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President Donald Trump waves to supporters from his motorcade as people gather for a march Saturday, Nov. 14, 2020, in Washington. (AP Photo/Julio Cortez)

So bekamen die Trump-Anhänger den US-Präsidenten zu Gesicht. Er winkte aus einem gepanzerten Fahrzeug. Bild: keystone

Tausende Trump-Fans demonstrieren – seine Sprecherin fabuliert von 1 Million Teilnehmern

Wie zu Beginn von Trumps Amtszeit verbreitet eine Sprecherin nun auch zum Ende «alternative Fakten». Und die Hardcore-Fans in Washington haben Fox News zum neuen «Feind des Volkes» auserkoren.



Mehrere tausend Anhänger von US-Präsident Donald Trump haben sich am Samstag im Zentrum von Washington versammelt, um ihm den Rücken zu stärken. Sie riefen Parolen wie «Vier Jahre mehr!» und «Wir wollen Trump!».

Der scheidende Präsident, der nach wie vor seine Wahlniederlage nicht anerkennt, winkte ihnen auf dem Weg zum Golf-Club aus einem gepanzerten Fahrzeug zu. Er hatte am Vortag in Aussicht gestellt, dass er bei den Demonstranten vorbeischauen und seine Fans begrüssen könnte.

Hier flippen Trump-Fans aus, als der Präsident vorbeifährt ...

Die Corona-Situation in den USA gerät unterdessen immer mehr ausser Kontrolle. Am Freitag gab es mit 184'514 Neuinfektionen den nächsten Rekord, wie aus Daten der Johns-Hopkins-Universität (JHU) hervorgeht. Mehr als 1400 Menschen starben.

Die Übertreibung

Trumps Sprecherin Kayleigh McEnany sprach bei Twitter von über einer Million Teilnehmern, Einschätzungen von unabhängigen Beobachtern und US-Medien reichten von einigen Tausend bis gut 10'000 Teilnehmern.

Bild

screenshot: twitter

Die Trump-Regierung hatte bereits ihre Amtszeit mit der Übertreibung der Teilnehmerzahl bei seiner Amtseinführung im Januar 2017 begonnen. Kellyanne Conway, die mittlerweile zurückgetretene Beraterin des US-Präsidenten, prägte die Bezeichnung «alternative Fakten», als Verteidigung der Fehlinformation durch den Sprecher des Weissen Hauses.

Fakt ist auch: Vor einer Woche feierten deutlich mehr Menschen in den Strassen von Washington, als der Sieg von Joe Bidens bei der US-Präsidentenwahl verkündet wurde.

Fox News im Visier der Trump-Anhänger

Redner bei der Pro-Trump-Demonstration auf dem Freedom Plaza unweit des Weissen Hauses hielten sich an Trumps Darstellung, dass ihm der Sieg durch massiven Wahlbetrug genommen worden sei. Sie versprachen, weiterzukämpfen und beschimpften Medien, die zu Unrecht Biden zum Wahlgewinner erklärt hätten. «Fox News sind Feinde des Volkes!», rief einer der Redner in die Menge. Der Kanal aus dem Medienimperium von Rupert Murdoch war lange der Haussender von Trump – rückte zuletzt aber merklich von ihm ab. Der Präsident hatte Medien wiederholt als «Feinde des Volkes» bezeichnet.

Der Demokrat Biden hat die Präsidentenwahl nach Berechnungen von US-Medien klar gewonnen. Er kommt demnach auf 306 Stimmen von Wahlleuten, 270 sind für den Sieg nötig. Bei seinem Sieg 2016 konnte Trump ebenfalls genau 306 Wahlleute auf seine Seite ziehen. In den USA wird der Präsident nicht direkt gewählt, sondern von den Wahlleuten, die dem Wahlergebnis in ihren Bundesstaaten folgen.

Trump verbreitete zuletzt unter anderem Gerüchte, dass bei der Stimmauszählung die verwendete Software für ihn abgegebene Stimmen zu Gunsten von Biden umgewandelt habe. Der Hersteller des Programms, Wahlleiter sowie mehrere US-Regierungsbehörden wiesen das zurück. «Stoppt den Diebstahl!», war ein Motto für den Marsch der Trump-Anhänger am Samstag.

QAnon-Unterstützerin hält längste Rede

Die längste Rede bei der Demonstration hielt die frisch gewählte republikanische Kongressabgeordnete Marjorie Taylor Greeene. «Die Demokraten sind keine amerikanische Partei mehr», verkündete sie. Ein Grund dafür sei, dass sie Amerikanern ihre Waffen wegnehmen wollten, behauptete Greene. Jetzt sei es Zeit, «eine Armee an der Basis» zu bilden.

People wearing shirts with Proud Boys on them join supporters of President Donald Trump in a march Saturday Nov. 14, 2020, in Washington. (AP Photo/Jacquelyn Martin)

An der Kundgebung namen auch die Proud Boys teil, eine rechtsextreme, rein männliche Trump-Supporter-Organisation. Bild: keystone

Taylor Greene wurde im Wahlkampf unter anderem als Unterstützerin der QAnon-Verschwörungstheorie bekannt. Die zentrale Behauptung der QAnon-Anhänger ist, dass es eine Verschwörung gegen US-Präsident Donald Trump in den tieferen Schichten des US-Regierungsapparats gebe. Ausserdem behaupten sie oft, prominente Politiker der Demokratischen Partei in den USA liessen sich mit Hormonen behandeln, die aus dem Blut von Kindern gewonnen würden.

Viele Teilnehmer der Demonstration trugen keine Masken. Trump hatte in seinem Wahlkampf stets behauptet, die USA würden in der Pandemie bald über den Berg sein. Zudem verwies er oft darauf, dass er selbst seine Covid-19-Erkrankung schnell überwunden habe – auch wenn er dafür mit einem noch experimentellen Antikörper-Medikament behandelt worden war.

(sda/dpa)

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