung richtig Gas. Allerdings war der ursprüngliche Impfplan dann doch zu ambitioniert. Statt schon im Frühling versprach Biden, dass bis im Juli alle Impfwilligen eine Dosis verabreicht bekommen. Dafür braucht es rund 600 Millionen Impfdosen. Aktuell erhielten rund 12 Prozent der Bevölkerung eine erste Dosis. In der vergangenen Woche wurden täglich rund 1,6 Millionen Amerikaner geimpft – beeindruckend.

epa09019887 US President Joe Biden and Vice President Kamala Harris meet with a group of labor leaders to discuss the American Rescue Plan and to get input on the President?s infrastructure plan, at the White house in Washington, DC, USA, 17 February 2021. The meeting was attended by Richard Trumka, President, American Federation of Labor and Congress of Industrial Organizations (AFL-CIO), Elizabeth H. Shuler, Secretary-Treasurer, American Federation of Labor and Congress of Industrial Organizations (AFL-CIO), James T. Callahan, General President, International Union of Operating Engineers (IUOE), Eric Dean, General President, Ironworkers International Union (IW), Robert Martinez, Jr., International President, International Association of Machinists and Aerospace Workers (IAMAW), Sean McGarvey, President, North America?s Building Trades Union (NABTU), Mark McManus, General President, United Association Union of Plumbers, Fitters, Welders, & Service Techs (UA), Terry O?Sullivan, General President, Laborers? International Union of North America (LIUNA), Kenneth E. Rigmaiden, General President, International Union of Painters and Allied Trades (IUPAT), and Lonnie Stephenson, International President, International Brotherhood of Electrical Workers (IBEW).  EPA/Pete Marovich / POOL

Joe Biden drückt bei den Impfungen aufs Tempo. Bild: keystone

Sicher ist: Die Fallzahlen sinken seit einem Monat beträchtlich. Warum dies genau so ist, kann nicht abschliessend gesagt werden. Die Impfungen sollen ihren Teil dazu beitragen, aber auch die die höheren Temperaturen seien ein Grund. Andere Experten glauben, dass die Zahlen im Januar so hoch waren wegen der Feiertage. Jetzt nähere man sich einfach wieder der «Normalität». Ebenfalls eine diskutierte Möglichkeit: Weil der Fokus auf dem Impfen liegt, wird weniger getestet.

Bahrain

Ähnlich wie die Vereinigten Arabischen Emirate setzte auch Bahrain auf Tempo. Schon im Dezember begannen die Impfungen. Von den rund 1,6 Millionen Einwohnern haben bis jetzt rund 15 Prozent mindestens eine erste Impfung erhalten. Die Notzulassungen haben die Vakzine von Pfizer/BioNTech, Sinopharm, Sputnik V und AstraZeneca. Zudem schickte Indien rund 10'000 Dosen von Covishield nach Bahrain.

Manama, Bahrain

Bahrains Hauptstadt Manama. Bild: Shutterstock

Bahrain steckt allerdings mitten in der dritten Welle, welche Ende Januar so richtig begann, aktuell werden täglich rund 800 neue Fälle nachgewiesen – ziemlich viel für so wenig Einwohner. Darum gelten ab kommendem Montag verschärfte Regelungen für Einreisende.

Zudem ist Bahrain eines der ersten Länder mit einem digitalen Impfausweis. Auch hier funktioniert dies über die BeAware-App und man erhält die Bestätigung zwei Wochen nach der zweiten Impfung.

Chile

In Chile sind Pfizer/BioNTech und Sinopharm zugelassen. Rund 12 Prozent der Bevölkerung erhielten eine Dosis, die zweite noch praktisch niemand.

Auffallend: Chile bestellte rund 90 Millionen Impfdosen für seine rund 20 Millionen Einwohner – was für ein nicht sehr wohlhabendes Land sehr viel ist. Der mutmassliche Grund: Als im Juni die Neuinfektionen stiegen, gab es massive Kritik gegen die eh schon angezählte Regierung. Präsident Sebastian Piñera schloss daraus: Wenn er wieder fester im Sattel sitzen möchte, muss er bei der Impfdosen-Beschaffung vorne mit dabei sein.

epa08688822 A handout photo made available by the Presidency of Chile shows Chilean President Sebastian Piñera during his virtual intervention at the 75th General Assembly of the United Nations, in Santiago, Chile, 22 September 2020. Piñera referred to the COVID-19 pandemic and stated that 'we will have to learn to live with the virus.'  EPA/Presidency of Chile HANDOUT  HANDOUT EDITORIAL USE ONLY/NO SALES

Chiles Präsident Sebastian Piñera erhofft sich durch Impferfolge steigende Popularitätswerte. Bild: keystone

Chile setzte auf chinesische Impfstoffe, die weniger Lieferprobleme haben. Zudem machte man bei klinischen Tests der Impfstoffe mit. Die Verteilung der Impfstoffe im Land läuft effizient und viele Impfzentren sind gut organisiert. Seit Anfang Februar laufen grossflächige Impfaktionen mit dem Sinovac-Impfstoff aus China. Bis Mitte März sollen 25 Prozent der Bevölkerung geimpft sein, bis im Juni rund deren 80.

Aktuell scheint im südamerikanischen Land die zweite Welle vorbei zu sein. Die Fallzahlen sind leicht rückgängig. Daran dürfte die Impfung noch keinen grossen Anteil haben.

Malta

Wie in Chile erhielt auch in Malta ein ähnlich grosser Anteil der Bevölkerung eine erste Impfung – rund 12 Prozent. Damit steht Malta EU-weit an der Spitze. Zugelassen sind Pfizer/BioNTech und Moderna. Personen zwischen 18 und 55 Jahren können auch eine Dosis von AstraZeneca erhalten.

Gründe für die schnellen Fortschritte gibt es zwei: Zum einen bestellte man zwei Millionen Impfdosen (damit könnte man die Bevölkerung zweimal impfen) und ein gut vernetztes Gesundheitssystem.

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Kein EU-Land spritzt pro 100 Personen mehr Impfdosen als Malta. Bild: Shutterstock

Lieferengpässe befürchtet man nicht gross. Neben den bereits zugelassenen Vakzinen dürften bald auch Johnson & Johnson, CureVac sowie Novavax die Zulassung erhalten.

Die Fallzahlen sind seit Wochen stabil zwischen rund 100 und 200 Neuinfektionen täglich. Erste Effekte der Impfung werden wohl in den nächsten Wochen sichtbar. Malta setzt sich für mehr Freiheiten von Geimpften ein, der Tourismus würde danken.

Serbien

Serbien sorgte zuletzt ebenfalls für positive Schlagzeilen in Sachen Impfung. Man vertraut dort auf Impfstoffe aus den USA (Pfizer), Russland (Sputnik V) und China (Sinopharm). Dafür erhielt man – auch dank freundschaftlichen politischen Beziehungen – zudem einen ziemlich guten Preis. Serbiens Premierministerin sagte dazu kürzlich der BBC: «Ob sie aus China, den USA oder der EU kommen, ist uns egal. Solange sie sicher sind und wir sie so schnell wie möglich kriegen.» Am Mittwoch knackte Serbien die Grenze zu einer Million gespritzten Impfdosen. Rund 350'000 Personen wurden schon zweimal geimpft.

Ebenfalls für das hohe Tempo spricht die Organisation der Impfstrategie. Die Anmeldung ist einfach, Impfstationen gibt es genügend. Allerdings wurde die Organisation auch schon kritisiert. So gab es Bilder von Impfwilligen in langen Warteschlangen ohne Abstände.

1000 bis 2000 tägliche Neuinfektionen seit Anfang 2021 sind für ein Land mit rund sieben Millionen Einwohnern viel, aber immerhin stabil.

Wir wollten eine Repo aus dem konservativsten Dorf machen – und sind gnadenlos gescheitert

Video: watson/nico franzoni

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Herr Impfexperte, was wird uns da eigentlich gespritzt?

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