DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Five year old twins Amir and Sophia play in a fountain at wembley stadium to refresh from the sunny and hot weather before the Euro 2020 soccer championship in London, Wednesday, June 9, 2021. Euro 2020 kicks-off on Friday June 11 when Italy face Turkey in Rome. (AP Photo/Frank Augstein)

In Grossbritannien steigen die Fallzahlen an – das Land bangt um die bevorstehenden Öffnungsschritte vom 21. Juni. Bild: keystone

Was die Ausbreitung der Delta-Variante in Grossbritannien für die Schweiz bedeutet

Die hochansteckende indische Variante macht in Grossbritannien schon drei Viertel aller Fälle aus. Die ersten Studien zur Wirksamkeit der Impfung bei der Delta-Variante dürften auch für die Schweiz von Interesse sein.

Cet article est également disponible en français. Lisez-le maintenant!


Junge stecken sich an, Spitalauslastung steigt lokal

Die steigenden Fallzahlen in Grossbritannien sorgen seit Tagen für Schlagzeilen. Tatsächlich bereiten die Kurven den britischen Behörden Sorgen – schliesslich wären für den 21. Juni weitere Öffnungen geplant. Doch der Impfvorreiter Grossbritannien hat in den letzten Tagen erstmals seit Anfang März wieder mehr Fälle pro Million Einwohner registriert als die Schweiz.

Für den Anstieg verantwortlich sind im Vergleich zu früheren Wellen vor allem jüngere Personen aus stark betroffenen Regionen im Nordwesten Grossbritanniens.

>> Coronavirus: Alle News im Liveticker

Die folgende Grafik zeigt, dass bei bisherigen Wellen jeweils die Gruppe der älteren Personen (über 60 Jahre) parallel zur jüngeren Gruppe angestiegen ist. In den letzten Tagen ist hier aber eine Diskrepanz zu beobachten.

Die Situation in den Spitälern und die Todesfälle

Weil jüngere Personen Covid-19 häufiger mit milden Verläufen überstehen, steigt die Spitalauslastung auf nationaler Ebene entsprechend nicht an. Weil sich die Ausbrüche jedoch oftmals auf einzelne Regionen konzentrieren, sind trotzdem Anstiege von Corona-Patienten in den betroffenen Regionen zu beobachten.

Bei den Todesfällen blieb der Anstieg bisher aus – und zwar auch im Nordwesten, wo die Fallzahlen teilweise seit zwei Monaten exponentiell ansteigen.

Die folgende Grafik der britischen Financial Times zeigt den relativen Anstieg (in absoluten Zahlen liegt die Herbstwelle deutlich über der aktuellen Welle) der Fallzahlen und Todesfälle. Es ist zu erkennen, dass die Infektionen in dieser Region zwar aktuell ähnlich schnell steigen, die Todesfälle sich jedoch deutlich anders verhalten.

Relativer Anstieg der Fallzahlen und Todesfälle im stark betroffenen Nordwesten von England

Fallzahlen / Todsefälle UK

Hinweis: Grafik verwendet eine logarithmische Y-Achse. Eine ungefähr gerade Linie (wie in der Herbstwelle) entspricht also einem exponentiellen Anstieg. Bild: watson / Financial Times

Das sprunghafte Verhalten der Kurve mit Todesfällen in den letzten 60 Tagen ist den sehr tiefen absoluten Zahlen geschuldet. In der Tendenz steigen die Todesfälle jedoch nicht an.

mRNA-Impfstoffe schützen besonders gut gegen die indische Variante

Die gute Nachricht von den britischen Experten: Die Impfung wirkt. Ian Jones, Virologe der Reading Universität formuliert es so:

«Wenn die Impfungen Hospitalisierungen und mit ziemlicher Sicherheit Todesfälle verhindern, gibt es nichts, was man sich noch wünschen könnte.»

Ian Jones, Virologe der Reading Universität

Was fehlt, ist einzig mehr Zeit. Denn mit knapp einem Viertel ungeimpfter Personen hat das Virus noch immer genug Möglichkeiten, sich auszubreiten – insbesondere, wenn es sich dabei um eine hochansteckende Variante handelt.

Und zu diesen hochansteckenden Varianten gehört die in Grossbritannien inzwischen dominante Delta-Variante. Von den 128 Patienten, die zurzeit in Grossbritannien mit der Delta-Variante hospitalisiert sind, sind nur gerade drei Personen doppelt geimpft.

Gemäss einer kürzlich von der englischen Gesundheitsbehörden veröffentlichten Studie verhindern beide verwendeten Impfstoffe (AstraZeneca und Pfizer) symptomatische Verläufe nach nur einer Dosis zu 33 Prozent bei der Delta-Variante.

Doch die zweite Dosis kann den Schutz nochmals deutlich erhöhen: Mit AstraZeneca erreichte man in der Studie einen 60 prozentigen Schutz gegen die indische Variante, mit dem auch in der Schweiz verwendeten mRNA-Impfstoff von Pfizer sogar 88 Prozent.

Die zweite Dosis sei also entscheidend, halten die Studienautoren fest: Der Schutz, der die Impfung vor schweren Verläufen bietet, wird viel höher sein, als ihre Fähigkeit, leichte Infektionen zu verhindern.

«Es ist ein Wettlauf zwischen der Verabreichung der zweiten Impfdosen an alle und der Verbreitung der Delta-Variante»

Deborah Dunn-Walters, Vorsitzende der britischen Covid-Taskforce

«Wir scheinen also in einem Wettlauf zwischen der Verabreichung der zweiten Impfdosen an alle und der Verbreitung der Delta-Variante zu sein», fasst Deborah Dunn-Walters, Vorsitzende der britischen Covid-Taskforce zusammen.

Warum die Schweiz (bisher) nicht betroffen ist

Das BAG schätzt, dass die Delta-Variante in der Schweiz weniger als zwei Prozent aller Infektionen ausmacht. Überdurchschnittlich oft nachgewiesen wurde sie bisher in der Region Genf.

Ein exponentieller Anstieg wie in Grossbritannien ist hierzulande allerdings nicht in Sicht. Warum die Schweiz – und viele andere europäische Länder – bisher verschont blieben, kann sich der Basler Biophysiker Richard Neher nicht erklären. Eine Rolle würden aber wohl die tiefen Fallzahlen im April spielen.

In einem Twitter-Thread erklärt er weitere mögliche Gründe, warum die Delta-Variante die bisher dominante Alpha-Variante (aus Grossbritannien) nicht überall verdrängt hat. Ein Grund könnte sein, dass die indische Variante sehr vielfältig ist: Verschiedene Genotypen verteilen sich auf der ganzen Welt. Und obwohl unterschiedlichste Subtypen schon im April in ganz Europa gefunden wurde, verbreitete sich die Variante ausserhalb von Grossbritannien deutlich langsamer.

Doch Andreas Cerny, Infektiologe am Moncucco-Spital in Lugano warnte gegenüber 20 Minuten: «Es ist durchaus denkbar, dass sich die indische Variante auch bei uns ausbreitet – so wie vor einigen Monaten die britische Variante». Ungeimpfte seien insgesamt leichte Beute für die neue Variante.

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Von London nach New York in dreieinhalb Stunden

1 / 11
Von London nach New York in dreieinhalb Stunden
quelle: boom supersonic
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

Jetzt kommen die Impf-Taxis!

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

CO₂-Gesetz könnte kippen: Städte verzeichnen tiefe Stimmbeteiligung

Die Städte melden tiefe Stimmbeteiligungen. Das CO2-Gesetz wird angesichts Umfragewerte durch die Schlussmobilisierung entschieden werden.

Am kommenden Sonntag steht fest, wie sich die Klimapolitik der Schweiz entwickeln wird. Die Stimmbevölkerung entscheidet in einem Referendum über das CO2-Gesetz, dessen Chancen derzeit alles andere als gut stehen. Dies zeigen die repräsentativen Umfragen von gfs.bern und SRF, die vor der Abstimmung veröffentlicht wurden.

Gründe für die schlechten Chancen dürften in der urbanen, städtischen Bevölkerung zu finden sein: Diese befürwortet zwar gemäss jüngsten Umfragen mehrheitlich das …

Artikel lesen
Link zum Artikel